Sarrazin und die Folgen

· Ökonomie
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Thilo Sarrazin 2009.

REAKTIONEN

“Hasspredigt”, “Buch der Niedertracht”, Rausschmiss aus dem Vorstand der Bundesbank, Ausschlussverfahren aus der SPD

Das Buch von Thilo Sarrazin [1], dem ehemaligen Finanzsenator von Berlin und Mitglied des Bundesbank-Vorstandes, ist zum erfolgreichsten Sachbuch-Bestseller nach dem Kriege geworden, mit über 1,2 Millionen verkauften Exemplaren. Die Reaktionen von Politikern waren fast durchgehend ablehnend, in den Medien waren sie gemischt. Einige Beispiele: Bundeskanzlerin Angela Merkel nannte das Buch “nicht hilfreich”, obwohl sie es nicht gelesen hatte und öffentlicht feststellte, dass sie auch nicht vorhabe, es zu lesen. Sarrazin wurde aus dem Vorstand der Bundesbank entlassen, mit tatkräftiger Unterstützung durch den Bundespräsidenten Christian Wulff. Sigmar Gabriel, der Vorsitzende des SPD, begann ein Ausschlussverfahren Sarrazins aus der SPD, Roland Koch, der ehemalige hessische Ministerpräsident, äusserte sich ablehnend, usw. usw.

Im Stern hiess es (Auszüge)

“Eigentlich sorgen Frauen dafür, dass Bücher zu Bestsellern werden. Bei Thilo Sarrazins Hasspredigt “Deutschland schafft sich ab” ist das anders. 62 Prozent der Käufer sind männlich. Da einige Frauen das Buch zudem für ihre Männer erwerben, wird die Geschlechterverteilung noch klarer: Sieben von zehn Sarrazin-Buchbesitzern sind Männer.”…..“Doch wie ticken die 1,2 Millionen Deutschen, die sich das Buch mit den steilen Thesen zu dummen Moslems und gebärwilligen Unterschichtlern nach Hause holen und ins Regal stellen” “Der Befund also: Sarrazin-Anhänger sind vorsichtige, eher ältere Männer, die Wert auf beruflichen Erfolg legen, am liebsten zu Hause sind und dort “Ohnsorg-Theater” schauen. Was lehrt uns das? Jeder kriegt das Publikum, das er verdient.

Ebenfalls aus dem Stern:

“Der nach seinen provokativen Thesen zur Integration von Ausländern aus dem Vorstand der Bundesbank ausgeschiedene Thilo Sarrazin hat zum Jahresende mit seinen Kritikern abgerechnet. In einem Beitrag für die “Frankfurter Allgemeine Zeitung” schrieb er vom “Hass aus der politischen Klasse und einem Teil der Medien” ihm gegenüber. In der Politik und vielen Medien sei sein Buch “feindlich” aufgenommen worden. Sarrazin konstatierte eine “beispiellose Medienkampagne” mit “verleumderischen Zügen”. Er selbst erfahre fast nur Zustimmung für sein Buch. ….”99 Prozent aller für mich wahrnehmbaren Reaktionen sind positiv.”……”An die Stelle des Scheiterhaufens trat nach ihrer Planung die Verbannung aus der Bundesbank, dazu forderte sie Präsident [Axel] Weber öffentlich auf. Der frisch gewählte Bundespräsident [Christian Wulff] stolperte eilfertig hinterher und bot seine Hilfe bei meiner Entlassung an, ohne vorher den Rechtsrat seiner Beamten einzuholen.”

Der führende Politiker des Bündnis90/Die Grünen Tarek Al-Wazir nennt das Buch “rassistischen Unsinn”.

Ein Artikel von Jakob Augstein, der einen Grossteil (24%) der Anteile des Spiegel-Verlages für sich und seine Familie verwaltet, nennt das Buch ein “Buch der Niedertracht” (hier) und vergleicht es mit einem Bestseller in Frankreich über den Holocaust: “In Frankreich wühlt ein Buch die Nation auf – es ruft zum Kampf gegen Ungerechtigkeit und Menschenfeindlichkeit auf. In Deutschland wird ein Buch der Niedertracht zum Bestseller. Das ist beschämend.”

Die Frankfurter Rundschau berichtet über die Antrittsvorlesung von Margot Käßmann, der ehemaligen EKD-Ratsvorsitzenden, an der Ruhruniversität Bochum (siehe hier). Sie “nahm sich die Thesen Thilo Sarrazins vor” ohne ihn namentlich jedoch zu nennen, und sprach sich für Offenheit (schon immer von der christlichen Kirche befürwortet) und eine multikulturelle Gesellschaft aus. Unter anderem bezog sie sich auf ihre mehrmonatigen Erfahrungen in den Vereinigten Staaten, wo man den Erfolg der Einwanderungen ja sehen könne (der volle Text Ihrer Vorlesung hier [2]).

In einem Interview mit der Bild-Zeitung sagte Sigmar Gabriel, der Vorsitzende der SPD, dass er zwar vieles in seinem Buch richtig findet, aber es könne nicht akzeptiert werden, dass er zurück zur staatlich gelenkten Vererbungspolitik zu Anfang des 20. Jahrhunderts wolle; er bezieht sich auf Euthanisie-Massnahmen in Schweden und auf Ausschwitz.Sarrazin versteigt sich ja sogar dazu, die Menschen in der Uckermark schlechter zu bewerten als die in Schwaben.” Positive StellungnahmenJoachim Glauck, der die Wahl zum Bundespräsidenten nur knapp gegen Wulff verlor, erklärte, dass Thilo Sarrazin Mut besessen habe und die politische Klasse könne aus dem Erfolg von Sarrazins Buch lernen. Klaus von Donayani, ehemaliger Bundesminister und Bürgermeister von Hamburg, ein SPD-Mitglied, übernahm Sarrazins Verteidigung beim Ausschlussverfahren aus der SPD. Im Spiegel trat der mehrfach ausgezeichnete Journalist Matthias Matussek, ein praktizierender Katholik, in starken Tönen für Sarrazin ein. Voller Artikel hier. Auszüge:

“Wegen seiner polemischen Muslim-Schelte steht Thilo Sarrazin am Pranger, aber eines begreifen seine Kritiker offenbar nicht. Der Provokateur verkörpert etwas, das sich nicht ausgrenzen lässt: die Wut von Leuten, die es satt haben, für ihre Integrationsangebote beschimpft zu werden.”…… “Nichts ist mehr wie es war. Es ist die Saison des Volkszorns, längst wächst der Fall Sarrazin über Sarrazin hinaus. Er ist viel größer als der Mann oder das Buch.” ……”Klaus von Dohnanyi, der Sarrazin vor den SPD-Gremien zu verteidigen gedenkt, wies in der ‘SZ’ darauf hin, wie in Deutschland vor dem Hintergrund der Holocaust-Vergangenheit eine Kultur der Gesinnungsverdächtigung blüht, kaum nimmt einer die Worte ‘Gen’ und ‘Jude’ in den Mund.”……..”Der Beistand für Sarrazin beweist es. Die Deutschen lernen dazu. Vielleicht kommen sogar die Redaktionen des Landes eines Tages dahin, wo die britischen Kollegen längst sind: wie man frei und ohne Scheuklappen und Sprachregelungen Debatten führt.”

