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Die deutsche Sprache und Universität heute

November 15th, 2011 by Klaus Rohde

Bei einem kürzlichen, zwei-monatigen Besuch in Deutschland (August/September 2011) besuchten meine Frau und ich Frankfurt, Würzburg, Berlin, Hamburg, Lüneburg, Bremen, Büsum, Münster, Osnabrück und Paderborn, und das jeweilige Umland. Mein Eindruck: beeindruckender Wohlstand, aktives kulturelles Leben (Konzerte, Opern, Theater, obwohl während unserers Aufenthaltes Theaterpause war und unsere Informationen daher auf Theaterprogrammen beruhten). Aber auch: Verlotterung der Sprache (unglaubliches Überhandnehmen anglizierten Jargons) auf Reklamen, vor Geschäften usw..

Weit wichtiger ist jedoch, wie die deutsche Sprache an den Universitäten behandelt wird. Bei Besuchen in Instituten der Universität Münster fiel mir auf, dass Kurse zum Teil auf Englisch angekündigt werden. Ein deutscher Professor, dem ein Ehrendoktor an einer anderen deutschen Universität verliehen werden sollte, sagte mir, dass er aufgefordert worden sei, seine Vorlesung zu diesem Anlass auf Englisch zu halten, obwohl man wohl annehmen darf, dass die meisten Zuhörer deutsch sind. Wer macht diese Regeln? Und was ist ihr Zweck? Steht dahinter vielleicht die Absicht, die tradionelle Stellung der Professoren in einem archaischen System zu sichern? Gemäss Professor Caspar Hirschi, einem schweizer Wissenschaftler, der an der ETH (Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich) auf dem Gebiet der Wissenschaftsgeschichte lehrt und forscht, ist Deutschland nur auf einem Gebiet noch führend, und zwar ist es Exportweltmeister junger Wissenschaftler, die im Überschuss produziert werden und nur im Ausland eine Zukunftschance haben. Man exportiert also Expertise auf Kosten des eigenen Landes, mit auf lange Sicht fatalen Konsequenzen.

Hier jedoch ein kurzer Abriss von Hirschis Thesen, beruhend auf einem Artikel in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung vom 9.3.2011.

Caspar Hirschi beginnt damit, Annette Schavan, die Bundesministerin für Bildung und Forschung lächerlich zu machen, die behauptet habe, dass das deutsche Wissenschaftssystem so effizient wie kein zweites in der Welt sei. Er weist darauf hin, dass es wissenschaftliche Untersuchungen zur Effizienz von Staaten gäbe. In solchen Untersuchungen liegt Deutschland hinter den USA, Grossbritannien, Kanada, der Schweiz, Schweden und Israel. Die deutsche Effizienz ist etwa so hoch wie die Österreichs und Frankreichs. Nur in der Physik und in den Ingenieurswissenschaften erreiche Deutschland noch Spitzenwerte; in einer “Sparte” besitze Deutschland allerdings eine “weltweit nicht erreichte Effizienz, nämlich in der Überschussproduktion junger Wissenschaftler.” Deutschland sei da “Exportweltmeister”. Hirschi bespricht die historischen und kulturellen Hintergründe dieser Entwicklung, darunter die immer noch “bildungsbürgerliche Verehrung für Geistesakrobatik im Allgemeinen und für Forschung im Besonderen”. “In kaum einen anderen westlichen Land sind das Ansehen der Wissenschaft und das Prestige von Professoren so hoch wie in Deutschland”. Dadurch ist es einerseits relativ leicht, junge Leute ins Studium der Wissenschaften zu ziehen, andererseits führte es zum Überleben sklerotischer Strukturen, vor allem der “ Konzentration der akademischen Macht bei einer kleinen Minderheit” unbefristet angestellter Professoren (etwa 10% der Wissenschaftler). Die meisten der anderen haben befristete Verträge und arbeiten unter Professoren. In anderen Worten, wenn junge Wissenschaftler es nicht schaffen aufzusteigen, bevor sie zwischen vierzig und fünfzig sind, müssen sie ins Ausland abwandern, wenn sie nicht “in Armut absinken wollen”. – Die deutsche “Forschungsbürokratie” steht im Dienst des “professoralen Grössenwettbewerbs”, gefördert durch die Gründung der Sonderforschungsbereiche 1968 und der Exzellenzinitiative 2005. Vor allem in den Geisteswissenschaften wirkt sich dies dahin aus, dass grosse Geldmittel in Peronalstellen gesteckt werden. Die in den Geisteswissenschaften übliche Verbundforschung arbeitet ohne “präzise Problemstellung”, “konkrete Kooperationsform” und “klare Erkenntnisziele”. Infolgedessen kreisen gewaltige Wissenschaftlerschwärme ”in projektteilig inszenierten Formationen” um “Allgemeinbegriffe.” Nicht wissenschaftliche Erkenntnisse, sondern “personeller Umfang” dient als Leistungsnachweis. “Bewertung erfolgt nicht nach, sondern vor der erbrachten Forschungsleistung”. – Die Zahl der Mitarbeiterstellen ist zwischen 2003 und 2009 um 33% gestiegen, die der Professoren um nur 2%. “Selbst der Wissenschaftsrat räumt ein, dass die meisten Mitarbeiter an deutschen Universitäten keine Zukunft haben”. “Eine umfassende Strukturreform der deutschen Universität wird….nie aus Professorengremien heraus erfolgen”. – Im Gegensatz zu den deutschen Verhältnissen sind in Grossbritannien und den USA mehr als die Hälfte hauptberuflicher Wissenschaftler auf unbefristeten und unabhängigen Stellen”, und jeder kann sich nach erfolgreicher Promotion bewerben.

Vorschläge von Hirschi: die meisten Ordinariate samt Mitarbeitern bei der Emeritierung auflösen und “je nach Grösse in zwei oder mehrere unbefristete und unabhängige Lehr- und Forschungsstellen umwandeln”. Jede Stelle nach der “Pensionierung wieder auf die Ausgangsposition zurückstufen”. Evaluationsverfahren auf die Forschungsergebnisse verschieben.—Dies würde die Überschussproduktion von Wissenschatlern beenden, die Hierarchien abflachen, die Patronageabhängigkeiten reduzieren “und junge Wissenschaftler könnten sich den Luxus leisten, ohne Gefahr originelle Würfe zu landen”.

Diese Ausführungen Hirschis decken sich im Detail mit dem, was ich in einem langen Brief an das Kultusministerium in NRW schon in den Sechzigern schrieb: eine Reformierung des maroden deutschen Universitätssystems sei aus Kreisen der Professoren nicht zu erwarten, enorme Mittel würden verschleudert, weil junge Wissenschaftler in korrumpierenden Abhängigkeitsverhältnissen ständen und sich nicht frei entfalten könnten. Die Habilitation sei nicht viel mehr, als junge Leute so lange wie möglich abhängig zu halten. Die Antwort des Kultusministeriums: unverbindliches Geschwafel, der Oberbau (Professoren), müsse mit dem Mittelbau (wozu ich gehörte) und dem Unterbau (den Studenten) oder so ähnlich, zusammenarbeiten. – An meiner Universität in Australien gibt es eine ganze Reihe junger deutscher Wissenschaftler, von denen einige zumindest wahrscheinlich nicht gekommen wären, wenn sie in Deutschland eine entsprechende Stelle gefunden hätten.

