Wikipedia oder Knol? Meinungsfreiheit und Zensoren

· Erinnerungen, Philosophie, Politik
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Motto (aus einem Artikel im Spiegel)

“Alle vereint gemeinsame Bewunderung für ein wahrhaft universales Wort Rosa Luxemburgs, das sie dem totalitären Oberrevolutionär Lenin entgegenhielt: “Freiheit ist immer Freiheit des Andersdenkenden.

Hintergrund

Ich benutze eine Kontroverse darüber, ob ein angeblich rechtsextremer Wissenschaftler in der Wikipedia und bei Google-Knol gesperrt werden solle, und ob er sogar wegen seiner Ansichten seine beiden Doktorentitel verlieren solle, zu einer grundlegenden Diskussion über die Meinungsfreiheit, und insbesondere über das Zensoren-Prinzip der Wikipedia.

Andreas Kemper gegen Volkmar Weiss

Durch reinen Zufall fand ich einige Knols von Volkmar Weiss sowie Kritiken seiner Ansichten, insbesondere eine von Andreas Kemper.

Volkmar Weiss ist ein an der Humboldt-Universität Berlin habilitierter Genetiker und habilitierter Historiker, der einige Bücher und eine beträchtliche Anzahl wissenschaftlicher Arbeiten publiziert hat, die sich unter anderem (und vielleicht vor allem) mit der  sozialen Mobilität, der Psychogenetik und insbesondere der statistischen Auswertung von Intelligenzquotienten und der Vererbung von Intelligenz befassen. Er meint, dass etwa 50% der Intelligenz genetisch bedingt sei (andere Autoren geben zum Teil viel höhere Werte an), und dass es Intelligenzunterschiede zwischen Völkern und sozialen Strata gebe. Er war (und ist?) auch politisch aktiv, (bestreitet aber, rechtsextrem orientiert zu sein), und warnt vor der Verschlechterung der Intelligenz durch Einwanderung. Er hat auch einen Roman geschrieben, eine alternative Geschichte des Reiches, der anscheinend damit endet, dass der zehnte Führer zum Islam übertritt und neben Führer auch Kalif wird (Ich habe allerdings nur einige als Knols veröffentlichte Abschnitte flüchtig überflogen). – Andreas Kemper ist aktiv als Wikipedia-User und Knol-Schreiber (er hat über 250 Knols veröffentlicht, alle oder die meisten aus der Wikipedia überstellt). Er hat einen Magister in Soziologie von der Universität Münster und promoviert über “Klassismus” (ein schreckliches Wort, unter dem nach Kemper die auf Klassen- oder Schichtunterschiede bezogene Diskriminierung oder Unterdrückung verstanden wird). Also, Weiss ist rechts, Kemper mehr links orientiert (Kemper betont, dass er Arbeiterkind sei, fühlt sich also durch die Behauptung, dass Arbeiter geringere Intelligenz besitzen sollen, direkt angesprochen). – Die folgende cum grano salis zu verstehende Illustration soll so etwa die Unterschiede der Auffassungen charakterisieren.

Abbildung 1. Universalschema der menschlichen Abhängigkeiten. Ursprünglich von mir als lineare Nahrungsketten illustrierendes Schema gedacht, kann es auch als Illustration für die Ansichten (cum grano salis) von Volkmar Weiss und Andreas Kemper benutzt werden. Weiss: Intelligenzquotienten (symbolisiert durch die Grösse des Maules) am grössten oben, bei den zu Recht “oberen” Klassen. Kemper: Die Ausbeuter unterdrücken zu Unrecht die unteren Klassen, vor allem die durch den Moorrüben fressenden Affen symbolisierten Arbeiterkinder, die – wie man sieht – im Grunde viel cleverer sind als die Blödlinge oben. © Klaus Rohde.

Hat Weiss das Recht, seine Ansichten in der Wikipedia und bei Google-Knol zu veröffentlichen?

Es folgen einige Auszüge aus dem Blog Andreas Kempers (Fettdruck von mir, mein Kommentar kursiv).