Beistand von den Deutschen wird auch dadurch klar, dass 26% der Wähler auf Anhieb eine Sarrazin-Partei wählen würde.

Mein persönlicher Eindruck nach Durchsicht verschiedener im Web veröffentlichter Artikel mit Kommentaren ist, dass die überwiegende Mehrheit der Kommentatoren sich positiv zu Sarrazin äusserten.

Falsche Statistiken und Zitierungen? In der Presse verbreitet wurde die Mitteilung, dass die von Sarrazin verwendeten Statistiken nicht einwandfrei seien (Cicero: Von Äpfeln und Birnen: Wissenschaftler entzaubern Tabubrecher Sarrazin). Auszug:”Eine Berliner Forschergruppe um die Wissenschaftlerin Naika Foroutan widerlegt in einer aktuellen Studie die umstrittenen Thesen Thilo Sarrazins. Die kritische Bestandsaufnahme der Sarrazin-Thesen macht deutlich, wie einseitig und wenig objektiv dieser scheinbar neutrale statistische Daten interpretiert hat.”Unter anderem sei die Zahl der Kopftuchtägerinnen bei Türkischstämmigen in der zweiten im Vergleich zur ersten Generation in Deutschland nicht, wie von Sarrazin behauptet, angestiegen sondern signifikant gesunken. Dr. Naika Foroutan stammt aus dem Iran und ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Sozialwissenschaften, Humbold-Universität Berlin.

Gunnar Heinsohn zeigte jedoch, dass nicht Sarrazin, sondern Foroutan Statistiken falsch interpretiert hat.”Als Expertin für den Bildungsaufstieg der türkischen Migranten wird gerade Naika Foroutan herumgereicht. Doch die beeindruckenden Erfolge, von denen sie berichtet, dokumentieren eine Irreführung mittels Statistik.”

Professor Heinsohn ist ein renommierter Soziologe und Ökonom an der Universität Bremen.

In einem Artikel der FAZ wird Sarrazin vorgeworfen, dass er ein Goethe-Zitat aus dem West-Östlichen Divan verstümmelt wiedergegeben habe und sich damit als Wissenschaftler “desavouiert” habe. Goethe habe Mohammed nämlich als “prophetisch-religiöses Genie” angesehen. “So sagt Goethe in seinen „Noten und Abhandlungen zum besseren Verständnis des west-östlichen Divan“ keineswegs nur, wie Sarrazin anführt, „Der Stil des Koran ist seinem Inhalt und Zweck gemäß streng, groß, furchtbar“, sondern setzt den Satz fort, nach „furchtbar“ ein Komma einfügend, „stellenweise wahrhaft erhaben“.”

Die wichtigste mir bekannte Kritik Sarrazins stammt von Professor Volker Eichener, Bochum [3], der auf verschiedene angeblich gravierende Fehler in Sarrazins Buch hinweist. Seine Kritik bezieht sich vor allem auf Sarrazins Überbewertung der Erblichkeit der Intelligenz. Diese Überbewertung sei eine Folge der bewusst falschen Interpretation des Korrelationskoeffizienten in von ihm zitierten Arbeiten. Eichener führt die Beobachtung, dass Kinder gewisser Einwanderer (Türken, Afrikaner) schlechter abschneiden als deutsche Kinder, auf mangelhafte Sprachkenntnis, das Milieu und das deutsche Schulsystem zurück, und nicht auf vererbte Unterschiede. Er führt auch aus, dass sich die Reproduktionsrate türkischer Einwanderer allmählich jener der Deutschen anpasst, dass also Sarrazin die sogenannte Gefahr hier dramatisch überschätzt. Weiter behauptet er, dass die angeblich höhere Intelligenz der Juden (eine “klassische antisemitische” Behauptung, wie er sagt, die zur Judenverfolgung unter den Nazis führte) empirisch nicht gestützt sei. Jedoch, Eichener scheint in genau den Fehler zu verfallen, den er Sarrazin vorwirft, nämlich unsachlich mit unzureichend gesicherten Quellen zu argumentieren. So gibt es durchaus Hinweise darauf, dass amerikanische Juden in mathematischen und verbalen Tests besser abschneiden als andere Weisse (siehe hier), und die Kritik durch Lewontin an einer Arbeit von Murray und Herrnstein (von Eichener als eine nicht akzeptable von Sarrazin benutzte Quelle angeführt) wurde von anderen als nicht begründet abgewiesen (siehe hier). Es gibt weitere Kritiker von Murray und Herrnstein, und es gibt Verteidiger. Da ich nicht Intelligenzforscher bin, muss ich ein endgültiges Urteil darüber, ob die Quelle tatsächlich nicht akzeptabel ist, zurückstellen. Insgesamt scheint mir die Diskussion in der Literatur anzudeuten, dass “Experten” oft mehr von ideologischen Vorurteilen, welcher Seite auch immer, geprägt sind als von objektiver Bestandsaufnahme, dass aber ein ernsthafter Zweifel an einer entscheidenden Bedeutung (ob nun 40 oder 80″%” des IQ) genetischer Faktoren an der Ausbildung der Intelligenz nicht möglich ist. In verschiedenen wissenschaftlichen Untersuchungen wurde der Anteil der “Heritabilität” (Proportion des Beitrages genetischer Faktoren zur Intelligenz) auf 0.5-0.9 geschätzt, wo 0 = keine genetische Komponente, 1 = alles durch Gene bestimmt (Durchschnitt etwa 0.75 oder höher), (obwohl nicht auszuschliessen ist, dass einige dieser Arbeiten unzureichende Methodik und fragwürdige statistische Interpretationen benutzten, und es fraglich ist, ob Prozent-Angaben überhaupt sinnvoll sind). Dies stimmt so ungefähr mit den von Sarrazin benutzten Angaben überein. Unterschiede zwischen Populationen und Schichten sollten nicht a priori ausgeschlossen werden, doch ist die Zahl qualitativ hochwertiger Untersuchungen, die solche Unterschiede in gewissen Fällen feststellten, klein und die Folgerungen sind nicht generell akzeptiert. Eichener führt als Hinweis darauf, dass genetische Unterschiede in der Intelligenz zwischen Schwarzen und Weissen nicht genetisch sein können, das Beispiel einer Untersuchung an Kindern mit schwarzen und weissen Vätern und weissen Müttern in Deutschland nach dem 2. Weltkrieg an: Unterschiede in der Intelligenz wurden nicht gefunden. Er erwähnt auch ein weiteres Beispiel aus den USA. Allerdings gibt es andere amerikanische Untersuchungen, nicht von ihm berücksichtigt, die Unterschiede nachgewiesen haben wollen. Wie auch immer, auf keinen Fall aber sollten solche Unterschiede verallgemeinert und rassistisch misbraucht werden. In Deutschland scheint die Diskussion weitgehend durch die nicht verdaute Nazizeit geprägt zu sein, ähnlich wie die Diskussion über die “Moralität” der Stammzellforschung. So erklärt sich vielleicht die Schlussfolgerung Eicheners: “Sarrazins Vorstellung von einem idealen Deutschland ……..: Ein totalitäres System, das Menschen mit ihren Erbanlagen so züchtet, wie dies Hunde- und Pferdezüchter tun. Das nennt sich „Eugenik“ – der Erfinder dieses Begriffs, Francis Galton, wird von Sarrazin hoch gelobt (S. 92f.) – oder auf deutsch „Rassenhygiene“ und diente zur Zeit des Nationalsozialismus zur Rechtfertigung von Zwangssterilisierungen, Euthanasie und Völkermord.” Man fragt sich, ob das vielleicht die Quelle von Sigmar Gabriels Reaktion ist.