Darüber hinaus: Deutschland hängt kritisch von der Qualität seiner Wissenschaft ab. Der laufende Export der besten verschiebt diesen Vorteil, in anderen Worten, das deutsche Wissenschaftssystem, das vom deutschen Steuerzahler bezahlt wird, trägt aktiv dazu bei, den Exportvorteil ins Ausland zu verlagern.

Kann man auf Rettung hoffen? Sicherlich wird sie nicht aus den Reihen der Professoren kommen, die vor allem darauf bedacht sind, ihre Vorrechte und Vormachtstellung zu sichern.

Um auf die Sprache zurückzukommen: die Einführung des Englischen als Unterrichtssprache in Masterkursen usw. ist nur ein Mittel unter vielen, junge Leute später ins Ausland abzuschieben. Ein Dozent in Münster entschuldigte sich mir gegenüber fast, dass er seine Vorlesungen immer noch in Deutsch abhielt.

Allerdings: das Englische ist ohne Zweifel im Augenblick die dominierende Wissenschaftssprache, und man muss auf Englisch publizieren, um anerkannt zu werden (ganz abgesehen davon, dass man kaum noch Zeitschriften findet, die deutsche Arbeiten veröffentlichen). Damit zusammenhängend ist es sinnvoll, in fortgeschrittenen Forschungsgruppen auf Englisch zu kommunizieren. Jedoch sollte auf jeden Fall verhindert werden, dass das Deutsche als Unterrichtssprache verdrängt wird. Die Sprache ist die “Seele eines Volkes”. Und ich schliesse mit einer Erfahrung, die ich in Santa Fe, Neu Mexico, USA machte:

Ein Navajo-Indianischer Geistlicher hielt einen Vortrag in Santa Fe, Neu Mexico:

Als Kind sei er von seinen Eltern getrennt worden. Es wurde ihm verboten, die Navajosprache zu sprechen. Er verlernte seine eigene Sprache und konnte sich, nach der Rückkehr in die Heimat, nicht mehr mit seinen eigenen Eltern verständigen. Er lernte Navajo jedoch wieder, denn die Sprache ist, wie er sagte, “die Seele des Volkes”. Auf eine Frage einer Zuhörerin, ob man seine Identität nicht auch ohne die Sprache bewahren könne, antwortete er, nein, das sei nicht möglich. Die Sprache sei das entscheidende. – Die gleiche Situation übrigens in Australien: Aborigines wurden in grossem Rahmen von ihren Eltern getrennt und gezwungen, Englisch als einzige Sprache zu lernen (”Lost generation”).

Vielleicht sollten die Deutschen von den Indianern lernen. Seid stolz auf Eure Sprache! Und daneben, bewahrt Euren Respekt vor der Wissenschaft. Vergesst aber nicht, dass das nicht synonym mit Respekt vor den Professoren ist. – Und dies ist sehr wichtig: man wird wahrscheinlich nicht ewig ein Spitzenlicht im Wohlstand sein. China, Indien, Brasilien usw.usw. holen rasch auf. Wie will man sich dann definieren? Was macht das Deutsche aus ? Man muss sich wieder mehr auf die Kultur und hier insbesondere auch auf die Sprache besinnen.
Hierzu: http://knol.google.com/k/klaus-rohde/warum-deutsche-knols-deutsch-als/xk923bc3gp4/23#

Schnappschüsse

 

 

Berlin, Hackescher Markt im Hinterhof. Steck einen Euro rein: er knurrt und flattert. Mögliche Interpretationen: Dünkelmann, Fledermann, Schaumschläger, Deutscher Professor misinterpretiert.

 

Hierzu: in unserem Hotel in Münster sass am Nachbartisch ein älterer deutscher Professor, kurz vor der Emeritierung. Wir unterhielten uns über das australische Universitätssystem (in dem auch nicht alles bestens ist) und das deutsche. Er fragte mich, was ich denn so am deutschen nicht gut fände: “die Hierarchie, der Dünkel der Professoren”. Er antwortete: “ja, und das wird sich auch nicht ändern”. Und das immerhin von einem  deutschen Professor.

 

Berlin, am Hauptbahnhof. Ross auf der Wippe; Vorsicht, fall nicht herunter, auf dem hohen Ross kann man nicht ewig sitzen!

Bamberg. Immernoch in alter Schönheit. Ausnahmsweise mal nicht im Kriege zerstört.

 

Osnabrück??? Sie gackert, sie folgen. Interpretationen: Professorin und ihre Küken. Wenn sie aber erst mal grösser sind, müssen sie weg. Kein Platz für zu viele!

Detmold, apokalyptischer Reiter. Eine Zukunftsvision?

 

Hamburg, Elbphilharmonie im Bau 2011. Ein eindrucksvolles Beispiel der sich weiter entwickelnden Kultur.

Kunst hat kein Vaterland?

 

 

Aus meinem Skizzenbuch. Etwa 2m hohes Gestell vor dem Marionettentheater “Schafstall” in Bad Essen. “Kunst hat kein Vaterland”.

 

Ich dachte immer, dass grosse Kunst oft auf dem Boden nationaler Kulturen entsteht. Nur scheint das vielen Deutschen nicht einzuleuchten.

 

Aus meinem Skizzenbuch. Otto Dix Selbstbildnis, Kaltnadel. Museum Schloss Kassel-Wilhelmshöhe, Grafiksammlung. Dix ein grosser deutscher Künster par excellence, ebenso wie Brecht und Orff, um nur einige zu nennen. Sie hätten sich wohl in ihrer Form kaum woanders entwickeln können.

 

Deutschland schafft sich ab

 

Sarrazin hat auf gewisse Besorgnis erregende Entwicklungen aufmerksam gemacht, darunter auch, gleich zu Anfang seines Buches, auf den geringen Nationalstolz der Deutschen. Meine Beobachtungen während des kürzlichen Besuches decken sich damit. Und auch bei einem früheren Besuch habe ich ähnliche Beobachtungen gemacht (siehe hier). Doch nicht alles ist verloren:

Ein Hoffnungsschimmmer

 

Nicht ein Professor, sondern Pius Heinz, ein 22-jähriger Student, hat kürzlich die Poker-Weltmeisterschaften in Las Vegas gewonnen. “Jetzt liegt ihm Amerika zu Füssen”, las ich in einer Pressemitteilung im Spiegel (9.11.11, Lasse König). Er stammt “aus dem kleinen Kaff Swisttal-Odendorf bei Bonn” und gewann, neben einem mit Diamanten besetzten Armband, dem sogenannten “Bracelet” 8,7 Millionen Dollar an Preisgeld. Aus dem Artikel: “Ein Journalist von “ABC” schlug ihm auf seinem Triumphzug durch das Casino gleich noch vor, die amerikanische Staatsbürgerschaft anzunehmen. Er könne doch hier viel mehr Geld verdienen. Aber Heinz, der derzeit in Wien studiert, lächelte nur müde und winkte ab. Wenig später ließ er auf seiner Facebook-Seite dann auch keine Zweifel an seiner Herkunft: “Hiermit verkünde ich stolz, dass ich der Poker-Weltmeister 2011 bin! Ich habe für Deutschland gewonnen.”” (Vergleicht hiermit:  Als Lena den Eurosong-Wettbewerb gewann, mokierte sich der Spiegel darüber, dass sie nicht akzentfrei Englisch sang. Er hätte sich darüber mokieren sollen, dass sie nicht auf Deutsch sang. Wie langweilig, schlechte Schlager in schlechtem Englisch anhören zu müssen!).