“Als Dr. Dr. Volkmar Weiss 2005 seine “Studien” zu PISA mit dem Ergebnis abschloss, dass Türkinnen in Deutschland im Durchschnitt einen IQ von 86 besäßen, sorgte dies für einen internationalen Eklat. Vor allem die türkische Zeitung Hürriyet wollte diese rassistische Diskreditierung nicht stillschweigend dulden. Zwar lenkte Weiss nach diesen Verlautbarungen den Verfassungsschutz auf sich, aber irgendwelche Konsequenzen blieben aus. Vor allem aber konnte er weiterhin seine beiden Doktortitel mit sich herumtragen. Und diese stehen noch immer für eine Reputabilität und Seriösität.

Mit dem Internet scheint das Feld der akademischen Bildung jedoch einen Konkurrenten bekommen zu haben in den Verteilungskämpfen um soziales, kulturelles und symbolisches Kapital und vor allem auch in der Definitionsmacht dessen, was als Kapital anzuerkennen sei. Deutlich wird dies an einer Person wie Dr. Dr. Weiss. Während das akademische Feld viel zu schwerfällig ist, an seiner Reputabilität zu kratzen, die in den beiden Doktortiteln besteht, wurde (würde?) ihm mit der infiniten Sperre in der Wissensplattform Wikipedia sein symbolisches Kapital erheblich vermindert. Sperrantrag Volkmar Weiss

Während also dieser Dr. Dr. Volkmar Weiss in unerträglicher Weise von einem Rassenkrieg phantasieren kann, wo deutsche Freikorps-Verbände den kahlköpfigen hakenkreuzschwingenden Jugendlichen zur Hilfe kommen müssen, die sich verzweifelt dem türkischen Terror in Berlin erwehren, ohne dass dies Konsequenzen auf seine Seriösität suggerierenden Doktortitel hat, reicht ein Verweis darauf, dass er in Wikipedia aufgrund seines manipulativen Verhaltens für immer gesperrt wurde, um seine Seriösität so weit in Frage zu stellen, dass ihm auch seine Doktortitel nichts mehr nützen.

Hat also Wikipedia den akademischen Apparat abgelöst als Instanz, die wissenschaftliche Seriösität gibt und nimmt? Jein. Noch nicht.
Wikipedia gewinnt aber kontinuierlich an Anerkennung und die Zusammenarbeit mit wissenschaftlichen Institutionen wird enger. Gleiches erleben wir bei Google. Für mich als ehemaliges Arbeiterkind ist diese Entwicklung spannend, da die Kombination von  Habitusformen und bürgerlichem Bildungssystem immer suboptimal bleiben muss, da sie Akademikerkinder genauso zielsicher zu einem akademischen Abschluss führt, wie sie dies bei Arbeiterkindern verhindert. Wikipedia und Google fragen nicht nach dem Habitus, jedenfalls nicht in der eingeschliffenen klassistischen Weise des traditionellen Bildungssystems. Mag sein, dass  sich soetwas auch in Internet-Wissensplattformen einspielen wird. In der jetzigen Übergangsweise werden die Karten jedoch neu gemischt und da ist vieles offen in der Besetzung der Definitionsmachtfragen.

Dem Herrn Weiss jedenfalls haben seine Doktortitel in Wikipedia nur insofern genützt, als er nicht sofort für seine Manipulationsversuche infinit gesperrt wurde, sondern erst nach einer verwarnenden viermonatigen Sperre. Nun versucht er sein Glück bei Google-Knol, einer Wissensplattform, die nicht annäherungsweise Reputabilität zu versprechen scheint – im Moment. Immerhin arbeitet Google bereits mit fünf Universitäten in Saudi Arabien und Ägypten zusammen und verspricht sich durch einen Artikel-Wettbewerb der Studierenden eine akademische Anerkennung. Wenn Sie jedoch gleichzeitig Herrn Weiss publizieren lassen, der auch für Ägypten und Saudi Arabien Durchschnitt-IQs zu präsentieren weiß (je 83), dann könnte sich Google bestensfalls einen contentschachernden Ekklektizismus vorwerfen lassen, schlimmstenfalls entdecken wie zuvor die Hürriyet agyptische oder arabische Zeitungen die deutschsprachigen Artikel von Weiss. Google täte gut daran, den Content auf seinen Seiten besser zu kontrollieren. Im Gegensatz zu Wikipedia mit seinen tausenden von Mitarbeiterinnen, setzt Google auf Algorithmen. Diese können bislang jedoch noch keine rassistischen Texte aufspüren. Und solange deshalb Texte wie “Berlin nach dem Türken-Aufstand” in Google möglich sind, bildet die Wissensplattform Google-Knol nicht die gleiche Konkurrenz zur akademischen Definitionsmacht, wie dies Wikipedia bereits erreicht hat.”

