Erinnerungen I. Als Kind und Jugendlicher in Nazi-Deutschland.

· Deutschland, Erinnerungen, Memoirs, Politik
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Brandenburg/Havel Siegel und Wappen der Stadt Brandenburg. Aus: Blätter für Heimatpflege, Vierter Jahrgang. Im Auftrage des Lehrer- und Lehrerinnenvereins Brandenburg (Havel) E.V. Herausgegeben von Erich Krebs. Brandenburg 1928.[1]

Geboren im März 1932, am Ende des Krieges also gerade 13 geworden, alt genug um einigermassen zu verstehen, was sich abspielte, zumal ich relativ intelligent war und bin (siehe hier). Geboren und aufgewachsen in Brandenburg/Havel, der tausend Jahre alten preussischen Industrie- und Garnisonsstadt. Damals so etwa 70 000 bis 90 000 Einwohner, politisch vor der Nazizeit immer stark links: Sozialdemokraten und Kommunisten, was die Stadt Hitler anscheinend nicht sehr sympathisch machte. Industrie: Stahlwerke, Arado – Flugzeugwerke, Opel – Lastwagenfabrik, um nur die wichtigsten zu nennen. Kasernen fünf Minuten von unserem Haus. – Die Stadt über 1000 Jahre alt, viele historisch alte Gebäude wie der Dom, die St.Katharinen- und St.Gotthard-Kirche, das Paulikloster, Stadttortürme, Reste der Stadtmauer, usw. Landschaftlich sehr schön: die Havel, einige Seen und viel Wald. Die Stadt bestehend aus der Altstadt und Neustadt, daher das Doppelwappen (Altstadt links). Ich war mächtig stolz, Altstädter zu sein, da mir das irgendwie historischer (älter) zu sein schien, obwohl sowohl Alt- wie auch Neustadt “mittelalterlich alt” sind. Vor allem nahm ich es den Neustädtern übel, dass sie irgendwann vor einigen hundert Jahren den Roland, der bis dahin vor dem altstädtischen Rathaus stand, gestohlen hatten und vor ihrem Rathaus aufstellten (allerdings weiss ich nicht, ob das historisch belegt ist). In den letzten Kriegswochen wurde das neustädtische Rathaus durch Bomben zerstört und der Roland steht jetzt wieder vor dem altstädtischen Rathaus: historische Gerechtigkeit!


Aus meinem Skizzenbuch. Oben St.Gotthard-Kirche und Rathenower Torturm, unten Dom.

© Klaus Rohde

Am Görden, einem Ausflugsziel am Rande Brandenburgs, einfach mit der Strassenbahn zu erreichen, das Zuchthaus, in dem unter anderem Erich Honecker (der spätere “Vorsitzende” der DDR) und Ernst Busch (der berühmte Schauspieler und Sänger, Freund Bertolt Brechts, nach dem Krieg am Berliner Ensemble) inhaftiert waren. Am Görden auch das Asyl für Geisteskranke, bei uns als “Verrücktenanstalt” bekannt, das anscheinend am Euthanasie-Programm beteiligt war. Nicht weit von der Stadtmitte ein weiteres, kleineres Gefängnis, etwa fünf Minuten (zu Fuss) von unserem Haus, an dem ich jeden Tag auf dem Weg zur Schule und zurück vorbei musste. Ich war also gut plaziert, das politische Geschehen zu beobachten.

Frühe Kindheit und Kindergarten

Wie wuchs man auf? Nun, ich nehme an, wie Kinder in anderen Ländern auch: man hatte Angst über den Hof, zum Kindergarten oder zur Schule zu laufen, weil man sich von einem kämpferischen Hahn oder Truthähnen bedroht fühlte, und später weil man einer Keilerei mit “Freunden” aus dem Weg gehen wollte. Unser Haus war 200m von der Havel entfernt, und so entdeckte ich früh meine Begeisterung fürs Angeln, zuerst fürs illegale Angeln, was diesem Sport eine besondere Würze verlieh. Wir waren immer auf Ausschau nach der Wasserpolizei, die per Schnellboot nach illegalen Anglern fahndete. Ich wurde auch früh ein einigermassen guter Schwimmer, das Schwimmen praktiziert in der Havel, in der Badeanstalt am Grillendamm oder im Hallenbad. Im Vorschulalter ging ich eine zeitlang in einen evangelisch-kirchlichen Kindergarten, und hier folgt der Text und das Photo eines kleinen handgeschriebenen “Büchleins”, das mir zum Abschied aus dem Kindergarten im April 1938 von “Tante Hedwig”, der Leiterin des Kindergartens, übergeben wurde.


Kindergartenphoto 1938. In der Mitte (mit dunklem Hemd und Hose) ich.

“Einen herzlichen Gruss aus dem Kindergarten! Tante Hedwig, Bandenburg, den 13.4.1938.

Denkt oft daran, was wir zusammen gelernt und gespielt haben..

Habe Gott vor Augen und im Herzen!

Ich bin ein kleines Kindelein und meine Kraft ist schwach, ich möchte gerne selig sein und weiss nicht wie ich’s mach! Mein Heiland du warst mir zu gut mir armes kleines Kind, und hast mich durch dein teures Blut erlöst von Tod und Sünd!

Ostern, Ostern Frühlingswehen, Ostern, Ostern, auferstehen…

Ich bin ein deutscher Knabe mit echtem deutschen Sinn und Deutschland heisst die Erde, und Deutschland heisst die Erde, wo ich geboren bin.

Heil Hitler du bist unser Freund dir folgen wir in Reihn, wir alle Kinder gross und klein, zu zwein oder drein. Sieg Heil, Sieg Heil!”


Mein erstes Kunstwerk, auf der letzten (leeren Seite) des Kindergartenbüchleins.

Besser als den Kindergarten habe ich die Kino-Besuche in Erinnerung: Sonntag morgens bekamen wir öfter Geld von unseren Eltern, um eine Matinee-Vorstellung zu besuchen. Die Schlangen and der Kasse waren lang und so bekamen wir manchmal keine Karten. Meine Lieblingsserie: Tom Mix (Trapper und Indianer, amerikanische Filme). Ich kann mich nicht erinnern, wie alt ich zu der Zeit war. Irgendwann zu dieser Zeit bekamen wir auch unser erstes Radio, eine Sensation für uns: die technische Revolution war zu Hause angekommen.Wir waren “aufgeklärt”. Gelegentlich ging unsere Familie sonntags zum Platzkonzert bei Kaffee und Kuchen in den Park, was ich fürchterlich langweilig fand. Einmal sah ich auf dem Weg dorthin ein Kondom auf der Strasse liegen (bei uns als Fromms bekannt, der Markenname). Ich schrie laut: “kuck mal Mutti, een Fromms”), wofür sie mich auf die Backe haute und sich mit rotem Kopf bei einem entgegenkommenden Mann entschuldigte. In der Nähe übrigens eine kleine Halbinsel, auf der Kondome sozusagen in Massen herumlagen: Treffpunkt der Geschlechter.