 

Kommentare

Peter Mersch: Bin nicht sicher, ob man den Prozess aufhalten kann.

Einige Anmerkungen zu Beginn:

In Deutschland gibt es beeindruckenden Wohlstand, allerdings auch sehr viel Armut im Vergleich zu früher. Die Welten sind heute stärker getrennt (sodass man von Parallelwelten sprechen könnte). Es ist sicherlich noch nicht so wie in den USA, aber selbst in einer so reichen Stadt wie Frankfurt gibt es mittlerweile sehr viele Gebiete, in denen vorwiegend von Transferleistungen lebende Menschen wohnen. Die fallen allerdings im Stadtzentrum weniger auf, weil sie meist dort bleiben, wo sie sind.

Gemäß der Systemischen Evolutionstheorie ist die Kompetenzverlustvermeidung das eigentliche Lebensprinzip. Von daher ist es kaum zu erwarten, dass Professoren von sich aus auf einmal erreichte Privilegien und Statusvorteile verzichten werden. Aus deren Reihen wird die Umwälzung also mit Sicherheit nicht kommen. Deshalb finde ich den Vorschlag von Hirschi auch sehr gut: Änderungen erfolgen nach der Emeritierung. Dann wird das Ordinariat aufgelöst und in mehrere unbefristete Forschungsstellen umgewandelt. So vermeidet man unnötige Konflikte. Wie gesagt: Kompetenzverluste nimmt kaum jemand gerne hin, manche ja, die meisten nein.

Hinzu kommt, dass viele Wissenschaftler ohnehin eine Abneigung gegen den ganzen Formalkram haben. Dazu werden sie aber als Professor mit Lehrstuhl oder gar Institut gewissermaßen gezwungen und damit von der eigentlichen Forschung und Lehre abgehalten.

Die Anmerkungen Hirschis über die Geisteswissenschaften finde ich sehr treffend. John Brockman bezeichnet die Disziplinen als Anmerkungswissenschaften, der Evolutionsbiologe U. Kutschera als Verbalwissenschaften im Gegensatz zu den Realwissenschaften, wie er sich ausdrückte. Vieles, was dort abgehandelt wird, hat absolut nichts mit Wissenschaft zu tun. Ein Beispiel ist die Gendertheorie.

Hirschi: “Die in den Geisteswissenschaften übliche Verbundforschung arbeitet ohne ‘präzise Problemstellung’, ‘konkrete Kooperationsform’ und ‘klare Erkenntnisziele’.” Und am Ende dann eben leider auch ohne jede wirkliche Erkenntnis. Ich finde auch, dass man diese Disziplinen verschlanken könnte und sollte.

Zur Sprache:

Hier bin ich mir unschlüssig. Tatsächlich ist der Prozess kaum aufzuhalten. Hinzu kommt, dass Deutsch eine schwere Sprache ist. Andere tun sich mit der Sprache sehr schwer und haben dann in der Tat wenig Neigung, von ihrer leichter erlernbaren Sprache auf das schwierige Deutsch umzusteigen. Meine Familie war auch immer zweisprachig. Meine Frau z. B. wäre nie auf die Idee gekommen, dass Deutsch eine Alternative zu Spanisch sein könnte.

Gerade beim Spanischen wird der Zusammenhang zwischen Kultur und Sprache sehr deutlich, wie ich finde. Ich kann mir die Spanisch-sprechenden Menschen auch nicht anders vorstellen. Interessant ist übrigens, dass in vielen Hollywood-Filmen (z. B. Jurassic Park, Terminator) Szenen mit Lateinamerikanern meist nicht synchronisiert werden. Das würde die Szenen unnatürlich erscheinen lassen. Es ist darin meist auch völlig egal, was diese Personen sagen, es ist ohnehin so eine Art Folklore. Entsprechend “rein” ist die Sprache bis heute geblieben.

Beim Deutschen ist das jedoch anders. Wir haben eigentlich schon immer recht viele ausländische Worte aufgenommen. Im Kölner Raum werden z. B. besonders viele französische Worthülsen im Deutschen verwendet. Ich kann mir deshalb nicht vorstellen, dass der Prozess bei uns noch zu stoppen ist. Es ist fast so, als würde eine schleichende Anpassung ans Englische erfolgen. Viele Deutsche greifen diese Worte auch gerne auf, weil sie sich hierdurch fortschrittlich und aufgeschlossen vorkommen. Und tatsächlich wird manches dadurch auch einfacher. Beispielsweise ist es für einen Jungen viel leichter zu einem Mädchen “I love you, Babe” als “Ich liebe dich” zu sagen. Letzteres würde peinlich (bzw. uncool) wirken.

 

Die Entwicklung in den Unternehmen, von denen Herr Zeitler berichtet, kenne ich auch. Beispielsweise muss bei der Deutschen Bank jedes interne Projektdokument in Englisch erstellt werden, da es vielleicht in Singapur gelesen wird. In Projektbesprechungen mit einem ausländischen Teilnehmer wird stets Englisch gesprochen. Ich finde schon, dass die deutschen Teilnehmer hierdurch oftmals deutlich benachteiligt sind, denn die meisten denken in Deutsch viel schneller und präziser als in Englisch. Oftmals bekommt man von einem gesagten Satz nur einen Teil mit und dann wird es schwierig, die Konsequenzen zu beurteilen.

Leider ist die Technik noch nicht so weit. Wenn Sprache im Fluge elektronisch übersetzt werden könnte, und zwar verzögerungsfrei und korrekt, dann würden sich manche Probleme wieder erledigen.

Dass deutsche Wissenschaftler durch den Englisch-Zwang benachteiligt werden, scheint mir evident zu sein. Eine Veröffentlichung in Deutsch wird im Grunde nicht wahrgenommen. Hinzu kommt der Trend, dass man solche Arbeiten auch gar nicht mehr wirklich ernst nimmt. Sie werden von den eigentlichen internationalen Koryphäen auch nicht gelesen.

Deutsche neigen oftmals dazu, das eigene Land abzuwerten und fremdes aufzuwerten. So heißt es dann: “Das kommt aus Amerika”, womit gemeint ist: Das ist besonders modern und fortschrittlich. Dies kann dazu führen, dass die im eigenen Land gewonnenen Erkenntnisse weniger ernst genommen werden als die im Ausland.

Allerdings kann es sich dabei zum Teil auch um ein generelles Wissenschaftsproblem handeln. Bei fast jedem Nobelpreis liest man seit einiger Zeit, dass die Arbeiten von den wiss. Zeitschriften zunächst nicht angenommen wurden. Das sagte selbst der letzte deutsche Physiknobelpreisträger (2007: Peter Grünberg), der eine Entdeckung gemacht hat, auf der heute alle Festplattenlaufwerke beruhen. Sein Patent hat Millionen an Euros in die Kassen des Kernforschungszentrums Jülich gespült. Seine Arbeit wurde aber zunächst mehrere Male abgelehnt.