Andreas Kemper würde also, wenn er die Macht hätte, Herrn Weiss die Doktorentitel entziehen und ihn sozusagen aus der Wikipedia und Google-Knol schmeissen. Bisher ist ihm dies aber noch nicht völlig gelungen, denn ich fand den Artikel über Weiss in der deutschen Wikipedia, wie auch einige Knols von ihm. Allerdings scheint einiges von Weiss aus der Wikipedia entfernt worden zu sein. – Weiss’s rechtsextreme Ansichten scheinen mir zwar abstossend, aber es ist fast a priori klar, dass die Intelligenz (wie wohl alle Eigenschaften der Menschen und Tiere) eine starke genetische Komponente haben. Andreas Kemper nennt es aber “rassizistische Diskriminierung”, Befunde über Unterschiede des IQ zu publizieren, vor allem auch deswegen, weil nicht jeder mit der Methodik von Weiss v
oll einverstanden ist. (Es ist natürlich etwas ganz anderes, wenn derartige Befunde in wissenschaftlichen Arbeiten diskriminatorisch gedeutet werden). Es dürfte ihn beruhigen, dass Carl Friedrich Gauss und viele andere grosse Männer aus den niedrigsten Schichten stammten, und dass Thomas Mann brasilianische Kreolen, und Alexander Puschkin einen äthiopischen Sklaven unter seinen Vorfahren hatten. Ich wäre sehr überrascht, wenn Volkmar Weiss das nicht wüsste, denn er  bezog seine Ausbildung immerhin in der DDR. – Was Volkmar Weiss’s Buch über die alternative Geschichte des Reiches mit den fiktiven Führern anbetrifft, if fand es eher belustigend. Was will man denn damit erreichen, so etwas zu verbieten? Leben die Deutschen denn alle immer noch in Kindergärten, dass man sie vor gefährlichen Fremdeinwirkungen schützen muss? Die ewig Unverbesserlichen lassen sich sowieso nicht belehren. Verbote schaffen Neugierde und Märtyrer, und vor allem den Verdacht, dass die Zensierten vielleicht doch Recht haben könnten!

Die wissenschaftliche Seriösität der Wikipedia

Andreas Kemper schreibt: “Hat also Wikipedia den akademischen Apparat abgelöst als Instanz, die wissenschaftliche Seriösität gibt und nimmt? Jein. Noch nicht. Wikipedia gewinnt aber kontinuierlich an Anerkennung und die Zusammenarbeit mit wissenschaftlichen Institutionen wird enger. Gleiches erleben wir bei Google.”

Andreas Kemper hält es also für möglich und anscheinend für wünschenswert, dass Wikipedia einen “peer review” Prozess (der durchaus seine Mängel hat !), durch den Abstimmungsprozess unqualifizierter Wikipedia-Mitarbeiter ersetzt. Hierzu einiges im folgenden.

Professor Carl Hewit, MIT, über die Wikipedia

Dies sind einige Ausschnitte (meine Uebersetzungen) eines ausführlichen und eingehend dokumentierten Knols von Professor Emeritus Carl Hewitt (Electrical Engineering and Computer Science Department am Massachusetts Institute of Technology, MIT). Er war der IBM Chair Visiting Professor am Department of Computer Science an der Keio Universität in Japan. Er ist wohl bekannt als Erfinder von Planner (einer pionierenden künstlichen Intelligenz Programmiersprache) und arbeitet zur Zeit über parakonsistente Logik (direkte Logik). Der vollständige Knol hier: Wikipedia corruption:

Unter dem Gottkönig ist eine Befehlskette vom Board of Directors zu einer Hierarchie von (hauptsächlich anonymen) Stewards, Bürokraten, Arbitratroren und Administratoren. Diese Hierarchie hat absolute Macht über den Zensorprozess der Wikipedia. Einige diese Machtverhältnisse beruhen auf persönlichen Bekanntschaften.