Grundschule und Gymnasium

Schliesslich kam ich auf die Nikolaischule, zwei Minuten vom Gefängnis. Besonders in Erinnerung aus dieser Anstalt habe ich zwei Lehrerinnen, die dicke Meineke und die dünne Zappel, die mich anscheinend besonders im Visier hatten. Nicht selten musste ich meine Hand vorhalten, um mit einem Rohrstock bestraft zu werden, eine ziemlich schmerzhafte Angelegenheit. Zweimal bekam ich die Noten 6 für Sport (die schlechteste Note), obwohl wir keinen Sport zu jener Zeit hatten. Mein Freund Harry kam besser weg, zumindest schien mir das so. Irgendwelche politische Indoktrination an der Schule? Keine Ahnung, aber anscheinend nichts starkes, an das ich mich wahrscheinlich erinnern würde. Im Alter von 10 Jahren kam ich auf die Mittelschule, obwohl ich den dringenden Wunsch hatte, unterstützt von meinen Tanten Meta und Käthe, die bei uns im Haus wohnten, aufs Gymnasium zu gehen. Der Grund: Die Meinecke und Zappel hielten mich angeblich nicht für gut genug, doch hatte ich den starken Eindruck, dass meine Eltern mich nicht aufs Gymnasium schicken wollten, weil ich später einmal die Bäckerei übernehmen sollte. Nach einem Jahr durfte ich dann aber doch aufs Gymnasium, die Saldria, meine Tanten und ich hatten meine Eltern umgestimmt. Ich war ein guter Schüler und konnte nach wenigen Jahren eine Klasse überspringen, Abitur 1949 mit 17.

Politische Indoktrination? Das einzige, woran ich mich erinnern kann war, dass unser Lateinlehrer einmal im Unterricht sagte, als wir einen der grossen römischen Oratoren (wahrscheinlich Cicero) besprachen, dass auch “unser Führer deshalb so erfolgreich sei, weil er grosse Reden (oder so ähnlich) hielt.” Parteimitglieder unter den Lehrern: das hätte man wegen der Parteiabzeichen merken müssen, aber in meiner Erinnerung ist kein Parteiabzeichen gelagert. Allerdings, gegen Ende 1944 wurde unser Rektor “wegen Verstosses gegen die guten Sitten” (nach der 400Jahr Festschrift der Saldria) in einen abgelegenen Ort strafversetzt. Der Ersatz kam aus Schlesien. Wir waren alle im Hörsaal versammelt, als er in SA-Uniform inmitten einiger SA-Männer erschien und eine kernige Rede hielt. Er überlebte den Krieg nicht, weil die Saldria am Ostersonnabend, 31.3.1945 bei einem Bombenangriff durch zwei Bomben völlig zerstört wurde. Der Rektor und der Oberstudienrat, sowie anscheinend ein Schüler waren die einzigen Anwesenden und kamen um. — Vielleicht sollte ich hier auch erwähnen, dass uns nahegelegt wurde, an Soldaten zu schreiben (ich erinnere mich nicht, ob das obligatorisch und in welcher Schule es war). Ich wollte hoch hinaus und adressierte meinen Brief an den “Admiral eines Schlachtschiffes”. Da es davon anscheinend aber nicht viele gab, wurde der Brief an einen Matrosen eines U-Bootes weiter geleitet, der auch antwortete.


Saldria und Johanniskirche vor dem Bombenangriff.Aus der ‘Festschrift zur 400 Jahrfeier der Gründung des von Saldern’schen Reform-Real-Gymnasiums mit Oberrealschule zu Brandenburg/Havel am 12. September 1589. Von Georg H.H.Maesse, herausgegeben von der Gemeinschaft “Freunde der Saldria”.'[2]


Nach dem Kriege gab es Entnazifierungsverfahren gegen zwei unserer Lehrer, einer davon der schon erwähnte sehr populäre Lateinlehrer. Er war nicht Parteimitglied gewesen doch Luftschutzwart, d.h. er musste sich darum kümmern, dass die Luftschutzkeller in seiner Umgebung vorschriftsmässig gestützt und mit Kellern der Nachbarhäuser verbunden waren (was uns und meinem Freund Harry in unserem Nachbarhaus das Leben rettete). Wir gingen zum Verfahren, um ihn zu unterstützen. Er lehnte jede Schuld wiederholt ab, eindeutig von uns unterstützt, und er kam frei. Ein anderer Lehrer (der Mathematik), den ich vorher nie gesehen hatte und der anscheinend an einer anderen Schule unterrichtete oder erst am Kriegsende zu uns gekommen war, war Parteimitglied; ich weiss nicht, auf welche Weise er bestraft wurde.

Bei den Pimpfen

Bei den Pimpfen. Wir wurden automatisch in die Deutsche Jugend (Pimpfe) aufgenommen, als wir das Alter von 10 Jahren erreicht hatten. In der Wikipedia steht “Ziel der Organisation war es, die Jugend im Sinne des Nationalsozialismus zu indoktrinieren, in Loyalität zu Adolf Hitler zu erziehen und vormilitärisch auszubilden. Die Mitglieder des Deutschen Jungvolks nannten sich offiziell „Jungvolkjungen“, im lockeren Sprachgebrauch Pimpf.” Wie sah das in der Praxis aus? Ich war kurz vor Ende des Krieges 13 Jahre alt geworden und bis zu diesem Alter hatte ich nie ein Gewehr in der Hand, abgesehen vom Luftgewehr meines Vaters, mit dem ich zweimal Spatzen (ohne Erfolg) schiessen wollte. Das Interessanteste bei den Pimpfen waren Geländespiele, in denen verschiedene Gruppen von Pimpfen gegeneinander sozusagen Krieg spielten, ziemlich harmlose Übungen. Auch Schnitzeljagden, die von Zeit zu Zeit stattfanden, waren interessant, alles andere ziemlich langweilig. Einige Male kam auch der ganze Bann zusammen (die Hierarchie bei den Pimpfen, von unten nach oben, war Jungenschaft mit etwa 10 bis 15 Pimpfen, Jungzug mit etwa drei Jungenschaften, Fähnlein mit vier Jungzügen, Jungstamm mit ertwa vier Fähnleins, Jungbann mit etwa fünf Stämmen), um zu marschieren, angeführt von den Trompetern (Fanfaren) und Trommlern. Wir hatten regelmässig “Dienst”, d.h. eine Jungenschaft traf sich, ich glaube einmal pro Woche, um irgendetwas zu machen. Was die Indroktination anbetrifft, so erinnere ich mich vor allem an einen “Dienst” wo wir alle um unseren Führer herumsassen, der uns nach Hitlers Geburtstag und –jahr fragte. Wir wussten alle den Tag, da das ein Feiertag war, aber niemand wusste das Geburtsjahr. Rassentheorie usw. Nichts dergleichen, obwohl ich mir vorstellen kann, dass ich einiges vergessen habe, und ältere Pimpfe wurden sicherlich stärker indoktriniert. Als die Opelwerke bombardiert wurden, mussten wir dorthin, um bei der Entrümpelung zu helfen, wurden aber bald wieder abgezogen, wahrscheinlich weil das zwecklos war. Eine Erinnerung: von Zeit zu Zeit wollte ich mich vom “Dienst” drücken, wozu eine schriftliche Entschuldigung nötig war. Eine derartige Entschuldigung von mir war, dass ich “Blasen an den Füssen hätte und dass der Dienst das noch schlimmer machen würde”. Der Stamm- oder Fähnleinführer verlas diesen Brief vor der versammelten “Mannschaft”, was allgemeines Gelächter hervorrief.