Ähnlich wie Herr Zeitler glaube ich, dass heute viele kluge Köpfe direkt in die Wirtschaft gehen. In der Politik ist die Ausdünnung an Kompetenzen unmittelbar zu erkennen. Man kann in der Wirtschaft viel mehr bewirken, leichter Karriere machen und auch viel mehr Geld verdienen, wenn man gut ist. Auch muss man nicht ständig Mr. Saubermann sein. Ein Verhältnis mit einer 16-Jährigen wie beim CDU-Politiker von Boetticher wäre im Grunde reine Privatsache.

In den letzten Jahren war ich auf mehreren wiss. Kongressen und Tagungen. Ich habe einige Projektbesprechungen bei der Deutschen Bank erlebt, die waren personell kein bisschen schlechter besetzt, um mich mal vorsichtig auszudrücken.

 

Ja, ich habe meine erste Liebeserklärung auf französisch gemacht: “je t’aime” oder so ähnlich (wie man sieht, ich kann mich nicht genau erinnern und so würde es heute nicht mehr klappen).

Klaus Rohde: Der Prozess lässt sich wahrscheinlich nicht aufhalten. Welcher Prozess? Die Aufnahme englischer Worte ins Deutsche? Das ist möglich und regt mich auch nicht besonders auf. Schon Schopenhauer argumentierte gegen die Puristen (und das war in der ersten Hälfte des neunzehnten Jahrhunderts), dass er kein Problem darin sähe, Fremdwörter aufzunehmen, wenn es dafür keine deutsche Äquivalente gäbe. Heutzutage kann man vielleicht weiter gehen: wenn das die deutsche Sprache präziser und vielleicht ausdrücksreicher, also insgesamt reicher macht.

Das das Englische zur Zeit die Wissenschaftssprache ist, ist ganz klar. Ich sage ja nicht, dass man das abstellen soll. Es ware völlig unrealistisch. Mein Sohn ist zur Zeit an der Universität Paderborn und arbeitet in der Gruppe um Christine Silberhorn an der Entwicklung eines optischen Quantumkomputers. Die Kommunikation ist fast ausschiesslich auf Englisch. Und bei grossen internationalen Konzernen und Banken ist das wahrscheinlich ähnlich. Eine solche Kommunikation ist allerdings selbst dann möglich, wenn das Englische nicht akzentfrei und nicht perfekt ist.

In meinem Knol geht es fast ausschliesslich um das Deutsche als Unterrichtssprache. Es sollte auf jeden Fall vermieden werden, dass sich das Englische auch hier durchsetzt. Das wäre meiner Ansicht nach eine Katastrophe. Dass man in Deutschland dafür sozusagen prädestiniert an, scheint mir vor allem daran zu liegen, dass der Nationalstolz fehlt: Jahrzehnte der Hirnwäsche nach dem Krieg. Ausserdem immer noch der alte Obrigkeitsglaube, man hat den Kaiser durch Hitler, Hitler durch die Amis ersetzt. Die Herren Professoren sind allerdings immer die gleichen geblieben. Ein wirklich freier Mensch würde sich seiner Sprache nicht berauben lassen, weil es im Augenblick opportun erscheint und weil die wirtschafliche Lage (Globalisierung) das angeblich erfordert. Blanker Unsinn: welchen wirtschaftlichen Vorteil hat Deutschland denn dadurch, das man möglichst viele ausländische Studenten ins Land holt, die zum Teil auch noch vom Staat subventioniert werden? Vorteile beständen doch wohl nur dann, wenn sie deutsch lernen müssten, was dann nach ihrer Rückkehr ins eigene Land für Deutschland wirtschaftliche und kulturelle Vorteile brächte.

Deutsch schwieriger als andere Sprachen? Ich hatte auf der Schule Russisch, Lateinisch, Englisch und Griechisch (und zwar in dieser Reihenfolge). Später habe ich mir dann selbst etwas Spanisch beigebracht. Ich besitze auch ein Russischlehrer-Diplom. Abgesehen von Lateinisch und Griechisch schien mir das Englische besonders schwierig zu sein, zumindest wenn man etwas tiefer in die Sprache eindringt. Bis heute fehlt mir zum Beispiel das Verständnis für Shakespeares Sonette. Auf deutsch abgefasste wissenschaftliche Arbeiten scheinen mir im allgemeinen zumindest nicht unklarer als auf englische geschriebene zu sein, obwohl man die deutsche Sprache vielleicht leichter zum vagen philosophischen, angeblich “tieferen” Geschwafel misbrauchen kann (siehe Teile von Hegel, Heidegger usw., obwohl die ja von vielen besonders geschätzt werden: vielleicht bin ich nur zu dumm). Sprachen sind nicht äquivalent, jede Sprache hat Eigenheiten, die sich in anderen Sprachen nur unvollkommen ausdrücken lassen, wenn überhaupt. Selbst die Wissenschaften würden auf lange Sicht an einem Rückgang der Sprachenvielfalt leiden, weil gewisse, auf Eigenheiten von Sprachen beruhende, Anregungen zu weiterführenden Untersuchungen ausbleiben würden. Ich habe immer vermutet, dass zum Beispiel die Tatsache, dass sich die Quantenmechanik in Deutschland entwickelte, unter anderem auch auf die deutsche philosophische Tradition (Kant, Schopenhauer) zurückzuführen ist, die ja eng mit der deutscher Sprache verbunden ist.

Also mein Fazit: geschichtliche Prozesse sind zwar im Rückblick strikt deterministisch, nicht aber im “Vorausblick”. Die Zukunft liegt in der Hand der Jetzigen. Prozesse lassen sich aufhalten!

 

Gerd Zeitler: prachliches Dilemma und neoliberale Wirtschaftsdoktrin

Sie haben die wesentlichen Probleme angesprochen, zwei Aspekte möchte ich aber herausgreifen:

Das Dilemma mit dem Englischen lässt sich derzeit nicht auflösen, weil Englisch inzwischen nicht nur die Lingua franca der Wissenschaft, sondern auch der globalisierten Geschäftswelt ist. Man muss in Englisch publizieren, um dann auch in Englisch zitiert zu werden, was übrigens in Deutschland um den Faktor 10 bis 20 höher bewertet wird als Zitate deutschsprachiger Veröffentlichungen. Global agierende Unternehmen wie Siemens wickeln 90 Prozent ihres internen und externen Schriftverkehrs in Englisch ab, und in internationalen Projektgruppen wird ausschließlich englisch gesprochen. Das Dilemma besteht also darin, einerseits die Muttersprache nicht zu vernachlässigen und andererseits genügend Gelegenheiten wahrzunehmen, um das Englische “wettbewerbsfähig” zu beherrschen. Sonst beschert man den englischen Muttersprachlern einen Wettbewerbsvorteil, den diese jederzeit schamlos ausnutzen. Ich vermute, dass sich in Europa auf lange Sicht eine Zweisprachigkeit mit Englisch als allgemeiner Zweitsprache durchsetzen wird, denn alle anderen europäischen Sprachen stehen vor demselben Dilemma. Nur so lässt sich vermutlich die sprachliche und kulturelle Vielfalt überhaupt erhalten, und die Zweisprachigkeit könnte auch der beste Schutz vor dümmlichen Anglizismen sein. Bezeichnend für die sich abzeichnende Entwicklung ist, dass sogar Merkel und Sarkozy miteinander englisch sprechen.