Es erfordert wissenschaftliche Expertise……… Doch hat Wikipedia erhebliche Probleme mit Expertise. Um ihr System der Kontrolle zu erhöhen, hat Wikipedia erlassen, dass Herausgeber von Artikeln von schwierigem technisch- wissenchaftlichem Inhalt keine wissenschaftlichen Qualifikationen besitzen müssen.

Wikipedia übt Zensur im grössten Masstab aus. Die Macht der Wikipedia beruht in vielem auf der Wirksamkeit ihrer Zensur. Wikipedia Artikel ranken hoch bei den Suchmaschinen-Ergebnissen wegen ihrer breiten Reichweite und der Tatsache, dass spam- und nicht-traditionelle Gesichtspunkte wirksam ausgefiltert werden. Diese Korruption  wird toleriert und führt dazu, Administratoren zu korrumpieren. Diese Korruption wird toleriert und in einigen Fällen sogar ermutigt, weil Wikipedia in einem grossen Masse von Administratoren abhängt, die einen Grossteil ihrer Zeit  ihren Zensorenpflichten widmen. Daher ist Zensorenmacht über den Inhalt von Artikeln eine notwendige Belohnung durch Wikipedia an die unbezahlten Administratoren, selbst wenn die Qualität der Artikel beeinträchtigt wird.

Tatsächlich ist es möglich, dass bei Wikipedia wirkliche Experten auf einem Gebiet zu “Vandalen” erklärt werden.

Unglücklicherweise passiert das oben Angeführte ziemlich oft bei der Wikipedia, anscheinend durch Böswilligkeit motiviert.

Wikipedia, im Gegenteil, verehrt die Verachtung von Lernen, Wissen und Expertise. Sie ist, für viele, ein der Ablenkung dienendes Hobby ….wie für viele andere es Komputer/Video Spiele sind. Unglücklicherweise hat dies zu einem inneren Kult geführt, verschleiert durch Anonymität, dessen Strukturen und Prozesse der Selbst-Regulierung völlig inadäquat sind. ……… …

Nach dem Wikipedia-Herausgeber …. ist der Konsensus unter Akademikern, dass sie wegen der andauernden unglaublichen Verachtung der Wikipedia für Akademiker keine Wikipedia-Artikel schreiben sollten.

Gemäss Dr. Barry Kort (Moulton): aufgrund des Ausmasses an Funktionslosigkeit, die bei der Wikipedia vorherrscht, ist der am besten geeignete Weg für einen Prinzipien-treuen Wissenschaftler, sich aus dem Projekt zurückzuziehen.

Ein weiteres Problem ist dass Wikipedia ein Muster der Drangsalierung entwickelt hat….. Und natürlich korrumpiert absolute Macht absolut.

Wikipedia ist der Spielplatz für streitlustige Jugendliche.

Wikipedia ist keine Enzyklopädie, wegen der Zensur durch Administratoren, sofortiger Publizierung anonym eingereichter Beiträge, Fehlen von Verantwortlichkeit, und Disrespekt für Expertise.

Wikipedia verleumdet Leute regelmässig

Kann man Wikipedia reformieren?

Anscheinend schwierig aus verschiedenen Gründen.

Meine Erfahrungen mit der Wikipedia

Leider bestätigen meine Erfahrungen mit der deutschen Wikipedia das soeben Ausgeführte, obwohl ich vorwiegend gute Erfahrungen mit der englischen hatte (für Einzelheiten siehe meinen Blog). Vor etwa zwei Jahren publizierte ich einen ziemlich umfangreichen Beitrag über “Meeresparasiten des Menschen” und drei Artikel über “Leere Nischen”, “Nischenbegrenzung” und “Effektive evolutionäre Zeit” in der deutschen Wikipedia (und englische Versionen der letzten drei auch in der englischen Wikipedia). Hierzu (es sieht nach Selbst-Beweihräucherung aus, ist aber leider notwendig): ich bin einer der führenden international anerkannten Meeresparasitologen und habe die Standardwerke über das Gebiet entweder geschrieben oder herausgegeben; und ich bin einer der meist zitierten Autoren auf dem Gebiet der Kausalanalyse der globalen Biodiversität (die drei erwähnten Wikipedia-Artikel befassen sich hiermit). Dies hinderte die Wikipedia, unter der Federführung eines Achim Raschka, aber nicht daran, den Artikel über Meeresparasiten mehr oder weniger sofort zu entfernen, angeblich wegen Copyright-Verletzung (ich hatte als Quelle das von mir herausgegebene Buch “Marine Parasitology” angegeben, und die sei ja “copyright-geschützt, welcher Unsinn), und ebenso die anderen drei Artikel (wegen “wissenschaftlichen Schwachsinns”). Aus heiterem Himmel tauchten alle vier Artikel nach mehreren Monaten wieder auf, die drei letzten sind vor kurzem aber wieder verschwunden, und zwar in dieser Art:

Hypothese der effektiven evolutionären Zeit
    * 10:50, 12. Apr. 2009 Achim Raschka (Diskussion | Beiträge) hat „Hypothese der effektiven evolutionären Zeit“ gelöscht ‎ (Fehlende Relevanz bzw. Darstellung selbiger: Reine Theoriefindung bzw. Einzelmeinung)

Hypothese der Nischenbegrenzung
Dieser Artikel wurde in der Qualitätssicherung Biologie als Artikel mit extremen Mängeln eingetragen. Das bedeutet, dass der Artikel ohne eine deutliche Verbesserung des Artikels als nicht erhaltenswürdig eingestuft wird und ihm mittelfristig möglicherweise die Löschung bevorsteht. Dies geschieht, um die Qualität der Biologieartikel auf ein akzeptables Niveau zu bringen.
    * 02:55, 12. Apr. 2009 Denis Barthel (Diskussion | Beiträge) hat „Hypothese der Nischenbegrenzung“ gelöscht ‎ (Kein Artikel oder kein enzyklopädischer Inhalt: Privattheorie)

Also “Einzelmeinung” und “Privattheorie”. Tatsächlich handelt es sich hier um weit diskutierte und von vielen akzeptierte Hypothesen. Falls Zweifel bestehen, siehe Klaus Rohde bei Google Scholar und meine relevanten Arbeiten. Die Artikel sind alle als Knols (zwei praktisch unverändert, zwei mit Zusätzen) veröffentlicht: Meeresparasiten, Effektive evolutionäre Zeit, Nischenbegrenzung, Leere ökologische Nischen. Oder ist der wahre Grund vielleicht ein ganz anderer? Immerhin hat es ja lange gedauert, bis dieser neue Ausschluss erfolgte. Liegt der wahre Grund vielleicht in meinem Blog?

Wikipedia oder Knol?

Aufgrund meiner Erfahrungen und der anderer dürfte wohl kein Zweifel bestehen, wo meine Präferenzen liegen. Wikipedia, zumindest die deutsche Version, ist kein seriöses Instrument der Informationsverbreitung und nur mit äusserster Vorsicht zu geniessen. Knol ist jung und muss sich noch bewähren, die Gefahr hier scheint mir darin zu bestehen, dass zu viele ihren Unsinn darin veröffentlichen können. Doch lehne ich jede Art der Meinungskontrolle ab.

Diskussionsvorschlag

Ich stelle die folgenden Fragen:

1) Ist es wünschenswert, dass Wikipedia “den akademischen Apparat ablöst als Instanz, die wissenschaftliche Seriösität gibt und nimmt?”

2) Die menschliche Gesellschaft (sprich jeder Staat) muss der Freiheit gewisse Grenzen setzen, um funktionieren zu können, aber wo sollen sie liegen?

3) Mehr spezifisch: soll man gestatten, Informationen über IQ-Unterschiede zwischen sozialen Strata und Völkern zu publizieren,  weil sie als Diskriminierung verstanden werden können (hierzu: selbst Weiss gibt zu, dass ein Grossteil der Unterschiede auf sozialen Unterschieden und damit Unterschieden der Erziehungschancen beruhen, was eine irgendwie implizierte rassische Interpretation kaum glaubwürdig macht). (Interessant in diesem Zusammenhang, dass einer der Entdecker der “Double helix” und Nobelpreisträger kürzlich von seiner Stellung als Direktor eines amerikanischen wissenschaftlichen Institutes entlassen wurde, weil er gesagt haben sollte, dass Neger weniger intelligent als andere sind, aber dass derselbe Wissenschaftler Barack Obama, dessen Wahlkampf er mit einem grossen finanziellen Beitrag unterstützte, für den “intelligentesten amerikanischen Präsidenen seit Abraham Lincoln” hält).