Bei den Jungmädchen (Erinnerungen meiner Schwester Erika)

(Meine Schwester Erika, 1933 geboren, hat mir folgende Erinnerungen geschickt mit der Erlaubnis, sie hier einzufügen). Mit 10 Jahren gehörte ich automatisch zur JM (Jungmädchen), mit 14 Jahren kam man zum BDM (Bund deutscher Mädchen). Als ich 14 war, war der Spuk Gott sei Dank schon vorbei!Zur Uniform gehörte ein schwarzer Rock, eine weisse Bluse mit einem beigefarbenen Lederknoten und eine kurze beigefarbene samtartige Jacke, das sogenannte “Affenjäckchen”. Inzwischen war alles so knapp, dass ich nie die vollständige Uniform mein eigen nennen konnte, obwohl ich sie natürlich schick fand! Deswegen wäre Mulle (meine jüngste Schwester) ja auch so gern Jungmädchen geworden, aber da sie 1 ½ J. jünger als ich ist, ist sie nicht mehr in den “Genuss” gekommen. 1x in der Woche war “Dienst”. Mit Begeisterung war ich nicht dabei, von allen Dingen das Marschieren üben fand ich blöd! Dazu wurden natürlich Nazilieder gesungen, auch “mein” Lied: “Auf der Heide stand ein kleines Blümelein, bum bum, und das heisst bum bum, Erika!” Ansonsten wurden sogenannte Heimabende abgehalten und Sport getrieben. Die Wettkämpfe fanden am Grillendamm statt. Im Laufen und Springen war ich ganz gut. Einmal sind wir zusammen mit anderen Gruppen nach Göhlsdorf, einem kleinen Dorf nahe Gr. Kreuz gefahren, ausgerüstet mit einem Tornister, Kochgeschirr aus Aluminium und einer Decke. Wir haben dort in einer Scheune auf Heu und Stroh übernachtet, gewaschen haben wir uns an der Pumpe und gegessen wurde aus der Gulaschkanone. Es wurden Geländespiele und Völkerball gespielt. Ich habe mich dort sehr unwohl gefühlt, nur das Singen am Lagerfeuer hat mir gefallen. In Brandenburg mussten wir Verwundete in einem Lazarett besuchen. Jedem aus unserer Gruppe wurde ein verletzter Soldat zugeteilt. Ich war geschockt, als ich ans Bett “meines Soldaten” kam: Er war so sehr verbunden, dass nur seine Augen und Mund zu sehen waren. Ich wusste nicht, was ich zu ihm sagen sollte, er war völlig teilnahmslos. An den Heimabenden wurden Pulswärmer und Socken für die frierenden Soldaten an der Front gestrickt. Für die Verwundeten wurden aus Mull Fäden rausgezogen, sie dienten als Verbandmaterial. Da ja die Räder rollen mussten für den “Sieg”, haben wir Buntmetall usw. gesammelt. “Lumpen, Knochen, Eisen und Papier, ausgeschlagene Zähne sammeln wir” hiess ein Spottlied. Mit Sammelbüchsen wurde für das Winterhilfswerk gesammelt. Mutti hat des öfteren heimlich grössere Scheine hineingesteckt, weil sie Mitleid mit den frierenden Soldaten hatte. Vati sollte davon möglichst nichts mitkriegen, er war wahrscheinlich der Meinung, dass das den Krieg unnötig verlängert. Im Wald und auf den Wiesen haben wir Kräuter für die Herstellung von Tee gesammelt. Damit der Krieg weitergeführt werden konnte, musste eisern gespart werden, z.B. Strom, es war häufig Stromsperre und überall hingen Plakate vom “Kohlenklau”. Etwa 1942 wurden die Lebensmittel rationiert, es gab also Lebensmittelkarten, jedes Lebensmittel hatte eine andere Farbe und die entsprechenden Marken wurden beim Einkauf vom Verkäufer abgeschnitten, solange der Vorrat reichte, und das war nicht viel! Für die Geschäftsleute bedeutete das zusätzliche Arbeit, denn die Marken mussten sortiert und auf Zeitungsbögen geklebt und gezählt werden. Diese wurden zur Abrechnung bei der Genossenschaft abgegeben. Das Markenkleben geschah meist abends bei Karbidlampenlicht. Erst 1957 wurden die letzten Lebensmittelkarten abgeschafft. An ein Plakat “Pst, Feind hört mit!” kann ich mich deshalb so gut erinnern, weil wir darüber einen Aufsatz schreiben mussten. Da mir dazu nichts einfiel, hat mir Mutti geholfen. Keine gute Idee, ich habe eine 5 bekommen.

Rassentheorie

Rassentheorie. Unsere Kontakte mit Juden waren minimal. Ich sah den ersten 1942 auf dem Wege zur Mittelschule mit meinem Freund Harry. Auf der gegenüberliegenden Strassenseite ein alter hagerer Mann mit spitzer grosser Nase und grossem Kinn, mit langem weissen Haar, der einen Schubkarren schob, und mit einem gelben Stern. Harry und ich blickten erstaunt und sagten: kuck mal, een Jude! Das erste Mal, dass wir einen gesehen hatten, und das letzte Mal. – Eine Schwester meiner Mutter wohnte in Berlin, und sie hatte eine Freundin in Straussberg bei Berlin, einem wohlhabendem Vorort im Osten Berlins. Wir (meine Schwestern und ich) waren zusammen mit meiner Tante und Mutter in ihr prachtvolles Haus eingeladen, mitten im Wald. Wir gingen Walderdbeeren und Blaubeeren suchen, eine märchenhafte Erinnerung, an die ich mich noch heute erinnere. Doch die Erwachsenen sprachen miteinander und wir hörten, dass der Sohn der Familie (den wir nicht sahen und der anscheinend im Haus war) nicht mit uns spielen durfte, da sein Vater Jude sei. Wir verstanden die Hintergründe nicht, doch glaubte ich später, dass ihr Mann im KZ war. Eine andere Schwester meiner Mutter sagte mir nach dem Kriege aber, dass Herr xxxxxxx “viel zu intelligent war”, um ins KZ zu kommen; er war nie dort und unterstützte sie (meine Tante) nach dem Krieg finanziell in ihrem Studium. Er ging aber anscheinend dann mit seinem Sohn nach Israel, nach seiner Scheidung.