Der zweite Aspekt ist die Abwanderung gut ausgebildeter Menschen. Da sind übrigens alle Berufe gleichermaßen betroffen. Die untragbaren Zustände an den deutschen Universitäten haben Sie ausführlich beschrieben, aber die Abwanderung hat darüber hinaus, auch bei den Wissenschaftlern, wirtschaftliche Gründe, weil als Folge des neoliberalen Wettbewerbs überall gespart werden muss, so dass zu wenige existenzsichernde Vollzeitstellen angeboten werden. Man versucht, das mit Bildungsinitiativen zu bekämpfen, aber mangelnde Bildung bzw. Ausbildung ist gar nicht das Kernproblem. Es bekommen zwar immer die Besten die Arbeitsplätze, insofern lohnt es sich für jeden persönlich, in Ausbildung zu investieren, aber die Anzahl der freien Stellen reicht niemals für alle. Viele gute Wissenschaftler wechseln übrigens in die heimische Industrie und bleiben so dem Land erhalten.

Ich denke, eine wichtige Erkenntnis ist, dass auch die deutsche Wissenschaft, ungeachtet aller bestehenden Verkrustungen im universitären Bereich, von der neoliberalen Wirtschaftsdoktrin substantiell beeinflusst wird. Bildungsinitiativen werden erst in einer sozial und ökologisch ausgewogenen Wirtschaftsordnung und bei gegenseitig wohlstandsmehrendem internationalen Wettbewerb und Handel die erwünschte Wirkung entfalten.

Siehe dazu auch: http://knol.google.com/k/sozialökologisches-wirtschaftslexikon#

Zu den meist in schlechtem in Englisch gehaltenen Vorlesungen möchte ich noch anmerken, dass es sich dabei um stümperhafte Versuche handelt, die deutschen Studenten auf die globalisierte Arbeitswelt vorzubereiten und zugleich ausländische Studenten anzulocken. Letzteres misslingt eindrucksvoll, denn wer geht schon nach Deutschland, um sich schlechtes Englisch anzuhören; da sind wir gegenüber den angelsächsischen Ländern im Nachteil, was wiederum Beweis für unser sprachliches Dilemma ist.

Josef Alvermann:

 Schön, daß jemand aus dem direkt betroffenen Personenkreis hierzu seine Meinung äußerte. Ich möchte nur allgemein etwas zu der Sprachverlumpung sagen, die heutzutage nicht einmal vor aufwendig gestalteten Firmenschildern haltmacht, wie die Bezeichnungen “Frisuren und mehr …”, ja sogar “Reste und mehr …” zeigen. Vor allem die Mode, auch winzige Läden, selbst wenn sie nur Grundnahrungsmittel anbieten, bereits im Firmenschild (erst recht bei den Produktnamen) mit fremdsprachigen Worten `aufwerten´ zu wollen, gibt Anlass zu (je nach Temperament und Tagesform) ärgerlichem oder fröhlichem Kopfschütteln. So bei jenem Laden, der Backwaren anbot und sich mit dem albernen, falschen und zweideutigen Namen `Backcorner´ schmückte, ein Laden, der weder in irgendeinem Sinn hinten noch an einer Ecke lag und bald wieder schließen musste, wohl weil ihn so kein ausländischer Tourist gefunden hatte? In einer anderen `modernen´ Bäckerei mit sogenanntem Café innerhalb des Verkaufsraums ist mir vor kurzem der Geduldsfaden gerissen, da die Speise- und Getränkekarte fast nur noch aus englischen (Doughnut, Bagel, Muffin, Sandwich usw.) französischen (Meringue, Croissant, Baguette usw.) und italienischen (Cappuccino, Caffé latte, Caffé macchiato usw.) Bezeichnungen bestand, von denen die allermeisten nicht einmal korrekt geschrieben waren. Im Zeitalter des Internets kann sich der Unwissende blitzschnell sachkundig machen – aber wozu? Der Kunde wird schon ahnen, was gemeint ist – siehe `Backcorner.´ Läden und Produkte mit fremd klingenden Namen, die meistens nicht richtig ausgesprochen oder gar verstanden werden, erzielen für ihre (gar nicht so selten zweitklassige Ware) einen höheren Preis. Wer ist also zu tadeln, die klugen Verkäufer oder die dummen Kunden? Wenn der Verkäufer jedoch selbst nicht weiß, was seine Sprachspielereien bedeuten, siehe Backcorner, dann wird es oft lustig. So auch neulich bei einem Modegeschäft, dessen Schaufenster mit klangvollen französischen Worten und dann zur Schlussverkaufszeit zusätzlich mit dem englischen Wort “Sales” beklebt war; ein deutsches kam ja nicht in Frage. Also stand direkt neben oder unter Vêtements in großen Buchstaben Sales. Nun, hier hat wohl der biblische Joshua, der mit schmutziger Kleidung vor dem Engel stand, seine Kleider gekauft, denn Vêtements sales bedeutet exakt das auf Französisch. Auf Englisch hätten es aber hier mehr potentielle Käufer verstanden: Filthy clothes!

(Josef Alvermann, Baden-Baden)

 

 

Gerd Zeitler: Die Bildung des deutschen Sprach- und Volksbewusstseins hat laut germanistischer Forschung vermutlich im 7. Jahrhundert stattgefunden. Wenn man die Entwicklung über die Jahrhunderte verfolgt, dann wird deutlich, wie lebendig die deutsche Sprache und wie groß der Einfluss anderer Verkehrssprachen immer war, anfangs des Lateinischen, später des Französischen und heutzutage des Englischen. Das Englische selbst ist ja über die Jahrhunderte noch mehr “gebeutelt” worden als das Deutsche, und Englisch ist auch heute noch die Sprache mit dem größten Absorptionsvermögen und dem größten und am schnellsten wachsenden Wortschatz, ohne dass die Muttersprachler sich überfremdet fühlen. Was wir als Deutsche heute erleben, scheint eine normale Entwicklung zu sein, die dafür sorgt, dass wir mit unserer Sprache sozusagen (global) auf dem Laufenden bleiben. Ich denke, der Duden ist nicht unschuldig daran, dass wir meinen, unsere Sprache müsste zementiert werden und “rein” bleiben. Trotzdem sind die dümmlichen Anglizismen, derer sich viele Wichtigtuer bedienen, eine dauerndes Ärgernis.


Ja, danke, so sehe ich das auch. Das die “germanischen” Sprachen grösseres Absorptionsvermögen entwickelt haben, liegt wohl auch besonders daran, dass sie absorbieren mussten, aus Sprachen die im Altertum kulturell fortgeschrittener waren, d..h. dem Lateinischen oder Griechischen, z.T. über das Französische.