Thilo Sarrazin benutzt umfangreiche quantitative Angaben, um seine “Thesen” zu untermauern. Es ist wohl nicht auszuschliessen, dass sich in ein Buch derartigen Umfangs gelegentlich Irrtümer einschleichen können, doch überzeugt seine Argumentation dadurch, dass sie auf sich gegenseitig stützenden Angaben aus verschiedensten Quellen beruht. Es scheint mir unwahrscheinlich, dass – wie von Eichener behauptet – Sarrazin seine Angaben bewusst verfälscht hat, um die Leserschaft irrezuführen. Eicheners Kritik muss daher meiner Meinung nach zumindest in einigen Punkten abgelehnt werden (siehe oben). Es ist sicherlich relevant, dass in einer kürzlichen Erhebung in NRW festgestellt wurde, dass die Zahl von Muslimen nicht, wie erwartet, 1 Million war, sondern 1,3-1,5 Millionen, und etwa ein Drittel leben von staatlicher Unterstützung (siehe hier), d.h. sogar mehr als von Sarrazin angegeben (Seite 63: 18% Türkischstämmiger leben von Transferleistungen). In anderen Worten, Sarrazin hat zumindest in diesem entscheidenden Punkt seine Daten keineswegs im Sinne einer Überschätzung manipuliert. Ferner, mein Eindruck ist, dass Sarrazin nicht so sehr vererbte Unterschiede als vielmehr den kulturellen und vor allem religiösen Hintergrund der Einwanderer für die mangelhafte Eingliederung verantwortlich macht, obwohl seine Äusserungen hierüber manchmal widersprüchlich sind. Zum Beipiel weist er ausdrücklich darauf hin, dass “Nicht eine ‘Unterschichtung’, d.h. eine negative Auslese von Einwanderen aus den unteren Schichten, sondern der Islam” verantwortlich sei (Seite 292)”, und in seinem Vorwort zu dem Buch schreibt er: “An keiner Stelle des Buches behaupte ich, bestimmte ethnische Gruppen seien genetisch bedingt “dümmer” als andere”. Warum hat sich Eichener nicht auch auf diese Stellen bezogen?

DAS BUCH

Die widersprüchlichen Kommentare in den Medien, die sich häufig auf aus dem Rahmen gerissene kurze Zitate beziehen, legen nahe, dass die meisten das Buch entweder garnicht oder nur ausschnittsweise gelesen haben, in Nachfolge von Angela Merkel, die sich eine Meinung über ein Buch anmaßte, dass sie weder gelesen hatte noch lesen will. Was steht also wirklich im Buch? Ich konzentriere mich vor allem auf die Aspekte, die die schärfste Kritik in den Medien provoziert haben, nämlich die Rolle der Immigration vor allem von Muslimen, und die Rolle der Intelligenz.

Nationalstolz

Zu Anfang des Buches schreibt Sarrazin, dass der “Grundoptimismus der Deutschen – auch wenn sie gerne jammern, bisher nicht nachhaltig beeinträchtigt” worden ist. “Dieser Grundoptimismus und die Jahrzehnte des fast ungetrübten Erfolges haben aber die Sehschärfe der Deutschen getrübt für die Gefährdungen und Fäulnissprozesse im Innern der Gesellschaft”. Jedoch, unter anderem war es tabu, daüber zu reden, dass der Einzelne und nicht die Gesellschaft für sein Verhalten verantwortlich ist. Und er weist auf den geringen Nationalstolz der Deutschen hin (Seite 18):

“Nur wenn es um Deutschland geht, haben viele eine Schere im Kopf:

-Heimatverbunden? Aber gerne! – Lokalpatriot? Natürlich! – Europäer? Sowieso! – Weltbürger? Klar doch, das gehört sich so! – Deutscher? Nur bei der Fussballweltmeisterschaft, sonst eher peinlich!” (siehe auch hier).

Doch ein: “wirtschaftlich vereintes und aussenpolitisch handlungsfähiges Europa wird auch in 100 Jahren noch aus Nationalstaaten bestehen.”

Nettoreproduktionsrate, Islam

Dann, untermauert durch zahlreiche statistische Angaben aus den Bereichen der Demografie, Wirtschaft, Politik und Pädagogik, zeigt er folgendes:

Die Nettoreproduktionsrate (Zahl der Töchter pro Frau; eine NRR von eins heisst, jede Generation von Müttern hat so viele Töchter dass sie sich selbst in der Population ersetzt) in Deutschland ist laufend niedriger geworden, und zwar bei den besser gebildeten Ständen mehr als bei den weniger gut gebildeten. So hatten 26% der 40-75 Jahre alten Frauen mit hoher Bildung, 16% der Frauen mittlerer Bildung, und 11% der Frauen niedriger Bildung keine Kinder (Seite 90, Mikrozensus 2008). Einwanderer aus den muslimischen Ländern, von denen Türken in Deutschland bei weitem die Mehrheit darstellen, haben dagegen hohe Reproduktionsraten. Sie wurden nach Deutschland gezogen vor allem deswegen, weil die durch den Staat garantierte Grundsicherung selbst der Arbeitslosen ihnen hier ein weit besseres Leben garantiert als bezahlte Arbeit in ihren Ursprungsländern. Anreiz zur Arbeitssuche ist auch deshalb nicht gross, weil der Unterschied zwischen Grundsicherung und niedrigen Löhnen in Deutschland gering ist. 8% der Einheimischen, doch 16% aus der Türkei Stammenden leben ausschliesslich von staatlichen Transferleistungen (Seite 63), ohne irgendwelche Gegenleistungen. “Relativ zur Erwerbsbevölkerung leben bei den muslimische Migranten viermal so viel Menschen von Arbeitslosengeld und Hartz IV wie bei der deutschen Bevölkerung..” (Seite 282), und auch bei der zweiten und dritten Generation zeigt sich eine besorgniserregend mangelhafte Beteiligung am Arbeitsmarkt. Dies liegt durchaus nicht immer am Fehlen von Arbeitsmöglichkeiten, Sarrazin zitiert den Leiter der Gelsenkirchener Arbeitsvermittlung: ” Wenn Sie Arbeit wollen, dann finden Sie hier in 15 Minuten einen Job” (Seite 175). Solche Einwanderer sind auch schwer zu integrieren. Sie leben oft in abgekapselten Gemeinschaften, deutsche Sprachkenntnisse sind schlecht, und die Schulabschlussqoten und Zahl der Abiturienten und Universitätsstudenten sind bedeutend geringer als bei eingeborenen Deutschen. Hand in Hand damit geht eine hohe Rate von Kriminalität. (Als mögliche Abhilfen erwähnt Sarrazin eine Übernahme des amerikanischen “workfare”-Programms, in dem alle erwerbsfähigen Empfänger von Grundsicherung zu einer Gegenleistung durch Arbeit verpflichtet würden, und eine Reihe von Massnahmen zur Kita- und Schulreform). Nicht eine “Unterschichtung”, d.h. eine negative Auslese von Einwanderen aus den unteren Schichten, sondern der Islam sei verantwortlich (Seite 292). “…. Allerdings weist er später (Seite 316) auf die Inzucht in bestimmten türkischen Clans mit vielen dadurch verursachten Behinderungen hin, und auf Seite 93 schreibt er: “…belegt ist auch, dass zwischen Schichtzugehörigkeit und Intelligenzleistung ein recht enger Zusammenhang besteht. Unter seriösen Wissenschaftlern besteht heute zudem kein Zweifel mehr, dass die menschliche Intelligenz zu 50-80% erblich ist”. – “Nur drei Prozent der jungen Männer und acht Prozent der jungen Frauen mit türkischem Migrationshintergrund heiraten einen deutsche Partner, bei den Russlandsdeutschen sind es dagegen 67 Prozent” (Seite 294). Im Unterschied zu Italienern, Spaniern oder Polen geht kaum einer von den muslimischen Migranten ins Heimatland zurück (Seite 296). —- All dies wird zur Folge haben, dass in der nicht zu fernen Zukunft Deutsche in ihrem Land eine Minderheit darstellen werden. Das kann zu einem “Kulturbruch” führen, d.h. dem Untergang einer 1000 Jahre alten Kultur, und zwar relativ schnell, im Laufe weniger Generationen.

Sarrazin führt aus, dass der Islam zumindest teilweise für den geringen Integrationswillen verantwortlich ist. Aussiedler aus der ehemaligen Sowjetunion, Einwanderer aus Osteuropa und Südeuropa sind bedeutend erfolgreicher, vergleichbar mit und manchmal sogar besser als eingeborene Deutsche. Hinduistische Inder werden in verschiedenen Ländern auch leichter integriert als muslimische Pakistanis. Und, am Beispiel der USA, hispanische Einwanderer stellen eine Bereicherung der amerikanischen Kultur dar, weil sie sich leicht integrieren, was man von vielen türkischstämmigen Deutschen nicht sagen kann. Dies auch deshalb, weil selbst in den Generationen nach der Einwanderung die Anpassung stark hinterher hinkt. Der türkische Ministerpräsident Erdogan habe Türken in Deutschland sogar dazu aufgefordert, sich nicht assimilieren zu lassen (Seite 311). Der Islam, meint Sarrazin, hat nicht wie das Christentum eine Phase der Säkularisierung durchlaufen, d.h. er ist weitgehend fundamentalistisch und versucht seinen Anspruch als alleingültige Religion durchzusetzen. “Der Koran habe ‘einen absoluten Wahrheitsanspruch'”. Daher ist es im Islam eine Sünde, zum Christentum zu konvertieren (Apostasie), und wird im allgemeinen schwer bestraft. In der Türkei, zum Beispiel, gab es vor dem Ersten Weltkrieg noch 25% Christen, heute weniger als 0.2 %, als Folge des Genozids an 1.5 Millionen Armeniern und hunderttausenden von Assyrern während, und der Vertreibung von 1,5 Millionen griechisch-orthodoxer Gläubigen nach dem Ersten Weltkrieg. Alteingesessenen christlichen Gemeinschaften wird der Bau neuer Kirchen untersagt. Und: “So dürfen die Ungläubigen bei Bedarf getäuscht und belogen werden” (Seite 272). Frauen sind nicht gleichberechtigt, und die im Westen oft geübte Unterscheidung von Islam (gut) und Islamismus (schlecht) sei falsch, zumindest wenn man dem türkischen Ministerpräsidenten Erdogan glaubt, nach dem eine solche Unterscheidung eine “Beleidigung des Islams” sei. “In Deutschland arbeiten ein Heer von Integrationsbeauftragten, Islamforschern, Soziologen, Politologen, Verbandsvertretern und eine Schar von naiven Politikern Hand in Hand und intensiv an Verharmlosung, Selbsttäuschung und Problemleugnung” (Seite 279).- Wichtig (Seite 256): “Die Aufhebung von Innengrenzen in staatlichen Organisationen hatte immer die Abgrenzung nach aussen zur Voraussetzung”, was Sicherung der Aussengrenzen und damit die Steuerung der Zuwanderung einschliesst. “In deutschen Medien wird dies oft ausgeblendet, Zuwanderungsfragen werden dort oft mit mahnend erhobenen Zeigefinger behandelt…” gemäss einer Attitüde die dem Sprüchlein folgt “Piep, piep, piep, wir haben uns alle lieb” (Seite 257). – Es sei falsch, wenn Muslime behaupten, sie sollten ihre muslimische Identität aufgeben. “Es reicht aus, dass Muslime unsere Gesetzte beachten, ihre Frauen nicht unterdrücken, Zwangsheiraten abschaffen, ihre Jugendlichen an Gewalttätigkeiten hindern und für ihren Lebensunterhalt selbst aufkommen” (Seiten 291-292).

Sarrazin bezieht sich auf die “linke” Frankfurter Schule, der es um den sozialen Zusammenhang geht, in dem als “Ergebnis einer kooperativen Beziehung…..die Selbstverwirklichung eines jeden von der reziproken Wertschätzung aller anderen abhängig” gemacht wird, und dass dies dem Hartz-IV-Empfänger fehlt, weil ihm der Leistungsaustausch fehlt (Seite 169). In anderen Worten, wichtig ist die durch Arbeit erworbene Selbstachtung. Hiermit zusammen hängt auch, dass völlig von staatlicher Unterstützung abhängige Einwanderer im allgemeinen nicht etwa dankbar sind, sondern oft Ressentiments bis zur “Deutschfeindlichkeit” zeigen. Einwanderer in den USA können eine der deutschen Grundsicherung entsprechende Unterstützung nicht erwarten, sind generell aber trotzdem (oder vielmehr gerade deswegen) zufriedener.