Fremdarbeiter

Zu Beginn des Krieges arbeiteten in unserer Bäckerei ein Geselle und ein Lehrling, Walter und Joachim. Walter stammte aus dem Osten und seine Loyalitäten waren anscheinend zwischen Polen und Deutschland geteilt. Ich erinnerer mich sehr gut an ein Erlebnis zu Beginn des Krieges. Er sagte mir in der Backstube, dass er als Heckenschütze auf deutsche Soldaten schiessen würde, wenn er in Polen sei. Ich rief daher laut “Pollack. Pollack!” (die herabsetzende Bezeichnung für einen Polen). Er knallte mir daraufhin eine auf die Backe, worauf ich schreiend über den Hof zu meinen Eltern lief. Sie hatten das mit angehört und meine Mutter verprügelte mich (was sonst von meinem Vater besorgt wurde), nahm mich bei der Hand zu Walter, sagte mir ich solle mich entschuldigen, doch tat sie das dann selbst und stellte mich zur Bestrafung in die Ecke. Walter wurde in die deutsche Wehrmacht eingezogen und fiel in der Sowjetunion. Joachim wurde ebenfalls eingezogen und fiel ebenfalls. Der erste Ersatz kam aus Polen, und zwar diesmal ein richtiger Pole, der (falls ich mich richtig erinnere) ein gelbes Abzeichen mit einem P auf der Jacke tragen musste. Er blieb nicht lange und wurde durch einen Franzosen (Raymond) ersetzt, der mit einer grossen Bücherei, einer Geige und Wagnerbüste auftauchte. Er wurde schliesslich durch zwei Tschechen ersetzt, Paul (Pavel) und Karl (Karel), die bis zum Ende des Krieges blieben, d.h. bis kurz vor Kriegsende, denn Fremdarbeiter wurden zu dem Zeitpunkt in Lager gelegt, um Übergriffe gegen die Deutschen zu verhindern. Paul erschien aber kurz noch einmal, als wir ausgebombt waren und verängstigt im Keller sassen. Ich vermutete das schlimmste und Paul muss das gemerkt haben, denn er sprach mich an und sagte: Nein Klaus, ich will nur Auf Wiedersehen sagen und die Schlüssel zurückgeben (oder so ähnlich). Übrigens hatte die Tatsache, dass sie in ein Lager verlegt worden waren, den Beiden vielleicht das Leben gerettet, denn die Bombe, die auf unseren Hof fiel, hatte den Anbau, wo sie, eine Tante und auch ich Zimmer hatten, völlig zerstört. Wir überlebten nur, weil wir im Keller unter den Bänken lagen. Ein Untermieter, der nicht im Keller war, kam um. – Mein Vater sagte mir später, als ich schon nach Westdeutschland gegangen war, dass Paul ihn noch einmal besucht habe. Ein Belgier, der in der Bäckerei einer Tante in Brandenburg arbeitete, schickte ihr nach dem Krieg noch regelmässig Essenspakete.Neben unserer Bäckerei waren eine Stärke (Maizena) – und eine Jutefabrik. Eine der beiden beschäftigte im Kriege einige Dutzend junger Frauen aus der Ukraine. Sie trugen blaue Abzeichen mit einem U und wohnten in einem Lager. Jeden Morgen kamen sie auf Lastwagen zur Fabrik, immer singend und lachend und offensichtlich gut ernährt. Nach dem Krieg verbreitete sich das Gerücht, dass die Russen den Manager der Fabrik verhaftet hatten, ihn aber freiliessen, weil die Ukrainerinnen sich für ihn einsetzten.Nicht alle Fremdarbeiter kamen aus “feindlichen” Ländern. Zum Beispiel arbeiteten viele Italiener in den Arado-Werken. Als Marschall Badoglio 1943 Mussolini absetzte und einen Waffenstillstand mit den Alliierten schloss, meuterten sie allerdings und verlangten, nach Hause geschickt zu werden. Allerdings ohne Erfolg, ihr Lager war von jetzt ab bewacht und sie mussten weiter arbeiten. Wir konnten das gut mitverfolgen, weil unsere Bäckerei in der Nähe des Industriegebietes lag und Italiener oft in die Bäckerei kamen.

Zuchthaus, Gefängnis

Das Zuchthaus Brandenburg lag am Görden, einem Ausflugsziel am Rande der Stadt, leicht mit der Strassenbahn zu erreichen. Wie wir nach dem Krieg hörten, waren dort Erich Honecker, der spätere Vorsitzende der DDR, und andere Kommunisten und Antinazis inhaftiert. Wir sahen einige Male, wenn wir durch die Stadt liefen, dass einige der Strassenbahnwagen vernagelt und nicht offen wie die normalen waren. Wir schlossen, dass damit “Verbrecher” vom Bahnhof zum Zuchthaus transportiert wurden, wussten aber nicht, dass es sich dabei um politische “Verbrecher” handeln könnte. Das kleinere Gefängnis war etwa 5 Minuten zu Fuss von unserem Haus. Ich nahm niemals irgendwelche Aktivitäten wahr und bin mir nicht sicher, dass wir zur der Zeit wussten, dass das Gebäude ein Gefängnis war. Nach dem Kriege wurde dort eine Tafel angebracht, die sagte, dass die Faschisten hier den xxxxx umgebracht hätten.

Familienleben

Wir lebten in einem dreigeschössigem Haus, im obersten Stockwerk meine Tante und ihr Mann, im untersten wir, und die anderen an verschiedene Familien und Personen vermietet. Die Backstube war auf der anderen Seite des Hofes. An Wochenenden assen wir gemeinsam mit den Angestellten im Wohnzimmer, an Wochentagen ass unsere Familie im Wohnzimmer und die Angstellten in der mit dem Wohnzimmer offen verbundenen Küche. Falls wir Kinder uns daneben benommen hatten, mussten wir ebenfalls in der Küche essen. Zu irgendeinem Zeitpunkt im Kriege, ich kann mich nicht erinnern, wann genau, wurde von der Regierung allerdings angeordnet, dass Fremdarbeiter nicht gemeinsam mit Familien essen durften, und so mussten sie jetzt auch an Wochenenden in der Küche essen. Parteimitglieder gab es in der Familie nicht, doch hatte mein Vater – ein talentierter Sonntagsmaler – nach einer Postkarte ein Bild Hitlers im Braunhemd gemalt, das über seinem Schreibtisch hing und das als Klapptür diente, wohinter sein illegal gebrannter Schnaps und Eierlikör versteckt waren. Schnaps wurde abends in der Küche in grossen Milchkannen aus Melasse destilliert, doch einmal explodierte die Geschichte und der Deckel der Kanne flog an die Zimmerdecke. Also nicht ganz ungefährlich, und vor allem strafbar. Ebenso strafbar war es, Pfannkuchen (Berliner), in siedenem Öl gebacken, herzustellen. Mein Vater machte es aber trotzdem heimlich an Wochenenden, zu besonderen Anlässen. Ich erinnere mich, dass wir einmal am Heiligabend zusammen sassen und Pfannkuchen assen, als plötzlich unangemeldet das Dienstmädchen hereinkam. Aus Schreck setzten wir Kinder uns auf die Pfannkuchen, da wir wohl wussten, dass wir was Strafbares assen.Zu Weihnachten führten wir drei Geschwister im Familienkreis ein Krippenspiel auf, ich war der Josef, meine Schwester Erika die Maria und meine Schwester “Mulle” ein Engel. An einen Satz Josefs erinnere ich mich heute noch “ich kann vor Alter die Finger kaum biegen”. Der Höhepunkt natürlich am Heiligabend, die Bescherung. – Mein Vater hatte eine Pistole in der Schublade seines Schreibtisches, und das Gerücht ging um sie zu benutzen, sich und die Familie zu erschiessen, bevor die Russen kamen. Sie landete dann allerdings zusammen mit dem Hitlerbild im Bombentrichter auf unserem Hof, bedeckt von Schutt. – Widerstand in der Familie? Die jüngste Schwester meiner Mutter, die bei uns im Haus wohnte, war 15 Jahre alt, als die Nazis zur Macht kamen, also gerade reif für den BDM (Bund deutscher Mädchen). Sie weigerte sich jedoch einzutreten, was ihr solche Anfeindungen einbrachte, dass sie sich, wie sie sagte, mit Selbstmordgedanken trug. Sie wurde jedoch von einem Lehrer, Dr. Hartmann, unterstützt: ein hervorragender Lehrer, der nach dem Krieg Professor an der Brandenburgischen Landeshochschule, dann Pädagogischen Hochschule, dann Universität Potsdam wurde. – Wahrscheinlich 1941/42, in den Jahren der grössten militärischen Erfolge (alle paar Tage eine Sondermeldung) sagte mir mein Vater: Klaus wie wäre es denn, eine Bäckerei in Sibirien zu betreiben? Allerdings hatte er die Rechnung ohne zwei Wirte gemacht, ich wollte nicht Bäcker werden und die Russen hatten ihre Zustimmung noch nicht gegeben. Aber mein Vater war immer schon unternehmungslustig, er hatte anscheiend vor seiner Heirat als jüngster Bauernsohn geplant, nach Amerika auszuwandern. – Wir hatten einige Wohnungen vermietet, darunter eine an die Familie Weber, er ein alter streitlustiger Sozialdemokrat, sie sehr ruhig und sympatisch, der Sohn mehr der Mutter ähnlich. Der Sohn wurde eingezogen und eines Tages traf die Nachricht ein, dass er bei der Torpedierung eines Truppentransporters im Mittelmeer umgekommen sei. Eine weitere Familie zerstört. – Einige Monate vor Kriegsende vergrösserte sich unsere Familie durch eine entfernte Tante und einen Onkel, die aus dem östlichen Ostpreussen (Angerapp, Insterburg) auf der Flucht vor den Russen zu uns kamen, und durch die Schwester meiner Mutter mit ihren zwei Kindern, die aus Berlin nach Posen evakuiert worden waren und dann vor den Russen zu uns flohen.