4) Ebenfalls spezifisch: der Vorschlag, Völker vorwiegend durch genetische Unterschiede zu definieren, scheint mir schon vom Ansatz her falsch. Siehe diesen meinen Knol: Mneme sind in der modernen Welt sehr wichtig, obwohl selbstverständlich auch Gene eine Rolle spiele. Was die Gene anbetrifft, der Heterose-Effekt ist wohl bekannt und dokumentiert. Er besagt, dass Mischungen von Populationen oft zu fitteren Nachkommen führen als “reine” Populationen. Die USA sind sicherlich auch aus dem Grunde wissenschaftlich und wirtschaftlich sehr erfolgreich, weil sie ein Sammelsurium vieler “Rassen” sind. Womit ich nicht sagen will, dass eine Mischung unbegrenzt sein soll. Aber sind die USA auch deshalb erfolgreich, weil die Meinungsfreiheit viel weiter geht als zum Beispiel in Deutschland?

5) Angenommen, dass gelegentlich extreme, von der Mehrheit nicht akzeptierte Meinungen verbreitet werden, wie gefährlich ist das? Ist es möglich, dass die wirklichen Gefahren ganz woanders liegen, nämlich in der Kontrolle der Media (im weitesten Sinne, inklusive Wikipedia und Knol) durch gewisse Interessen- oder Meinungsgruppen? Vor dem Iraqkrieg ist praktisch die gesamte (nicht nur) amerikanische Presse auf die Linie von Bush und Konsorten eingeschwenkt, obwohl die Tatsachen offensichtlich im grossen Stile manipuliert waren. Aus diesem Grunde und vielen anderen: Meinungskontrolle und exzessive Konzentration der meinungsbildenden Instrumente muss auf jeden Fall verhindert werden. Daher: ist Wikipedia wirklich ein hoffnungsloser Fall, und sollte sich Knol hüten, in die gleiche Falle zu geraten?

6) Schliesslich, soll man Wissenschaftlern ihre akademischen Grade aberkennen, weil sie politisch nicht akzeptable Meinungen äussern?

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Weiss ist nicht wegen seiner Inhalte in Wikipedia gesperrt worden, sondern weil er in unerträglicher Weise mehrfach manipulativ tätig wurde. Mit einer Check-User-Anfrage konnte ihm nachgewiesen werden, dass er Mehrfachkonten missbräuchlich eingesetzt hatte.
Eine seiner bewussten Irreführungen: In einer sensiblen Diskussion unter dem Nickname Charles Spearmann wurde er ausfallend, mehrere Diskussionsteilnehmer verwahrten sich gegen Beleidigungen. Kurz darauf meldete sich ein Dr. Volkmar Weiss zu Wort: “Benutzer Charles Spearman soll froh und dankbar sein…”, “So habe ich ein ganz klein wenig Verständnis für Benutzer Charles Spearman…” Mit dieser Manipulation hatte er vorübergehend Erfolg.
Aber Lügen haben bekanntlich kurze Beine. In einem regulären Sperrverfahren wurde Weiss für vier Monate gesperrt. Nachdem er nach dieser Verwarnung nicht mehr seine “Sockenpuppen” vorschicken konnte, um zu rüpeln, sondern diese Rüpeleien unter einem Namen bündeln musste, wurde es irgendwann zuviel und er wurde infinit gesperrt. Wikipedia-Autoren ohne Doktortitel sind sehr viel schneller gesperrt worden. Quasi “auf Bewährung” kann Herr Weiss inzwischen in Wikipedia weiterschreiben. Vielleicht hat er auch dies seinem Doktortitel zu verdanken. So ein Titel verschafft nunmal Reputabilität trotz solcher Gestalten wie Dr. Goebbels, der als Privatsekretär Gregor Strassers seine Nazi-Karriere begann.
Manipulationen, rassistische Diskriminierungen und nationalsozialistische Propaganda sollten auch in Knol keinen Platz haben.
– Andreas Kemper

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