Ausbildung in Deutschland, Intelligenz

Sarrazin weisst auf die schon jetzt Besorgnis erregende Entwicklung in der deutschen Ausbildung hin. Soziologen, Psychologen, usw. usw. tragen zwar zur allgemeinen Bildung bei, sind aber für den wissenschaftlichen/wirtschaftlichen/technischen Fortschritt praktisch irrelevant. Doch schon jetzt (2006) haben nur 5,8% deutscher Hochschulabsolventen eines Altersjahrgangs ein MINT-Studium, im OECD-Vergleich 7,8% (MINT=Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften, Technik). Beste deutsche Hochschule ist die TU München auf Platz 55 (14 amerikanische, 7 britische und 1 chinesische Uni auf den ersten 30 Plätzen). Und diese Entwicklung wird verschlimmert durch die kümmerlichen Beiträge eines Grossteils der Immigranten, d.h. vor allem muslimischer Immigranten.

Auf Seiten 213 ff. bespricht Sarrazin (in Bezug auf einige Autoren) die Frage was die Pisa-Tests messen. Man hat eine hohe Korrelation zwischen Ergebnissen für Lesen, Mathematik und Naturwissenschaften, sowie auch der gemessenen Intelligenz nachgewiesen. Ferner wurden eine hohe Korrelation zwischen den durchschnittlichern IQs verschiedener Staaten und den OECD-weit gemessenen Pisa-Ergebnissen dieser Staaten festgestellt. Sarrazin behauptet nicht, dass Pisa-Ergebnisse ein Resultat unterschiedlicher Intelligenzniveaus sind, sondern lässt die Frage offen, ob die unterschiedliche Unterrichtsqualität verantwortlich ist. Auf Seite 351 schreibt er ganz eindeutig: “Richtig ist, dass über der Erblichkeit geistiger Potentiale die kolossale Bildsamkeit des menschlichen Geistes nicht vernachlässigt werden darf”. Er bezieht sich auf verschiedene Studien, die eindeutig gezeigt haben, dass “höhere Bildungsausgaben von ganz alleine” das Ergebnis nicht verbessern. Im Gegenteil, in Deutschland sind Länder wie Berlin mit hohen Bildungsausgaben und relativ wenig Schülern per Lehrer weniger erfolgreich als zum Beispiel die süddeutschen Länder. Auch international lässt sich das zeigen. Es komme nicht auf die Struktur des Bildungssystems an, sondern die Qualität. – Es lässt sich auch zeigen, dass Frauen und Männer unterschiedliche “Neigungen” haben, erstere ziehen Sprache und Kulturwissenschaften, letztere Mathematik und Naturwissenschaften vor (Seite 225). Sarrazin befasst sich eingehend mit Massnahmen für eine Änderung des Erziehungssystems, worauf ich hier nicht eingehe. Er bespricht auch die Durchlässigkeit (soziale Mobilität) zwischen verschiedenenen Gesellschaftsschichten in Deutschland und die Folgen für die Intelligenz dieser Schichten. Insgesamt aber, “Der Bildungspolitik bleibt nichts anderes übrig, als die Struktur der Geburten in Deutschland so zu nehmen, wie sie ist, und das Beste daraus zu machen” (Seite 246).

Was soll man machen?

Sarrazin bezieht sich wiederholt auf die türkischstämmige Necla Kelek, die die linken und liberalen Multikultis kritisiert und folgendes sagt “Solange die deutsche Gesellschaft sich diesen – ihren eigenen – Identitätskern nicht wirklich bewusst macht und ihn nicht offensiv zu verteidigen bereit ist, wird die Integration nicht gelingen können” ….”ich habe allerdings Zweifel, ob die Mehrheit der in Deutschland lebenden Türken die Integration wirklich will…” (Seite 306).

Sarrazin: “Es ist das Recht eines jeden Staates beziehungsweise einer jeden Gesellschaft, selbst zu entscheiden, wen sie in ihr Staatsgebiet beziehungsweise in ihre Gesellschaft aufnehmen wollen”….”Für mich ist es wichtig, dass Europa seine kulturelle Identität als europäisches Abendland und Deutschland seine als Land mit deutscher Sprache wahrt …. mit deutscher Tradition” … “Dieses Europa der Vaterländer ist säkular, demokratisch und achtet die Menschenrechte” (Seite 308).

Selbst der Grossmufti von Bosnien-Herzegowina sagt “An erster Stelle muss man die Gesetze des Gastlandes respektieren”, die Sprache lernen und der Gesellschaft von Nutzen sein (Seite 309). Dagegen Erdogan: Assimilation ist ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit (Seite 311). Sarrazin reagiert darauf: “Sagen wir es zurückhaltend: die Türkei Erdogans passt kulturell nicht nach Europa, und ein Land, das seine Migranten dafür lobt, dass sie sich nicht in den Gastländern assimiliert haben, ist ein Störenfried im friedlichen Zusammenleben” (Seite 312).

Das Kopftuch ist die voranflatternde Fahne einer ganzen Ideologie, eines kollektivistischen und patriarchalischen Gesellschaftsbildes” (Seite 314), es steht nicht als Bekenntnis zum Islam (der Koran schreibt es nicht vor), und sollte deshalb nicht akzeptiert werden.

Das deutsche System der Unterstützung sei “pervers. Keine der arabischen Familien, deren Kinder die Neuköllner Grundschule besuchen, bekäme in den USA auch nur einen müden Cent” (Seite 323).

Auf Seiten 326 ff versucht Sarrazin die Frage zu beantworten “Was tun?” Einige Zitate:

Wer da ist und einen legalen Aufenthaltsstatus hat, ist willkommen. Aber wir erwarten von euch, dass ihr die Sprache lernt, dass ihr euren Lebensunterhalt mit Arbeit verdient, dass ihr Bildungsehrgeiz für eure Kinder habt, dass ihr euch den Sitten und Gebräuchen anpasst und dass ihr mit der Zeit Deutsche werdet – wenn nicht ihr, dann spätestens eure Kinder…” Die das nicht wollen, sind besser in ihren Heimatland aufgehoben (Seite 326). “Hilfsangebote müssen sein. Aber sie müssen einen eindeutigen Aufforderungscharakter haben” (Seite 327). “Der eigentliche und einzige Hebel für die Verbesserung der Bevölkerungsstruktur bleibe eine Erhöhung der Geburtenrate möglichst auf das Niveau der Bestanderhaltung” (Seite 343).