Bombenangriffe

Früh im Krieg, als Bombenangriffe noch selten waren, fielen einige Bomben auf Brandenburg, und zwar auf unser in einem Park stehendes Theater. So mussten wir also unsere Weihnachtsvorführungen von da ab in einer Schule ansehen. Später wurden die Opel-Lastwagenwerke bombardiert und wir (die Pimpfe) mussten dorthin, um bei den Aufräumungsarbeiten zu helfen, aber nur pro forma, wir wurden sehr bald wieder abgezogen. Die Flugzeug- und Stahlwerke wurden meines Wissens nie angegriffen, und so hörten wir manchmal das enorme Gedröhne der Düsenflugzeuge, der versprochenen Wunderwaffen, in Brandenburg getestet. In den letzten Kriegsjahren übernachteten wir ziemlich regelmässig im Keller, weil es dauernd Fliegeralarm gab. Doch wurden wir nicht angegriffen, die Bomberschwärme gingen meist nach Berlin. Als Potsdam (etwa 30-35 km entfernt) bombardiert wurde, sahen wir den erleuchteten Himmel von Brandenburg aus. Von Zeit zu Zeit sahen wir auch abgeschossenen Flugzeuge nachts vom Himmel fallen. Nahe Kriegsende hatten wir zwei schwere Angriffe am Tage, der erste am Oster-Sonnabend, am 31. März 1945, den zweiten am 20. April. Der erste der beiden traf Teile der Neustadt schwer, so wurden das neustädtische Rathaus, das Kurfürstenhaus, aber auch das Gymnasium, die Saldria, zerstört. Der zweite traf auch unser Haus. Eine grosse Bombe, ein Riesentrichter: die Vorderwand der Backstube und der Anbau mit einigen Zimmern, darunter auch meinem, waren verschwunden, und das obere Stockwerk des Hauptgebäudes (das Haus hatte drei Stockwerke) war eingedückt. Wir überlebten, weil die Kellerdecke abgestützt war und weil wir unter den Bänken lagen. Steine aus der Decke trafen so nur die Bänke. Der einzige Bewohner, der nicht im Keller war, kam um. Das Nachbarhaus, in dem mein Freund Harry wohnte, war völlig verschwunden, doch gab es keine Toten, weil die Kellerdecke abgestützt war und die Leute durch den vorgeschriebenen Verbindungsgang in das auf der anderen Seite gelegene Nachbarhaus entkommen konnten. Ich war nicht fromm, doch meine Schwestern und ich lagen auf dem Boden und beteten um Rettung. Nach etwa 10 Minuten fiel eine zweite Serie von Bomben auf der anderen Strassenseite. Alle Einwohner eines der getroffenen dreigeschössigen Häuser kamen um. Meine jüngste Schwester, damals 9 Jahre alt, war noch jahrelang danach bei Gewittern völlig hysterisch und kroch jedesmal zum Schutz unter einen Tisch, offensichtlich als Folge der Bombardierung. – Da unser Haus zerstört war, zog die gesamte Familie zuerst zu Freunden, dann in verschiedene Bunker, bis die Russen kamen.

Die Russen kommen

Der erste Bunker, der uns aufnahm, stand im Park nahe dem oben erwähnten ausgebombten Theater. Er diente auch als Hauptquartier der Wehrmachtsteile, die den Rückzug der Armee Wenk zur Elbe hin decken sollten. Brandenburg verteidigte sich noch etwa zwei Wochen, bis der Widerstand eingestellt wurde. In dem Bunker hörten wir von einem dramatischen Vorfall. Ein Leutnant wollte sich absetzen, wurde aber gefasst und zum Tode durch standrechtliches Erschiessen verurteilt und erschossen. Danach suchten wir Zuflucht im Bunker des Krankenhauses. Wir lagen, zum Teil unter Bänken, eng zusammen gedrängt, und erwarteten die Ankunft der Russen. Alle halbe Stunde oder so hörten wir das Brummen eines kleinen Flugzeuges, und eine Bombe fiel irgendwo in der Nähe. Mein Vater ging von Zeit zu Zeit an die Oberfläche und erzählte, dass er beim Begraben von Leichen geholfen hätte. – Schliesslich dann der erste Russe: ein Kommissar in Lederjacke, der gemeinsam mit dem deutschen Chefarzt durch die Gänge des Bunkers ging.Damit waren die Nazijahre zu Ende. Ich sollte vielleicht noch erwähnen, dass die Leiche des Ortsgruppenleiters der NSDAP, des Vaters des Führers unserer Jungenschaft bei den Pimpfen, noch tagelang unter einigen Kleidungsstücken auf der Strasse in der Nähe unseres Hauses lag. Man sagte, dass er in voller SA-Uniform auf die Strasse ging, als die Russen kamen, und damit sozusagen seinen Tod herausforderte. Ein Freund in unserer Nachbarschaft, ich glaube zwei oder vielleicht drei Jahre älter als ich, war in den letzten Kriegstagen noch eingezogen worden und verlor ein Bein. Er starb wenige Jahre später.

Erinnerungen weiterer Brandenburger

Ursprünglich als Kommentare mit Zustimmung der Autoren veröffentlicht.