 

 

 

 

9 Comments

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  1. Peter Mersch

    Bin nicht sicher, ob man den Prozess aufhalten kann. — Einige Anmerkungen zu Beginn:In Deutschland gibt es beeindruckenden Wohlstand, allerdings auch sehr viel Armut im Vergleich zu früher. Die Welten sind heute stärker getrennt (sodass man von Parallelwelten sprechen könnte). Es ist sicherlich noch nicht so wie in den USA, aber selbst in einer so reichen Stadt wie Frankfurt gibt es mittlerweile sehr viele Gebiete, in denen vorwiegend von Transferleistungen lebende Menschen wohnen. Die fallen allerdings im Stadtzentrum weniger auf, weil sie meist dort bleiben, wo sie sind. Gemäß der Systemischen Evolutionstheorie ist die Kompetenzverlustvermeidung das eigentliche Lebensprinzip. Von daher ist es kaum zu erwarten, dass Professoren von sich aus auf einmal erreichte Privilegien und Statusvorteile verzichten werden. Aus deren Reihen wird die Umwälzung also mit Sicherheit nicht kommen. Deshalb finde ich den Vorschlag von Hirschi auch sehr gut: Änderungen erfolgen nach der Emeritierung. Dann wird das Ordinariat aufgelöst und in mehrere unbefristete Forschungsstellen umgewandelt. So vermeidet man unnötige Konflikte. Wie gesagt: Kompetenzverluste nimmt kaum jemand gerne hin, manche ja, die meisten nein. Hinzu kommt, dass viele Wissenschaftler ohnehin eine Abneigung gegen den ganzen Formalkram haben. Dazu werden sie aber als Professor mit Lehrstuhl oder gar Institut gewissermaßen gezwungen und damit von der eigentlichen Forschung und Lehre abgehalten. Die Anmerkungen Hirschis über die Geisteswissenschaften finde ich sehr treffend. John Brockman bezeichnet die Disziplinen als Anmerkungswissenschaften, der Evolutionsbiologe U. Kutschera als Verbalwissenschaften im Gegensatz zu den Realwissenschaften, wie er sich ausdrückte. Vieles, was dort abgehandelt wird, hat absolut nichts mit Wissenschaft zu tun. Ein Beispiel ist die Gendertheorie. Hirschi: “Die in den Geisteswissenschaften übliche Verbundforschung arbeitet ohne ‘präzise Problemstellung’, ‘konkrete Kooperationsform’ und ‘klare Erkenntnisziele’.” Und am Ende dann eben leider auch ohne jede wirkliche Erkenntnis. Ich finde auch, dass man diese Disziplinen verschlanken könnte und sollte. Zur Sprache: Hier bin ich mir unschlüssig. Tatsächlich ist der Prozess kaum aufzuhalten. Hinzu kommt, dass Deutsch eine schwere Sprache ist. Andere tun sich mit der Sprache sehr schwer und haben dann in der Tat wenig Neigung, von ihrer leichter erlernbaren Sprache auf das schwierige Deutsch umzusteigen. Meine Familie war auch immer zweisprachig. Meine Frau z. B. wäre nie auf die Idee gekommen, dass Deutsch eine Alternative zu Spanisch sein könnte. Gerade beim Spanischen wird der Zusammenhang zwischen Kultur und Sprache sehr deutlich, wie ich finde. Ich kann mir die Spanisch-sprechenden Menschen auch nicht anders vorstellen. Interessant ist übrigens, dass in vielen Hollywood-Filmen (z. B. Jurassic Park, Terminator) Szenen mit Lateinamerikanern meist nicht synchronisiert werden. Das würde die Szenen unnatürlich erscheinen lassen. Es ist darin meist auch völlig egal, was diese Personen sagen, es ist ohnehin so eine Art Folklore. Entsprechend “rein” ist die Sprache bis heute geblieben. Beim Deutschen ist das jedoch anders. Wir haben eigentlich schon immer recht viele ausländische Worte aufgenommen. Im Kölner Raum werden z. B. besonders viele französische Worthülsen im Deutschen verwendet. Ich kann mir deshalb nicht vorstellen, dass der Prozess bei uns noch zu stoppen ist. Es ist fast so, als würde eine schleichende Anpassung ans Englische erfolgen. Viele Deutsche greifen diese Worte auch gerne auf, weil sie sich hierdurch fortschrittlich und aufgeschlossen vorkommen. Und tatsächlich wird manches dadurch auch einfacher. Beispielsweise ist es für einen Jungen viel leichter zu einem Mädchen “I love you, Babe” als “Ich liebe dich” zu sagen. Letzteres würde peinlich (bzw. uncool) wirken.

    • Peter Mersch

      Die Entwicklung in den Unternehmen, von denen Herr Zeitler berichtet, kenne ich auch. Beispielsweise muss bei der Deutschen Bank jedes interne Projektdokument in Englisch erstellt werden, da es vielleicht in Singapur gelesen wird. In Projektbesprechungen mit einem ausländischen Teilnehmer wird stets Englisch gesprochen. Ich finde schon, dass die deutschen Teilnehmer hierdurch oftmals deutlich benachteiligt sind, denn die meisten denken in Deutsch viel schneller und präziser als in Englisch. Oftmals bekommt man von einem gesagten Satz nur einen Teil mit und dann wird es schwierig, die Konsequenzen zu beurteilen. Leider ist die Technik noch nicht so weit. Wenn Sprache im Fluge elektronisch übersetzt werden könnte, und zwar verzögerungsfrei und korrekt, dann würden sich manche Probleme wieder erledigen. Dass deutsche Wissenschaftler durch den Englisch-Zwang benachteiligt werden, scheint mir evident zu sein. Eine Veröffentlichung in Deutsch wird im Grunde nicht wahrgenommen. Hinzu kommt der Trend, dass man solche Arbeiten auch gar nicht mehr wirklich ernst nimmt. Sie werden von den eigentlichen internationalen Koryphäen auch nicht gelesen. Deutsche neigen oftmals dazu, das eigene Land abzuwerten und fremdes aufzuwerten. So heißt es dann: “Das kommt aus Amerika”, womit gemeint ist: Das ist besonders modern und fortschrittlich. Dies kann dazu führen, dass die im eigenen Land gewonnenen Erkenntnisse weniger ernst genommen werden als die im Ausland.Allerdings kann es sich dabei zum Teil auch um ein generelles Wissenschaftsproblem handeln. Bei fast jedem Nobelpreis liest man seit einiger Zeit, dass die Arbeiten von den wiss. Zeitschriften zunächst nicht angenommen wurden. Das sagte selbst der letzte deutsche Physiknobelpreisträger (2007: Peter Grünberg), der eine Entdeckung gemacht hat, auf der heute alle Festplattenlaufwerke beruhen. Sein Patent hat Millionen an Euros in die Kassen des Kernforschungszentrums Jülich gespült. Seine Arbeit wurde aber zunächst mehrere Male abgelehnt.Ähnlich wie Herr Zeitler glaube ich, dass heute viele kluge Köpfe direkt in die Wirtschaft gehen. In der Politik ist die Ausdünnung an Kompetenzen unmittelbar zu erkennen. Man kann in der Wirtschaft viel mehr bewirken, leichter Karriere machen und auch viel mehr Geld verdienen, wenn man gut ist. Auch muss man nicht ständig Mr. Saubermann sein. Ein Verhältnis mit einer 16-Jährigen wie beim CDU-Politiker von Boetticher wäre im Grunde reine Privatsache.In den letzten Jahren war ich auf mehreren wiss. Kongressen und Tagungen. Ich habe einige Projektbesprechungen bei der Deutschen Bank erlebt, die waren personell kein bisschen schlechter besetzt, um mich mal vorsichtig auszudrücken.