Er sagt “Im Übrigen unterliegen die Multikultifreunde einem Irrtum: Es wird niemals eine transnationale Weltgesellschaft geben. Solange die Menschheit existiert, wird sie sich in Staaten und Völker gliedern, unterschiedliche Sprachen sprechen und unterschiedliche Sitten pflegen” (Seite 346). ‘Grundlegend kann man sagen, dass gut gebildete migrantische Arbeitskräfte, die ihr Leben lang in Deutschland arbeiten oder nach Beendigung ihrer Beschäftigung Deutschland wieder verlassen, einen positiven Beitrag leisten…” (Seite 366). “Nationale Identität und gesellschaftliche Stabilität bedürfen einer gewissen Homogenität in Werthaltungen und akzeptierter kulturellen Überlieferungen” (Seite 369). Sonst kann es zum ‘Kulturbruch” Kommen.

“Die einzige sinnvolle Handlungsperspektive kann daher nur sein, weitere Zuwanderung aus dem Nahen und Mittleren Osten sowie aus Afrika weitgehend zu unterbinden. Dies erfordert freilich auch, dem hohen und in Zukunft wohl noch wachsenden Einwanderungsdruck mit Energie entgegenzutreten” (Seite 372). “Herwirg Birg befürchtet. ‘dass der demografische Niedergang Deutschlands (und Europas) rückblickend einmal als ein Vorzeichen für den Abschied unseres Landes aus seiner tausendjährigen Geschichte gedeutet werden könne, ohne dass die Gefahr den heutigen Zeitgenossen überhaupt bewusst war’ ” (Seite 372). “Voraussetzung für jede tatsächliche Abänderung ist ein gesellschaftlicher und politischer Konsens, dass es dringend, zwingend und alternativlos ist, die Geburtenrate in Deutschland erheblich zu sterigern” (Seite 373).

Im letzten Kapitel bespricht er zwei alternative Zukunftsvisionen für die Welt nach 100 Jahren: Abstieg oder Ueberkommen des Niedergangs.

MEINE EINSCHÄTZUNG

Mir scheint, dass die Konzentration der Kritiker auf die genetischen Aspekte des Buches falsch liegt. Obwohl Sarrazins Äusserungen über die Vererbung der Intelligenz manchmal widersprüchlich sind, im grossen und ganzen gilt seine Kritik dem religiösen Hintergrund vieler Einwanderer (Islam), der eine Anpassung an die deutsche Kultur erschwere, und er diskutiert ausführlich aus seiner Sicht wirksame Methoden, um das zu ändern (Schulreform, Änderung des Subventionssystems und der Einwanderungspolitik, usw.).

Das Buch schneidet sehr wichtige (wenn nicht die wichtigsten) Probleme an, die Deutschland jetzt und in allernächster Zukunft bewältigen muss. Es ist gut geschrieben, scheint statistisch gut untermauert (obwohl Eichener [3] Zweifel an Aspekten seiner Methodik äussert), und durchweg mit ausreichenden Hinweisen auf die zahlreichen Quellen versehen (obwohl Eichener [3] die Seriösität einiger Quellen anzweifelt, siehe oben). Die zur Bewältigung der Probleme vorgeschlagenen Schritte sind gemässigt und human, und – wie mir scheint – notwendig. Wie nehmen sich die von verschiedener Seite erhobenen, zum Teil vernichtenden Kritiken aus?

Es ist ein Skandal, dass ein Mann, der aus höchstem Verantwortungsbewusstsein ein wichtiges Buch über Deutschlands Zukunft geschrieben hat, d.h. nicht nur die nächsten Bundes- oder Landtagswahlen mit Sicht auf mögliche Stimmenverluste- oder -gewinne im Auge hat, derartig diffamiert wird. Sigmar Gabriels Versuch, ihn wegen der von ihm vorgeschlagenen Rückkehr zur “staatlich gelenkten Vererbungspolitik zu Anfang des 20. Jahrhunderts” in die Nähe von Auschwitz und der schwedischen Euthanisiepolitik von vor Jahren zu rücken, ist eine verleumderische Unverschämtheit. Merkels Feststellung, dass ein Buch, das sie nicht gelesen hatte, nicht “hilfreich” sei, hat die Debatte in eine gewisse Richtung gelenkt. Ein schlechtes Beispiel für alle Schüler, denen man ja kritisches Denken beibringen sollte, was allerdings nur möglich ist, wenn man zu kommentierende Bücher auch liest. Sie wird sich vor der Geschichte dafür zu verantworten haben, hoffentlich schon bald, bei den nächsten Wahlen (aber wen dann wählen, Gabriel?). Der Hinauswurf aus dem Vorstand der Bundesbank scheint mir Amtsmissbrauch durch die Präsidenten der Bank und des Bundes zu sein. Wenn die ehemalige Bischöfin Margot Käßmann sich in Hinblick auf Sarrazin, doch ohne ihn nennen, für “Offenheit (schon immer von der christlichen Kirche befürwortet)” und eine multikulturelle Gesellschaftausspricht, so widerspricht das ja den von Sarrazin vertretenen Ansichten nur bezüglich des “multikulti” . Auch er befürwortet “Offenheit” zu einem gewissen Grade, will aber wirksamere Mittel zur Integration und stärkere Auslese der Einwanderer. Margot Käßmann wie auch Sarrazin unterstreichen den Wert der Sprache. – Insgesamt, wie weit soll die “Offenheit gehen? Man sollte sich der Konsequenzen bewusst sein, wenn man eine unbegrenzte Offenheit befürwortet.

Die Presse: die oben bereits gegebenen Beispiele sprechen für sich selbst. Wenn Jakob Augstein das Buch ein “Buch der Niedertracht” nennt, ist das eine Diffamierung der schlimmsten Art. Da ein solcher Mann ja immerhin 24% der Anteile am Spiegel-Verlag verwaltet, lässt das so einiges befürchten für den von Sarrazin geforderten Konsensus für eine Bevölkerungspolitik, für den man wohl eine Presse braucht, die zumindest neutral ist.