Erinnerungen von Karl-Heinz Busse, Brandenburg, Jahrgang 1930

Hallo Klaus Rohde, mit Interesse las ich „Als Kind und Jugendlicher in Nazi-Deutschland.“ Im August 1930 im Hause Roonstraße 10 der Stadt Brandenburg geboren, wohnten wir nur etwa 200 m von einander entfernt. Viele der geschilderten Erlebnisse sind auch meine. Kurioserweise gab es zwischen uns keinerlei Berührungen, zumindest nicht solche, die erinnert werden. Ich meine, die unterschiedlichen Bildungsstätten : Nikolaischule – Jahnschule, Saldria – Theodor-Körner-Schule dürften hier eine Rolle spielen. In der Jugendorganisation (Fähnlein Alarich) trennte uns nur 1 Jahr, weil der Stichtag zur Aufnahme jeweils der 31. 7. war. Der genannte Jungenschaftsführer war gegen Ende des Krieges Fähnleinführer, sein Bruder „Knaster“ brachte es bis zum Jungstammführer ehe er fiel. Der Vater war der Kommandeur des regionalen Volkssturms; Gefechtsstand war in der Kammgarnspinnerei. Mein Vater gehörte dieser Einheit an, bevor wir ein Versteck hinter Brennholzstapeln im Keller einrichteten. Das Wohnhaus des „Kommandeurs wurde am 31. März 1945 während des Bombardements zerstört, die Druckwelle schmiß mich die Kellertreppe hinunter, als ich nach der 2. Angriffswelle zwecks Kontrolle den Keller verließ. Die Bewohner des Hauses Nr. 11 kamen nach einem Volltreffer durch den Kellerdurchdruch zu uns, ehe die 3. Welle abwarf. Die Häuser in der Neuendorferstraße zwischen Tabakwaren-Wolter bis hinter dem Blumengeschäft Hoppe und auch geradeüber waren zerstört. Bei Hoppe gab es keine Überlebenden, wo auch einer meiner Klassenkameraden aus der Jahnschule umkam, nachdem er bei einem vorherigen Angriff „ nur verschüttet“ war. Aus alliierten Quellen weiß man, daß innerhalb von 23 min etwa 5500 Sprengbomben von Nordwest nach Südost auf das Stadtgebiet fielen, in einem Streifen von ca. 500m. Als Schüler, der mit dem Fahrrad zur Schule fuhr, war es mir gestattet, bei Voralarm schleunigst den Luftschutzkeller im eigenen Hause aufzusuchen. Dabei gab es meist schon unterwegs Vollalarm, der Bomberstrom zeigte sich und die schwere Flak, meist 8,8cm begann zu feuern. Spätestens dann mußte der Keller erreicht sein; denn die niedergehenden Granatsplitter waren kreuzgefährlich. So kam ich oftmals mit hämmernder Schädeldecke zuhause an. Die Tatsache, daß ich erst im März 1945 in die HJ übernommen wurde( siehe Stichtagregelung), bewahrte mich vor noch größeren Belastungen. Meine gleichalten, aber vor dem 31.7. geborenen 3 Freunde aus der Roonstraße fanden die Uniform der Feuerwehr-HJ chic, gingen also diesen Weg und kamen vom Regen in die Traufe. Bei jedem Voralarm mußten sie in voller Ausrüstung zum Stellplatz. Später waren sie sogar kaserniert. Bei oder nach jedem Angriff kamen sie zum Einsatz, meist sogar in Berlin. Mein Einsatz beschränkte sich auf Hilfeleistungen bei eintreffenden Flüchtlingen aus Ostpreussen auf dem Güterbahnhof. Im Mai 1945 starteten die Russen die ersten Sühneleistungen mit uns, ohne Essen und Trinken. Ich fand mich auf wechselnden Einsatzplätzen wieder. Mal beim Trümmerschippen, um Straßen befahrbar zu machen; mal auf dem Brückenbau Brielower Straße, wo frisch geschälte Kiefernstämme entsprechend des Vortriebs nach vorn gerollt werden mußten. Dabei zog mir ein Russe die Stiefel aus und warf mir seine Mauken hin. Glücklicherweise paßten meine nicht Ein alter Russe teilte seine karge Ration Speck, Brot und ein Virginiatabakblatt mit mir Die von ihm gefertigte Papyrossa, mit seiner Spucke verklebt, mußte ich rauchen. Mir wurde natürlich schlecht. Aus der Schulzeit erinnere ich, daß in meinen 4 Jahren Grundschule die Züchtigung mit dem Rohrstock bei kleinsten Vergehen üblich war. Lehrer Hecht bevorzugte dabei Kopf und Hände, während der einarmige Lehrer Kuhn unterhalb des Kinns kniff, losließ und blitzschnell zuschlug. Glücklicherweise blieb es bei mir meist bei Beobachtungen. Gerechterweise bleibt zu bemerken, daß das schon in der Grundschule vermittelte Wissen immens war. Die Zeit in der Theodor-Körner-Schule (Mittelschule) von 1941 bis 1947 war bis zum Kriegsende von politisch sehr aktiven Lehrern geprägt. Die wenigen unbelasteten Lehrer schafften es vorsichtig nach Wiederaufnahme des Schulbetriebes im Herbst 1945 NS-Gedankengut zu widerlegen. Hervorheben darf ich dabei meinen alten Klassenlehrer Büstrin, der nach dem Krieg Schulleiter wurde. Leidgetan hat mit mein Mathe-Pauker Thieme, der weil nicht entnazifiziert und aus dem Schuldienst entlassen regelrecht verhungerte. Er versuchte anfangs über die Runden zu kommen, indem er mit dem Handwagen von Straße zu Straße zog um Leergut für die Likörfabrik Weber& Sürth aufzukaufen. Ich ließ ihm mal einige Weinflaschen aus den Beständen meines Großvaters zukommen, doch habe ich mich dabei richtig geschämt Er wohnte in der Luckenberger Straße, und ich durfte öfter Hefte mit den Klassenarbeiten zu ihm nachhause tragen; nicht ohne im Hausflur noch mal zu vergleichen. Als sehr prägend empfand ich den viereinhalb-monatigen Aufenthalt im KLV-Lager Seebad Horst an der hinterpommerschen Ostseeküste 1942 in einer scheinbar noch heilen Welt, nicht ahnend, daß 3 Jahre später dort nicht mehr Deutschland ist, die Menschen verjagt wurden und zwei meiner Klassenkameraden den Krieg nicht überleben.Rätselhaft wird mir immer bleiben, wie es bei den extremen Kriegsbelastungen mit ständiger Todesangst zu einer recht ordentlichen Schulbildung kam, die es mir gestattete, nach einer Zimmererlehre ein Studium zum Bauingenieur aufzunehmen und auch zu absolvieren. So habe ich dann im Jahre 2000 als freischaffender Architekt meine Berufsausübung beendet (nach einer jahrzehntelangen Tätigkeit in einem volkseigenen Baukombinat).Die Jahre danach sind erfüllt von Reisen in alle Regionen meines oder unseres Vaterlandes, aber auch des deutschsprachigen Auslandes; wobei ich Südtirol bevorzuge und immer wieder bedaure, daß wir keinen Andreas Hofer hatten. Mit der Wiedervereinigung beider deutscher Staaten hat sich ein nie aufgegebener Wunsch erfüllt, der auch meine seinerzeitige Verhaltensweise geprägt hatMit herzlichen GrüßenKarl-Heinz BusseNachbemerkung: Eine Lehrerin der Saldria bekam von mir den Ausdruck „Als Kind und Jugendlicher….Sie will mit den Schülern darüber sprechen.

