A crash course on Schopenhauer’s Philosophy (Ein Schnellkurs über Schopenhauers Philosophie)

Some quotes from Schopenhauer (einige Schopenhauer-Zitate)

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Abstract

Schopenhauer ist einer der grössten Philosophen des 19. Jahrhunderts, der zum ersten Male in der westlichen Philosophie zu Einsichten gelangte, die der indischen Weisheit entsprachen. Nur scheinbar war er jedoch auch ein Misanthrop und Frauenfeind (Schopenhauer is one of the greatest philosophers of the 19th century, who for the first time reached insights corresponding to the wisdom of India. Only superficially it seems that he also was a misanthrop and misogynist).

Schopenhauer war ein Pessimist und Atheist, tief vom Hinduismus und Buddhismus beeinflusst; seine Moralphilosophie basiert auf dem Mitleid mit Mensch und Tier. (Schopenhauer was a pessimist and atheist, deeply influenced by Hinduism and Buddhism; his moral philosophy is based on compassion with man and animal.)

Siehe die detaillierten Knols über (see the detailed knols on): Schopenhauer, Forerrunner of Darwin?, Schopenhauer, Grundlagen seiner Philosophie, und Schopenhauer, Vorgänger Darwins?,

Im folgenden einige Zitate, die meisten aus dieser  Auslese seiner Zitate (in the following some quotes, most from a collection of his quotes, English translations by me):

Glauben und Wissen (Faith and Knowledge):

Glauben und Wissen verhalten sich wie die zwei Schalen einer Waage: in dem Maße, als die eine steigt, sinkt die andere.
Faith and knowledge act like the two pans of a balance: one pans sinks as much as the other rises.

Ewiges Leben (Eternal Life):

Das Leben kann als ein Traum angesehen werden und der Tod als Erwachen.
Life can be viewed as a dream, and death as an awakening.

Hierzu: Thomas Mann, in enger Anlehnung an Schopenhauers Worte, interpretiert das so: “Der Tod ist nichts als die Aufhebung eines Irrtums…….Er ist nichts als das Verschwinden einer illusionären Scheidewand, die das Ich, in das du dich eingeschlossen findest, von der übrigen Welt trennt……….diese Welt, die deine Vorstellung ist, wird nicht mehr sein, du aber, nämlich gerade das in dir, was den Tod scheut, was ihn nicht will, weil es der Wille zum Leben ist, – du wirst bleiben, wirst leben, denn der Wille, aus dem du bist, wird das Tor zum Leben immer zu finden wissen. Ihm gehört ja die ganze Ewigkeit…..” (On this point: Thomas Mann, closely following Schopenhauers words, interprets this as follows: “death is nothing but the removal of an illusionary wall that separates the “I” in which you are enclosed, from the rest of the world…….this world, which is your “Vorstellung” (imagination) will not exist anymore, however you, i.e. just that part of you which is afraid of death and does not  want death, because it is the will to live – you will  remain, will live, because the will, of which you exist, will always find the gate to life. Because all of eternity belongs to it…….”)


Über den Charakter des Menschen (About the Character of Man):

Die Geschichte ist eine Fortsetzung der Zoologie.
History is a continuation of zoology.

Die Perfektion der Mittel und die Verwirrung der Ziele – das scheint unsere Zeit zu charakterisieren.
The perfection of the means and the blurring of goals seem to characterize our time.

Die Wilden fressen einander – die Zahmen betrügen einander.
Savages devour each other – civilized people betray each other.

Mein unerschütterliche Glaube an die Dummheit des Tieres Mensch hat mich nie enttäuscht und ist mir im Lauf des Lebens oft zustatten gekommen.
My unshakeable belief in the stupidity of the animal man has never disappointed me and has often helped me throughout my life.

Viele verlieren den Verstand deshalb nicht, weil sie keinen haben.
Many do not lose their mind because they do not have one.

Der Rang….ist…..eine Komödie für den großen Haufen.
One’s status (rank)….is……. a comedy for the masses.
(Schopenhauer, Aphorismen)

Ökonomie (Economics)

Sokrates sagte beim Anblick zum Verkauf ausgelegter Luxusartikel: Wie vieles gibt es doch, was ich nicht nötig habe.
Sokrates in front of articles of luxury spread out for sale: How many things there are which I don’t need.
(Schopenhauer, Aphorismen)

Patriotismus (Patriotism)

Jede Nation spottet über die andere, und alle haben recht.
Each nation ridicules the other, and all are right.
(Schopenhauer, Aphorismen)

Über die Frauen (About Women):

Der einzige Mann, der wirklich nicht ohne Frauen leben kann, ist der Frauenarzt.
The only man who really cannot live without women is the gynecologist.

Hierzu: Schopenhauer hatte eine Reihe von Affairen und hinterliess einen Teil seines Geldes einer früheren Geliebten, einer Berliner Schauspielerin  (On this point: Schopenhauer had a number of love affairs and left some of his money to a former lover, a Berlin actress.)

Mitleid als die Basis der Moralität (Compassion as the Basis of Morality):

Die vermeintliche Rechtlosigkeit der Tiere, der Wahn, dass unser Handeln gegen sie ohne moralische Bedenken sei, ist eine geradezu empörende Barbarei des Abendlandes. Die Tiere sind kein Fabrikat zu unserem Gebrauch. Nicht Erbarmen, sondern Gerechtigkeit ist man den Tieren schuldig.
The supposed rightlessness of animals, the delusion that we can act towards them without moral scruples, is a really disgusting barbarity of the Western world. Animals are not constructs for our use. We owe them justness and not mercy.