Was die Bemerkungern Sarrazins zur Vererbung der Intelligenz und die Pisa-Tests angeht, Sarrazin behauptet ja nicht, dass die Tests vererbte Intelligenz messen, sondern durchaus auch von der Unterrichtsqualität beeinflusst sein können. – Es scheint in Deutschland erhebliche Probleme mit den “Genen” zu geben. Welcher Idiot bezweifelt eigentlich allen Ernstes, dass Gene eine Rolle bei der Ausbildung der Intelligenz spielen? Länder wie Australien, Canada usw. suchen sich ihre Einwanderer sorgfältig aus, und aus gutem Grunde. Warum soll das niederträchtig in Deutschland sein? Singapore hat jahrelang (und ich vermute noch immer) die Reproduktionsrate von Akademikern finanziell gefördert. Es ist sich wohl bewusst, dass Intelligenz für das Überleben des Staates lebenswichtig ist. Nicht von Sarrazin, dessen Buch notwendigerweise auch solche Themen behandelt, sondern von den Gutmenschen droht eine Gefahr, die alles auf ein unbegründetes Gesalbere reduzieren wollen, und dadurch wirksame Massnahmen unmöglich und einen schliesslichen Kollaps unvermeidlich machen. – Gabriel mokiert sich auch darüber, dass sich Sarrazin dazu versteigt, die Menschen in der Uckermark schlechter zu bewerten als die in Schwaben. Als 50% Uckermärker sollte mich das eigentlich gegen Sarrazin einnehmen. Im Gegenteil, ich glaube schon, dass ihm die Uckermärker zustimmen würden, da sie sich wohl bewusst sind, wie viele der besten aus der Gegend gen Westen oder Berlin verschwunden sind. Billige Stimmungsmache vielleicht in der Hoffnung, im Osten punkten zu können!(Als Nachgedanke: Die Reaktionen im Ausland? Schon vor 30 Jahren sagte mir meine aus Sri Lanka stammende Sekretärin (oder vielmehr ihr Mann), dass Deutschland allgemeines Gespött im Lande war. Ich habe Einzelheiten vergessen aber es war ungefähr so: schiffe dich nach Deutschland ein, schmeisse deinen Pass weg und beantrage Asyl. Du kriegst es.)

Einige kritische Bemerkungen

Völlig vernachlässigt durch die Kritiker und im Buch ist die mögliche Rolle des Heterosis-Effektes (mischrassige Pflanzen und Tiere sind oft leistungsfähiger als reinrassige). Immerhin ist es denkbar, dass selbst nicht so intelligente Eltern verschiedener Ethnien aufgrund des Heterosis-Effektes Kinder erzeugen, die weit über ihrem eigenen “Niveau” stehen. Mir sind quantitative empirische Stützen für diese Annahme allerdings nicht bekannt. – Ferner, es gibt doch wohl sehr wichtige Eigenschaften, die vielleicht nicht unter den Überbegriff Intelligenz fallen wie z.B. Kreativität. Und da fällt auf, dass Türken schon jetzt einige sehr wertvolle Beiträge in Deutschland geleistet haben: Filme, Bücher. Und es bedarf wohl einiger Zeit, bis sich das Potential von Einwanderern völlig entfalten kann.Wie bereits gesagt, einige Irrtümer besonders hinsichtlich der Statistik sind möglich und bedürfen der Klärung [3], doch der entscheidende Punkt, nämlich dass Deutschland eine ausserordentlich grosse Einwanderungswelle von vorwiegend Türken hatte, die zu einem bedeutenden Teil schwierig einzugliedern sind und weitgehend von staatlicher Unterstützung abhängen (und zwar oft selbst in der zweiten Generation) ist kaum abzuleugnen. Nicht abzuleugnen ist auch, dass Muslime weit höhere Reproduktionsraten als Deutsche haben und dass dies, wenn sich der Trend fortsetzt, dazu führen wird, dass Deutsche eine Minderheit im eigenen Land werden. (Eichener [3] meint allerdings, dass die Reproduktionsrate der Einwanderer sich der von Deutschen allmählich anpasst und er zeigt auch, dass diese Anpassung zum Teil tatsächlich schon erfolgt ist. Er scheint dies als eine Art Naturgesetz anzusehen, wobei die Frage bleibt, bis zu welchem Grade eine solche Entwicklung bei sozial abgeschotteten Gemeinschaften tatsächlich zu erwarten ist). Rein wirtschaftlich gesehen kann das ja eine Weile gut gehen, aber was wird passieren, wenn zum Beispiel der Export nach China und Indien nicht mehr so gut läuft und der Lebensstandard in Deutschland abstürzt? Denkbar sind alle möglichen Szenarien. Ist es möglich, dass selbst die sogenannten Gutmenschen ihre Meinung ändern, wenn es allerdings zu spät ist? – Meiner Meinung nach ebenso wichtig ist die Frage, ob der Islam im Prinzip eine “Assimilation” in die deutsche Kultur zulässt. In dieser Hinsicht hat Sarrazin die Anpassungsfähigkeit des Islam vielleicht unterschätzt. Er schreibt, dass selbst die mittelalterliche islamische Gesellschaft in Andalusien nicht so vorbildlich wie oft dargestellt war, denn immerhin mussten Angehörige anderer Religionen (Christen, Juden) eine Schutzsteuer zahlen. Das ist zwar richtig, aber – im Zusammenhang der geschichtlichen Situation zu jener Zeit gesehen – war Andalusien ein Muster der Toleranz und des Fortschrittes. Die klassische griechische Philosophie und Wissenschaft gelangten über Andalusien nach Europa und führten schliesslich zur Renaissance. Die andalusische Architektur war wohl das grossartigste, was zu jener Zeit in Europa hervorgebracht wurde. Als die Christen kamen, wurden Muslime und Juden verjagt oder mussten konvertieren, und selbst Konvertiten waren nicht sicher. Wohin gingen die vertriebenen Juden? In muslimische Länder, das osmanische Reich, das zu etwa der gleichen Zeit Konstantinopel eroberte und in den Balkan vordrang. Es gab keinen Zwang, zum Islam überzutreten, wohl aber eine Schutzsteuer. – Ferner, der aggressive Charakter des heutigen Islam ist sicherlich zumindest teilweise eine Folge der westlichen Aggression: Kolonisierung des Nahen und Mittleren Ostens, kriminelle Kriege in Afghanistan, Iraq usw. Als ich 1967 in Afghanistan reiste (Kabul, Kandahar, Herat, Baghlan), konnte ich die grossen Buddha-Statuen noch sehen, später von einer radikalisierten Taliban gesprengt. Warum überlebten die Statuen wohl hunderte von Jahren in einem muslimischen Land? Insgesamt also, der Westen hat sich die schleichende Islamisierung Europas zu einem gewissen Grade selbst zuzuschreiben. – Schliesslich, der Rückgang der Christen in Anatolien war nicht ausschliesslich eine Folge der türkischen Politik in und nach dem Ersten Weltkrieg, sondern zu einem grossen Teil auch eines Abkommens zwischen Griechenland und der Türkei, das den “Austausch” von Griechen aus Anatolien und Türken aus dem Balkan nach vieljährigen kriegerischen Auseinandersetzungen absegnete. – Der türkische Ministerpräsident Erdogan lehnte zwar die Assimilierung von Türken in Deutschland ab, hat sich aber durchaus dafür ausgesprochen, dass Türken in Deutschland deutsch lernen (türkisch allerdings zuerst!) und sich auch sonst “integrieren” (obwohl Sarrazin sagt, dass die Unterscheidung zwischen Assimilation und Integration eigentlich ein “Scheingegensatz” ist: “denn wer integriert ist, ist auch immer ein Stück weit assimiliert”, Seiten 309/310). Die Behauptung, dass zumindest in den Jahren des “Wirtschaftswunders” (und weitgehend auch jetzt noch) Türken als Arbeitskräfte dringend gebraucht wurden, wird von Sarrazin abgelehnt: “Aus heutiger Sicht war die Gastarbeitereinwanderung in den sechziger und siebziger Jahren ein gigantischer Irrtum: Grossenteils wurden die Arbeiter eingesetzt in Industrien, die sterbende Industrien waren. Dies verlangsamte den unvermeidlichen Strukturwandel…” (Seite 359).Meine kritischen Bemerkungen ändern nichts an der Tatsache, dass Deutschland sich akuten Problemen gegenüber sieht, und es ist Sarrazins grosser Verdienst, dies aufgezeigt zu haben. Entscheidend ist seine Feststellung: “Nationale Identität und gesellschaftliche Stabilität bedürfen einer gewissen Homogenität in Werthaltungen und akzeptierten kulturellen Überlieferungen” (Seit 369), und dies wird durch unkontrollierte Einwanderung von Massen schwierig zu integrierender Personen gefährdet. Man kann nur hoffen, dass die Politik reagiert. Und man kann nur hoffen, dass die schleichende oder nicht so schleichende Anglisierung deutscher Hochschulen gestoppt wird. Warum sollen Türken deutsch lernen, wenn selbst Deutsche ihre Sprache vernachlässigen?