Erinnerungen meines Freundes Harry

Min Freund Harry hat mir diese Erinnerungen geschickt zur Veröffentlichung als Kommentar.Geboren im Mai 1932 – 6 Wochen nach meinem Freund Klaus- Also kurz vor Beginn der Nazi-Zeitin Deutschland.- Meine erste Erinnerung ist – ich war noch nicht ganz 3 Jahre alt – Hexentag(Walpurgisnacht)- 30.April 1935- wir wohnten noch in der Gerostr.11 in Brandenburg/H.- Großer Umzug von Kindern und Jugendlichen, alle als “Hexen” verkleidet, zogen bei uns vorbei in Richtung Neust.- Schützenplatz durch die Watstrasse.- Einige Monate später müssen wir dann in die Roonstr.29 – Nachbarhaus von der Bäckerei Rohde- umgezogen sein.- Noch bevor wir Ostern 1938 eingeschult wurden, spielten wir – meistens auf dem Hof zur Bäckerei in einem kleinem Garten an der Mauer zum Nachbargrundstück – späterwaren dann dort Hühner- im Sand (wir hatten uns ein Boot im Sand gebaut.)-Die Großeltern von Klaus (Herr u. Frau Katzke) schauten oft zu.- Seitdem besteht eigentlich schon unsere Freundschaft.-Von der Nazi-Herrschaft bekamen wir erst wenig mit! Ausser Aufmärsche und viele Fahnen, lief alles doch recht normal ab. Selbst mit Beginn der Schulzeit war der Einfluß der “Nazi” doch wenig zu spüren. Erst nach Kriegsaubruch und dann mit dem Eintritt im “Jungvolk”- Vorstufe der Hitlerjugend- wurde man immer mehr in den “Sog” des Faschismus einbezogen. -Man wollte ja doch den Krieg gewinnen!–Übrigens galt Brdbg. als “Rote Stadt” bis 1933 viele Sozialdemokraten und Kommunisten – – Hitler war nur einmal – 1932 – zu einer Kundgebung in Brdbg.- er wurde ausgepfiffen und sogar mit Steinen beworfen – Erzählung meiner Mutter! -Brandenburg entwickelte sich rasant zur wichtigenIndustriestadt – Arado-Flugzeugwerke, Stahl-und Walzwerk, Brennabor-Werke(von Carl Reichstein ge-gründet) wurden mit die ersten Automobile, Motorräder und Fahrräder hergestellt.- Im Krieg dannwohl nur Kriegsmaterial-Munition! Brennabor ist übrigens der ursprüngliche Name von Brandenburg – über Brendinaburg zu Brandenburg.) Auch im Exelsior-Werk-früher Fahrzeuge-Motorräder. dann auch nur noch Kriegsmaterial.-Dann war in Kirchmöser (Stadtteil v.Brdbg.)noch das Panzerwerkund Werke für die Bahn.-Dann noch die Opel-Werke.- Zurück zur Kindheit: Im Kindergarten war ich nicht-konnte mich auch nicht erinnern das Du in den Kindergarten gegangen bist. – Die Geschichte mit dem Hahn auf eurem Hof habe ich noch genau in Erinnerung, wie zu der Zeit Walter u.Jochen, so hießen ein “Geselle” und ein Lehrling , uns immer über den Hof schickten und versuchten uns “reinzulegen”.- Des öfteren haben wir auch auf dem Hof “Bleche geputzt” die für den Blechkuchen gebraucht wurden.Mußten uns dann immer vor den vielen Wespen in acht nehmen. Mir war mal eine in die Hose geraten – einsehr unangenehme Sache! – Dann haben wir vor dem Eingang zur Backstube mit den Gesellen mal mit einem Luftgewehr geschossen. Die Munition war alle, jedenfalls solltetest Du Neue kaufen gehen- Frage von “Walter” was sollst du holen ? Antwort von Dir war “Kanonenkugeln”!! Lustig-deshalb sicher noch in der Erinnerung.- Zumal du das mehrfach wiederholen solltest. “Kanonenkugeln” kaufen!-In der Schule – in den ersten Jahren waren wir ja in einer Klasse- war die erste Lehrerin Frl.Zabel, mirwar sie scheinbar gut gesonnen.- Bekam bei ihr nur selten etwas mit dem Stock – sie schlug immer aufdie Finger. Ab 3.Klasse bekamen wir dann Herrn Müller (Bumsbeinmüller)er hatte wohl im 1. Weltkrieg ein Bein verloren.- Der war sicher kein Nazi, denn im nachhinein konnte ich mich an Äußerungen von ihm erinnern, die das vermuten lassen.- Ab 4.Klasse wurden die Klassen irgenwie neu aufgeteilt und”Muttchen Meinecke” übernahm zwei 4.Klassen. An diese Zeit habe ich keine gute Erinnerung!Ich weiß, daß ich nicht mehr gerne zur Schule ging. Habe dann auch mächtig nachgelassen.- Der “Spruch” der Meinecke war sehr oft: -mir steht es schon bis hier her(zeigte mit der Hand zum Hals) und noch ein Stückchen drüber! Übrigens war sie später noch kurzzeitig meine “Kollegin” als ich als Lehrer angefangen habe.-Der Krieg nahm uns dann immer mehr “in Anspruch” Fliegeralarme häuften sich dann immer mehr,-wirmußten “Altmaterial” sammeln. (Lumpen,Knochen, Eisenund Papier das sammeln wir- für Herrman Göring) daswurde dann schonn fast spöttisch gesungen.- Anfangs sind wir – vor allem nachts- bei Alarm nicht mal aufgestanden und in den Keller gegangen.- “Die fliegen ja doch nur nach Berlin”!- Bis dann in der Nähe vom Bahnhof- ich glaube Werderstraße- doch mal eine einzelne Bombe fiel.- Wahrscheinlich ein Notabwurf eines angeschossenen Bombers. Dann saßen wir doch regelmä0ig im Keller bei Alarm. Ab 1944 fielen dann auch in Brdbg. Bomben. Der erste Angriff war dann am 17.April 44 . Das Haus von der Konservenfabrik Kothe in der Neuendorferstr. beschädigt.-Bei Kothe kauften wir immer billig “Saure Gurken”, die wir oft gleich verspeisten Der nächste Angriff war dannam 6.August 44 . Die Opel-Werke haben da das meisteabbekommen.Kritischer wurde es dann am Oster-Sonnabend 45, ein Tag nach Deinem Geburtstag.- Wir gingen – wie befohlen – bei Vorentwarnung zum Treff Nilolaiplatz. (Nach Angriffen sollten sich alle Pimpfe zu Aufräumarbeiten sammeln.)Wir fanden dort aber (noch) niemand. Auf dem Nikolaiplatz lagen tote Pferde und es sah ziemlich schlimm aus. Ichwar dann bis zum Plauer Torturm gegangen und gegen- über im Rennsteig (wo es zum Humboldthain ging) lag ein “Klumpen” Mensch. Erst als ich näher hinsah und neben diesem “Bündel” ein Stiefel stand, aus dem das Bein noch zu sehen war, erkannte ich um was es sich handelte.-Wohl mein erster Toter!- Ich weiß, daß wir wieder nach Hause gingen und in der Neuendorferstr. gegenüber von “Kummerle-Werk”,fast an der Ecke Düppelstr. war ein Haus, was auf dem Hinweg noch stand, zusammengefallen. Ein Junge aus unserem Fähnlein, etwas älter als wir, war gerade noch herausgekommen. Am 20.April, beim nächsten Angriff, ist der dann doch in der Neuendorfer-zwischen Roon-u. Großgörschenstr. in den Niedrighäusern, wo auf dem Hof Garagen waren, umgekommen. – Wir waren, wenn auch knapp, ja gerade so davongekommen.- Die Momente im Keller, als unser Haus über uns zusammenstürzte, sind so gegenwärtig, wie gerade passiert. Dir geht es sicher ähnlich so.Wir sind uns wohl dann nur noch kurz begegnet und haben eben nur festgestellt, daß wir überlebt haben. Wir sind ja dann in Briest an der Havel bei Verwandten untergekommen.- Kamen dann ein paar Mal mit dem Fahrrad, um in den Trümmern nach Wertsachen zu graben.- In Briest haben wir dann die letzten Tage der “Nazizeit”, bis zum Einmarsch der “Roten Armee”, verbracht. Am 27.4.- genau eine Woche nach dem Bombenangriff war es dann soweit.- Als Tag der “Befreiung” haben wir das damals noch nicht empfun-den. Wir hatten erst einmal den Krieg verloren.- Am selben Tag- wir rechneten noch gar nicht mit den “Russen”, war mein Onkel gerade “dran”, mit dem Gespann (Pferd und Kutschwagen) vom Bürgermeister, Brot für das Dorf aus Plaue zu holen.- Als wir zurück kamen setzte er mich (ich durfte mitfahren), an der Chaussee, der Zufahrt zum Haus am Wasser, etwa 100 m Feldweg mit einem Sack voll Brot ab.- Unser Haus lag mit einigen Grundstücken, auch eine Windmühle, ein Stück vor dem eigentlichen Ort.- Er gibt nur den Wagen im Dorf ab, holt mich dann mit dem Brot ab. Während ich wartete hörte ich auf einmal Schüsse. Ich dachte, eine “Übung”, jetzt doch nicht mehr.- Ich zog den schweren Sack mit Brot hinter mir her, da kam mir auch schon meine Mutter entgegen, die Schlimmes befürchtet hat. – Am Ufer- weg rannten deutsche Soldaten zu den Angelkähnen, die schon vorher beschlagnahmt waren, um so schnell wie möglich über die Havel zu entkommen. Sie ließen sogar teilweise ihr Gepäck liegen. Ich konnte das gar nicht fassen und heulte fast, das wollen “Deutsche Soldaten” sein, die rücken ja aus und kämpfen nicht! Meine Mutter konnte mich kaum beruhigen.- Da ging auch schon die Schießerei los.- Panzer(T 34) schossen vom Dorfausgang aus in jeden Giebel der 4 Häuser und dann auch in die Windmühle, die dann vollständig abbrannte.- Das war dann auch für mich das Ende der “Nazizeit”. Das wir dann noch einiges erlebt haben und erdulden mußten, ist dann eine ganz andere Geschichte.-