Mitleid mit Tieren hängt mit der Güte des Charakters so genau zusammen, dass man zuversichtlich behaupten darf: wer gegen Tiere grausam ist, kann kein guter Mensch sein.
Compassion with animals is connected with the goodness of character to such a degree that one can maintain with confidence: he who is cruel to animals, cannot be a good person.

Ethik kann so wenig zur Tugend verhelfen, als eine vollständige Ästhetik lehren kann, Kunstwerke hervorzubringen.
Ethics can help us to behave morally as little, as aesthetics can teach us how to produce works of art.

Hierzu: Schopenhauer hinterliess Geld, das  für die Sorge um seinen Pudel “Atma” (Weltseele) bestimmt war. Er war ein strikter Gegner jeglicher Vivisektion an Tieren (On this point: In his will, Schopenhauer left some money to be used for the care of his poodle “Athma” (world soul). He was strictly opposed to any vivisection on animals.)


Freiheit des Willens und Toleranz (Freedom of Will and Tolerance)

Siehe hierzu den Abschnitt “Der Einfluss Schopenhauers” (On this point see the section “The Influence of Schopenhauer”)

Kunst (Art)

Ein grosser Teil von Schopenhauers Philosophie beschäftigt sich mit Kunst, insbesondere Musik; Schopenhauer wird oft als der Philosoph der Kunst bezeichnet. (A large part of Schopenhauer’s philosophy deals with art and particularly music, Schopenhauer, indeed, has been called the philosopher of art.)

Dies wird in einem anderen knol besprochen. (This is discussed in another knol.)


Der Einfluss Schopenhauers (The Influence of Schopenhauer)


Der Einfluss Schopenhauers war und ist sehr gross, vor allem auf Künstler einschliesslich und insbesondere Musiker. Richard Wagner, zum Beispiel, widmete seine Oper Tristan und Isolde dem Philosophen (Schopenhauer war jedoch nicht beeindruckt und zog Rossini vor). Nietzsche, Freud, Wittgenstein, um nur einige von vielen zu nennen, waren von ihm beeinflusst. (Schopenhauers influence was and is great, particularly on artists including and especially musicians. Richard Wagner, for example, dedicated his opera Tristan and Isolde to the philosopher (Schopenhauer, however, was not impressed and preferred Rossini). Nietzsche, Freud, Wittgenstein, among many others, were influenced by him).

Hier ein kurzer Auszug aus Albert Einstein: I Believe (1940) (Here a brief excerpt from “Albert Einstein: I Believe” 1940):

“I do not believe we can have any freedom at all in the philosophical sense, for we act not only under external compulsion but also by inner necessity. Schopenhauer’s saying – “A man can surely do what he wills to do, but he cannot determine what he wills” – impressed itself upon me in youth and has always consoled me when I have witnessed or suffered life’s hardships. This conviction is a perpetual breeder of tolerance, for it does not allow us to take ourselves or others too seriously; it makes rather for a sense of humour.” (I glaube nicht, dass wir Freiheit im philosophischen Sinne besitzen können, da wir nicht nur durch äusseren Druck sondern auch durch innere Notwendigkeit handeln. Schopenhauers Aussage – ein Mensch tut sicherlich was er will, doch kann nicht bestimmen was er will – hat sich mir in meiner Jugend eingeprägt und hat mich immer getröstet, wenn ich an des Lebens Härte litt. Diese Überzeugung  ist eine andauernde Quelle der Toleranz, da sie uns nicht erlaubt, uns zu ernst zu nehmen; im Gegenteil – sie ist eine Quelle des Humors.


Über Schopenhauer (About Schopenhauer)

Fast jede zusammenfassende Darstellung grosser Philosophen hat einen Abschnitt über Schopenhauer (z.B. Russell 1946, sehr kurz und praktisch nichts über seine Philosophie der Kunst), und einige ausgezeichnete Essays sind ihm gewidmet. Thomas Mann 1938, zum Beispiel, hat einen sehr einfühlenden Aufsatz über ihn und seinen Einfluss geschrieben. (Almost each comprehensive discussion of great philosophers contains a section on Schopenhauer (for example Russell 1946: very brief and practically nothing on his philosophy of art), and some outstanding essays are devoted to his philosophy. Thomas Mann 1938 has written a very emphatic essay about him and his influence). A good essay on Schopenhauer’s philosophy was published in the online Stanford Encyclopedia of philosophy:

http://plato.stanford.edu/entries/schopenhauer/

Die Zitate wurden ursprünglich in meinem blog veröffentlicht (quotes originally published in my blog): http://blog.une.edu.au/klausrohde/2008/03/08/a-crash-course-on-schopenhauer%E2%80%99s-philosophy-ein-schnellkurs-uber-schopenhauers-philosophie/

und (and) hier .

Quellen (Sources)

Schopenhauer’s Sämmtliche Werke in Fünf Bänden. IV. Band. Aphorismen zur Lebensweisheit. Grossherzog Wilhelm Ernst Ausgabe, Insel Verlag Leipzig.

I Believe. Nineteen Personal Philosophies, Unwin Press, London 1940.

Thomas Mann: Schopenhauer (1938). In : Leiden und Grösse der Meister. Fischer, Frankfurt am Main und Hamburg 1957.

Bertrand Russell: History of Western Philosophy. George Allen & Unwin, London 1946. (Geschichte der Abendländischen Philosophie).

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