    • Klaus Rohde

      Ja, ich habe meine erste Liebeserklärung auf französisch gemacht: “je t’aime” oder so ähnlich (wie man sieht, ich kann mich nicht genau erinnern und so würde es heute nicht mehr klappen).Der Prozess lässt sich wahrscheinlich nicht aufhalten. Welcher Prozess? Die Aufnahme englischer Worte ins Deutsche? Das ist möglich und regt mich auch nicht besonders auf. Schon Schopenhauer argumentierte gegen die Puristen (und das war in der ersten Hälfte des neunzehnten Jahrhunderts), dass er kein Problem darin sähe, Fremdwörter aufzunehmen, wenn es dafür keine deutsche Äquivalente gäbe. Heutzutage kann man vielleicht weiter gehen: wenn das die deutsche Sprache präziser und vielleicht ausdrücksreicher, also insgesamt reicher macht.Das das Englische zur Zeit die Wissenschaftssprache ist, ist ganz klar. Ich sage ja nicht, dass man das abstellen soll. Es ware völlig unrealistisch. Mein Sohn ist zur Zeit an der Universität Paderborn und arbeitet in der Gruppe um Christine Silberhorn an der Entwicklung eines optischen Quantumkomputers. Die Kommunikation ist fast ausschiesslich auf Englisch. Und bei grossen internationalen Konzernen und Banken ist das wahrscheinlich ähnlich. Eine solche Kommunikation ist allerdings selbst dann möglich, wenn das Englische nicht akzentfrei und nicht perfekt ist.In meinem Knol geht es fast ausschliesslich um das Deutsche als Unterrichtssprache. Es sollte auf jeden Fall vermieden werden, dass sich das Englische auch hier durchsetzt. Das wäre meiner Ansicht nach eine Katastrophe. Dass man in Deutschland dafür sozusagen prädestiniert an, scheint mir vor allem daran zu liegen, dass der Nationalstolz fehlt: Jahrzehnte der Hirnwäsche nach dem Krieg. Ausserdem immer noch der alte Obrigkeitsglaube, man hat den Kaiser durch Hitler, Hitler durch die Amis ersetzt. Die Herren Professoren sind allerdings immer die gleichen geblieben. Ein wirklich freier Mensch würde sich seiner Sprache nicht berauben lassen, weil es im Augenblick opportun erscheint und weil die wirtschafliche Lage (Globalisierung) das angeblich erfordert. Blanker Unsinn: welchen wirtschaftlichen Vorteil hat Deutschland denn dadurch, das man möglichst viele ausländische Studenten ins Land holt, die zum Teil auch noch vom Staat subventioniert werden? Vorteile beständen doch wohl nur dann, wenn sie deutsch lernen müssten, was dann nach ihrer Rückkehr ins eigene Land für Deutschland wirtschaftliche und kulturelle Vorteile brächte.Deutsch schwieriger als andere Sprachen? Ich hatte auf der Schule Russisch, Lateinisch, Englisch und Griechisch (und zwar in dieser Reihenfolge). Später habe ich mir dann selbst etwas Spanisch beigebracht. Ich besitze auch ein Russischlehrer-Diplom. Abgesehen von Lateinisch und Griechisch schien mir das Englische besonders schwierig zu sein, zumindest wenn man etwas tiefer in die Sprache eindringt. Bis heute fehlt mir zum Beispiel das Verständnis für Shakespeares Sonette. Auf deutsch abgefasste wissenschaftliche Arbeiten scheinen mir im allgemeinen zumindest nicht unklarer als auf englische geschriebene zu sein, obwohl man die deutsche Sprache vielleicht leichter zum vagen philosophischen, angeblich “tieferen” Geschwafel misbrauchen kann (siehe Teile von Hegel, Heidegger usw., obwohl die ja von vielen besonders geschätzt werden: vielleicht bin ich nur zu dumm). Sprachen sind nicht äquivalent, jede Sprache hat Eigenheiten, die sich in anderen Sprachen nur unvollkommen ausdrücken lassen, wenn überhaupt. Selbst die Wissenschaften würden auf lange Sicht an einem Rückgang der Sprachenvielfalt leiden, weil gewisse, auf Eigenheiten von Sprachen beruhende, Anregungen zu weiterführenden Untersuchungen ausbleiben würden. Ich habe immer vermutet, dass zum Beispiel die Tatsache, dass sich die Quantenmechanik in Deutschland entwickelte, unter anderem auch auf die deutsche philosophische Tradition (Kant, Schopenhauer) zurückzuführen ist, die ja eng mit der deutscher Sprache verbunden ist.Also mein Fazit: geschichtliche Prozesse sind zwar im Rückblick strikt deterministisch, nicht aber im “Vorausblick”. Die Zukunft liegt in der Hand der Jetzigen. Prozesse lassen sich aufhalten!

  2. Gerd Zeitler

    Sprachliches Dilemma und neoliberale Wirtschaftsdoktrin — Sie haben die wesentlichen Probleme angesprochen, zwei Aspekte möchte ich aber herausgreifen:Das Dilemma mit dem Englischen lässt sich derzeit nicht auflösen, weil Englisch inzwischen nicht nur die Lingua franca der Wissenschaft, sondern auch der globalisierten Geschäftswelt ist. Man muss in Englisch publizieren, um dann auch in Englisch zitiert zu werden, was übrigens in Deutschland um den Faktor 10 bis 20 höher bewertet wird als Zitate deutschsprachiger Veröffentlichungen. Global agierende Unternehmen wie Siemens wickeln 90 Prozent ihres internen und externen Schriftverkehrs in Englisch ab, und in internationalen Projektgruppen wird ausschließlich englisch gesprochen. Das Dilemma besteht also darin, einerseits die Muttersprache nicht zu vernachlässigen und andererseits genügend Gelegenheiten wahrzunehmen, um das Englische “wettbewerbsfähig” zu beherrschen. Sonst beschert man den englischen Muttersprachlern einen Wettbewerbsvorteil, den diese jederzeit schamlos ausnutzen. Ich vermute, dass sich in Europa auf lange Sicht eine Zweisprachigkeit mit Englisch als allgemeiner Zweitsprache durchsetzen wird, denn alle anderen europäischen Sprachen stehen vor demselben Dilemma. Nur so lässt sich vermutlich die sprachliche und kulturelle Vielfalt überhaupt erhalten, und die Zweisprachigkeit könnte auch der beste Schutz vor dümmlichen Anglizismen sein. Bezeichnend für die sich abzeichnende Entwicklung ist, dass sogar Merkel und Sarkozy miteinander englisch sprechen.Der zweite Aspekt ist die Abwanderung gut ausgebildeter Menschen. Da sind übrigens alle Berufe gleichermaßen betroffen. Die untragbaren Zustände an den deutschen Universitäten haben Sie ausführlich beschrieben, aber die Abwanderung hat darüber hinaus, auch bei den Wissenschaftlern, wirtschaftliche Gründe, weil als Folge des neoliberalen Wettbewerbs überall gespart werden muss, so dass zu wenige existenzsichernde Vollzeitstellen angeboten werden. Man versucht, das mit Bildungsinitiativen zu bekämpfen, aber mangelnde Bildung bzw. Ausbildung ist gar nicht das Kernproblem. Es bekommen zwar immer die Besten die Arbeitsplätze, insofern lohnt es sich für jeden persönlich, in Ausbildung zu investieren, aber die Anzahl der freien Stellen reicht niemals für alle. Viele gute Wissenschaftler wechseln übrigens in die heimische Industrie und bleiben so dem Land erhalten.Ich denke, eine wichtige Erkenntnis ist, dass auch die deutsche Wissenschaft, ungeachtet aller bestehenden Verkrustungen im universitären Bereich, von der neoliberalen Wirtschaftsdoktrin substantiell beeinflusst wird. Bildungsinitiativen werden erst in einer sozial und ökologisch ausgewogenen Wirtschaftsordnung und bei gegenseitig wohlstandsmehrendem internationalen Wettbewerb und Handel die erwünschte Wirkung entfalten.Siehe dazu auch: http://knol.google.com/k/sozialökologisches-wirtschaftslexikon#Zu den meist in schlechtem in Englisch gehaltenen Vorlesungen möchte ich noch anmerken, dass es sich dabei um stümperhafte Versuche handelt, die deutschen Studenten auf die globalisierte Arbeitswelt vorzubereiten und zugleich ausländische Studenten anzulocken. Letzteres misslingt eindrucksvoll, denn wer geht schon nach Deutschland, um sich schlechtes Englisch anzuhören; da sind wir gegenüber den angelsächsischen Ländern im Nachteil, was wiederum Beweis für unser sprachliches Dilemma ist.