Verschiedene Kommentare

Hallo Herr Rohde. Ich habe Ihren Artikel “Als Jugendlicher in Nazi-Deutschland” bereits vor Monaten gelesen. Ich habe mich mit sehr vielen Zeitzeugen unterhalten und alle erzählten relativ identisch, wie es damals war. Mein Vater als Deutscher wuchs ebenfalls in Nazi-Deutschland auf, meine Mutter hingegen war im KZ. “Eine Täter-Opfer”-Ehe? Ich habe mich sehr lange mit dem Thema beschäftigt, weil ich beide Seiten verstehen wollte. Und sicher stimmt das haargenau was Ihr Lehrer damals sagte. Weil der Hitler Reden schwingen konnte, also rethorisch begabt war, konnte er ganze Massen von Menschen blenden. Ein Schaumschläger eben.Es ist schön, dass es solche authentischen Zeitzeugenberichte gibt. Sie muss es geben, für die Nachwelt. Sie haben Ihren Beitrag geleistet und ich meinen.Ich habe eine positive Bewertung abgegeben..Liebe Frau EichnerVielen Dank für Ihren Kommentar. Falls Sie an den anderen Episoden meiner Erinnerungen interessiert sein sollten, hier ist der (das ?) link:English?

Thanks for the invitation to view this Knol Klaus. Unfortunately, I did not pay enough attention to my German teacher at Brisbane Grammar and so my German is very poor. I did translate it into English via the online translator Babel Fish, but German does not translate that well into English with automatic translators. Still, I got the idea about you growing up in Brandenburg, but would love to read this story in English if you find the time. I think it would be a fascinating read for many people. Maybe insert the English translation as a Google document?

Dear Klaus –Having my attention brought to this series (thanks), I wish as Peter does for a better translation. Google Translate is not what it should be!I feel the terror you lived in toward the end, in 1945. I cannot imagine what it must have been like to have bombs dropping upon your home. The best I can muster is I am glad you survived to share. Use of Knol to record your memories is excellent and I commend you. There is on ongoing project in the U.S., Israel and other places to document the memories of Holocaust survivors because they are dying off fast. And of course, the project is documenting the memories of those who helped hide Jews. It makes for very heavy reading. I was going to volunteer but could not muster the courage as my emotions run very high.For several years I worked for an Auschwitz survivor my own age. His memories are much weaker than your own because he was not even born when Hitler marched into Poland. He wears long sleeves to cover the numerical tattoo — distorted over the years by growth — that was cut into his infant’s forearm. And he cannot answer questions as he was only five when liberated. I think the prisoners must have kept him hidden in order for him to have survived. He lives near Munich. For an equal time, I worked for an Austrian. I lived off an on in Germany. One day my boss took me to his family home in the Alps near Innsbruck, and I met his father. The man was frail and uncommunicative. He had been a Nazi soldier on the Russian front. As I sat at their small kitchen table, my boss mentioned that I was American but left out my Jewish heritage. Later, my boss explained to me that his father hated the Nazis but had no choice but to serve during WWII. I have long wondered if his father was one of those soldiers ordered to commit genocide on villagers as the Nazis rolled into Minsk.I’ll try reading the other Knols in the collection, and will comment accordingly.MurryThanks for the comment. I was aware of your background and that is the reason why I sent you the invitation (I think you had stated somewhere that you wanted to learn Yiddish: I have never tried to read a longer Yiddish text, but shorter ones I saw look very similar to high German).It may interest you that – for some time – I have been collecting material for a knol on jewish contributions to German culture. You probably know that they have been very considerable, in science, philosophy, music, literature, theatre, representative arts and politics. Even now, the foremost critic of German literature is Jewish, as is one of the foremost political commentators.

Klaus.Die deutsche Kultur wurde ganz entscheidend von den deutschen Juden geprägt. Eine Ursache war wohl auch die ungewöhnlich hohe durchschnittliche Intelligenz der Ashkenazim-Juden, über die es diverse Spekulationen gibt (http://www.aerzteblatt.de/v4/archiv/artikel.asp?src=heft&id=55787). Insoweit haben die Verbrechen der Nazis auch schwerste kulturelle Schäden und Defizite hinterlassen.LG LenaLena, vielen Dank für den Kommentar. Genau das ist ja, was ich vorhabe, nämlich die enormen Beiträge der Juden zur deutschen Kulktur zu zeigen. Wenn man die moralischen Aspekte einmal ganz beiseite lässt (was man natürlich nicht tun soll), die kriminellen kulturellen Schäden allein reichen aus, den wahren Charakter der Nazis zu zeigen: Streicher auf der einen und Einstein auf der anderen Seite.The phenomena of cultural deprivation is well known to U.S. Jews. One need only read tomes like Wouk’s factual and accurate “The Winds of War” to grasp the utter bankruptcy of the Nazi mind against any culture but especially against the long-term, hard bought professional and commercial interests of Germany in education, medicine, science and much more. What fear drove them! Will history list this brand of fear as a human “disease”? Out of the current dichotomy of interests in the middle east comes more examples of the disease. As Holocaust deniers rise to power and spread their fear, spreadsheets have been circulating listing Nobel prize winners. What a stark contrast! Jewish winners outnumber all other middle eastern winners combined by a huge margin. This, in spite of the fact that the respective populations are vastly incomparable (something like 100 Moslems for each Jew). How can so many fear so few? On land mass, the disparity is even greater! Given the modern miracle of Israel in our era of potential global warming, would it not make sense to make friends, learn and adapt those lessons? We have done exactly this in the west and developing east. But not in the middle east due to the “disease.” We need your stories, Klaus. We need a literature of the disease lest other cultures take actions that add up to Lena’s damage left by the deficits. Neither the sheiks of Arabia nor the politicians of Iran are going to repair mankind’s damage to the environment or cure cancer… but the scientists of Israel might.Bemerkenswert ist auch weiterhin der Anteil der Ashkenazim-Juden an wissenschaftlichen Errungenschaften, nun aber weniger in Europa und speziell in Deutschland, sondern in den USA.Das US-Wikipedia führt dazu z. B. aus (http://en.wikipedia.org/wiki/Ashkenazi_intelligence)”The authors argue that these findings are supported by Ashkenazi academic achievement, noting that while, for example, in the United States, Ashkenazi Jews represent less than 2% of the population, they have won 27% of the US Nobel Prizes in science.”Interessant ist dazu die Cochran-Hypothese: “The 2005 study Natural History of Ashkenazi Intelligence by Gregory Cochran, Jason Hardy, and Henry Harpending at the University of Utah noted that European Jews were forbidden to work in many of the common jobs of the Middle Ages from 800 to 1700 CE, such as agriculture, and subsequently worked in high proportion in professions such as finance and trade, some of which were forbidden to non-Jews by the church. Those who performed better are known to have raised more children to adulthood, according to Cochran et al., passing on their genes in greater proportion than those who performed less successfully.”Möglicherweise konnten sie gerade aufgrund der gegen sie erhobenen Berufsverbote im Mittelalter kulturprägend wirken.LG Lena

 

 

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