    • Anonymous

      Verärgerung und Erheiterung. -Schön, daß jemand aus dem direkt betroffenen Personenkreis hierzu seine Meinung äußerte. Ich möchte nur allgemein etwas zu der Sprachverlumpung sagen, die heutzutage nicht einmal vor aufwendig gestalteten Firmenschildern haltmacht, wie die Bezeichnungen “Frisuren und mehr …”, ja sogar “Reste und mehr …” zeigen. Vor allem die Mode, auch winzige Läden, selbst wenn sie nur Grundnahrungsmittel anbieten, bereits im Firmenschild (erst recht bei den Produktnamen) mit fremdsprachigen Worten `aufwerten´ zu wollen, gibt Anlass zu (je nach Temperament und Tagesform) ärgerlichem oder fröhlichem Kopfschütteln. So bei jenem Laden, der Backwaren anbot und sich mit dem albernen, falschen und zweideutigen Namen `Backcorner´ schmückte, ein Laden, der weder in irgendeinem Sinn hinten noch an einer Ecke lag und bald wieder schließen musste, wohl weil ihn so kein ausländischer Tourist gefunden hatte? In einer anderen `modernen´ Bäckerei mit sogenanntem Café innerhalb des Verkaufsraums ist mir vor kurzem der Geduldsfaden gerissen, da die Speise- und Getränkekarte fast nur noch aus englischen (Doughnut, Bagel, Muffin, Sandwich usw.) französischen (Meringue, Croissant, Baguette usw.) und italienischen (Cappuccino, Caffé latte, Caffé macchiato usw.) Bezeichnungen bestand, von denen die allermeisten nicht einmal korrekt geschrieben waren. Im Zeitalter des Internets kann sich der Unwissende blitzschnell sachkundig machen – aber wozu? Der Kunde wird schon ahnen, was gemeint ist – siehe `Backcorner.´ Läden und Produkte mit fremd klingenden Namen, die meistens nicht richtig ausgesprochen oder gar verstanden werden, erzielen für ihre (gar nicht so selten zweitklassige Ware) einen höheren Preis. Wer ist also zu tadeln, die klugen Verkäufer oder die dummen Kunden? Wenn der Verkäufer jedoch selbst nicht weiß, was seine Sprachspielereien bedeuten, siehe Backcorner, dann wird es oft lustig. So auch neulich bei einem Modegeschäft, dessen Schaufenster mit klangvollen französischen Worten und dann zur Schlussverkaufszeit zusätzlich mit dem englischen Wort “Sales” beklebt war; ein deutsches kam ja nicht in Frage. Also stand direkt neben oder unter Vêtements in großen Buchstaben Sales. Nun, hier hat wohl der biblische Joshua, der mit schmutziger Kleidung vor dem Engel stand, seine Kleider gekauft, denn Vêtements sales bedeutet exakt das auf Französisch. Auf Englisch hätten es aber hier mehr potentielle Käufer verstanden: Filthy clothes! (Josef Alvermann, Baden-Baden)

    • Klaus Rohde

      Herr ZeitlerHierzu auch mein Kommentar oben zu “Bin nicht sicher, ob man den Prozess aufhalten kann”.

    • Gerd Zeitler

      Die Bildung des deutschen Sprach- und Volksbewusstseins hat laut germanistischer Forschung vermutlich im 7. Jahrhundert stattgefunden. Wenn man die Entwicklung über die Jahrhunderte verfolgt, dann wird deutlich, wie lebendig die deutsche Sprache und wie groß der Einfluss anderer Verkehrssprachen immer war, anfangs des Lateinischen, später des Französischen und heutzutage des Englischen. Das Englische selbst ist ja über die Jahrhunderte noch mehr “gebeutelt” worden als das Deutsche, und Englisch ist auch heute noch die Sprache mit dem größten Absorptionsvermögen und dem größten und am schnellsten wachsenden Wortschatz, ohne dass die Muttersprachler sich überfremdet fühlen. Was wir als Deutsche heute erleben, scheint eine normale Entwicklung zu sein, die dafür sorgt, dass wir mit unserer Sprache sozusagen (global) auf dem Laufenden bleiben. Ich denke, der Duden ist nicht unschuldig daran, dass wir meinen, unsere Sprache müsste zementiert werden und “rein” bleiben. Trotzdem sind die dümmlichen Anglizismen, derer sich viele Wichtigtuer bedienen, eine dauerndes Ärgernis.

    • Klaus Rohde

      Ja, danke, so sehe ich das auch. Das die “germanischen” Sprachen grösseres Absorptionsvermögen entwickelt haben, liegt wohl auch besonders daran, dass sie absorbieren mussten, aus Sprachen die im Altertum kulturell fortgeschrittener waren, d..h. dem Lateinischen oder Griechischen, z.T. über das Französische.

  3. Klaus Rohde

    Knol am Ende — Herr ZeitlerDies dürfte Sie interessieren (und mich würde interessieren, wie Sie Ihre Knols sichern wollen; mir fehlt das IT-Wissen:”Yes it is true. Knol is closing. Here is the press release that explains what will happen:”From now through April 30th, 2012, Knol will work as usual, but we’ve made it easy for you to download your knols to file and/or export them to WordPress.com. From May 1, 2012 through October 1, 2012, knols will no longer be viewable, but can be downloaded and exported. After that time, Knol content will no longer be accessible.”So we have a little time to work out the best strategy for platform migration. We may need to do some ‘trial and error’ before we discover the best ones to follow.In answer to your questions:Do you think this means that knols already published will disappear, or does it mean that new knols cannot be published and no modifications and comments for old knols can be made?My read of the announcement is that Knols will no longer be viewable to the public after the 30 April 2012. As the author you can still access them up until the 30 Oct 2012 but after that they will be wiped from Knol and not accessable to anyone.In the first case, what is the best way to protect oneself?Much of your Knols will migrate easily to the new peer-reviewed platform of Annotum so you may wish to follow the links offered on the Knol platform to have your work transfered there. Annotum is designed to seemlessly intergrate the Knol features so you should not have to do much edit work. Google is also offering an option of saving all your work to files. This would be a good option to take as well.I have pdf’s of all my knols but am not sure whether they could be imported into a new blog, for instance. I also have html’s of some of my knols, but when I tried to make new ones, it did not work. How does one save html’s of knols?These are questions I will need to answer for myself. I will do some work and share with you the answers when I have figured it out. We will create a collaborative Knol where advice can be given to everyone on these issues.Regards. Peter”

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