Meine Einstellung zur Einwanderung

Siehe “Warum deutsche Knols?”

Kommentare

Vererbt oder erworben? Siehe hier:http://the-scientist.com/2011/10/01/beyond-nature-vs-nurture/

15 Comments

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    • Klaus Rohde

      Die Frage ist, ob die “angeblichen?” statistischen Irrtümer etwas an der allgemeinen Schlussfolgerung ändern. Ich glaube kaum (siehe den letzten Abschnitt meiner Rezension). Sarrazin sagt ja ganz klar, dass die Ergebnisse der Pisa-Studien nicht unbedingt und ausschliesslich durch Intelligenz erklärt werden können, und er hebt ausdrücklich die enorme Plastizität des menschlichen Geistes hervor. Was die Prozent-Angaben hinsichtlich der Intelligenz angeht, das schien mir immer spanisch. Spielt es eine wesentliche Rolle? Kaum. Kann man wirklich ernsthaft bezweifeln, dass Intelligenz erheblich durch genetische Anlagen bestimmt wird? Kaum. Allerdings braucht jede genetische Anlage die entsprechenden Umweltbedingungen, um sich voll ausdrücken zu können. Vielleicht können Sie die Kommentatoren Ihres links darauf hinweisen. Ich würde sagen, man sollte sich auf das Wesentliche beschränken und nicht irgendwelche Kinkerlitzchen machen. Ich habe erhebliche Erfahrungen mit der Statistik in der Ökologie und könnte einige Beispiele anführen, dass sowas nicht weiter hilft.Meine Kritik Sarrazins bezieht sich vor allem auf die Punkte, die ich im letzten Abschnitt meiner Rezension gemacht habe.

    • Andreas Kemper

      Man kann bezweifeln, dass es so etwas wie eine gruppenspezifische Vererbung von Intelligenz gibt. Und darauf baut Sarrazins Konstrukt auf, nicht auf individuelle genetische Vererbung, sondern auf gruppenspezifische (die Intelligenz der Unterschicht, die Intelligenz der Türken, etc.). Und dieser Rassismus, der in der massenmordenden Tradition der Rassenhygiene steht, ist wissenschaftlich unhaltbar.

    • Klaus Rohde

      In dem Vorwort zu der Ausgabe, die ich besitze, schreibt Sarrazin:”An keiner Stelle des Buches behaupte ich, bestimmte ethnische Gruppen seien bedingt “dümmer” als andere”.Ich habe das Buch ziemlich gründlich gelesen, und Sarrazins Beauptung scheint mir zu stimmen. z.B. heisst es auf Seite 292: Nicht eine “Unterschichtung”, d.h. eine negative Auslese von Einwanderen aus den unteren Schichten, sondern der Islam sei verantwortlich. – In anderen Worten, er macht die Religion und nicht die vererbte Intelligenz verantwortlich.

    • Andreas Kemper

      “Die Türken erobern Deutschland genauso, wie die Kosovaren das Kosovo erobert haben: durch eine höhere Geburtenrate. Das würde mir gefallen, wenn es osteuropäische Juden wären, mit einem 15 Prozent höheren IQ als dem der deutschen Bevölkerung.” Sarrazin im Lettre-Interview 2009.Das alles führt er u.a. auf den Seiten 346 ff aus: “unterschiedliche Bildungsfähigkeit der jeweiligen Populationen”.

    • Andreas Kemper

      Zitat: “Ihr Zitat: “unterschiedliche Bildungsfähigkeit der jeweiligen Populationen”. Das heisst natürlich nicht unbedingt rein erbliche Bildungsfähigkeit, es kann sehr wohl die religiöse und mehr generell kulturelle Komponente einschliessen.”Nein, der Begriff “Bildungsfähigkeit” ist so stark, dass damit nur außerhalb der Kultur stehende Faktoren gemeint sein können. Denn egal, welcher Religion oder Kultur ich angehöre, es besteht immer die Möglichkeit, dass ich etwas dazulerne.Sarrazin äußert sich in einem Kapitel zur Frage: Kann jeder alles lernen? (208). Hier spricht er von den “angeborene[n] Unterschiede[n] in der Bildungsfähigkeit”. In jeder “Population” gäbe es einen unterschiedlich großen “stabilen Kern an nicht oder kaum Bildungsfähigen”.Die Bildungsunfähigkeit – und hier schließt sich der Kreis – führt er auf die falsch interpretierten statistischen Werte zurück (er hat ja bekanntlich von r=0,5 bis r=0,8 auf 50% bis 80% geschlossen, statt auf 25% bis 64%):”Es führt zu nichts, im Zusammenhang mit der Pisa-Diskussion Umwelt und Erblichkeit gegeneinander in Stellung zu bringen. Bei einer Erbkomponente von 80 Prozent und einer Umweltkomponente von 20 Prozent könnten günstige Umweltbedingungen den gemessenen IQ um sieben Punkte erhöhen, wenn sich die Umweltbedingungen um eine Standardabweichung verbessern. Beträge die Erbkomponente 50 Prozent, wo würde eine Verbeserung der Umweltbedinungen um eine Standardabweichung den IQ um 11 Prozent erhöhen. In die Umweltbedingungen fließen aber viele Komponenten ein, nämlich Elternhaus, soziale Herkunft und gesellschaftliche Rahmenbedingungen. Die Schule ist nur ein Teil davon, und es ist deshalb unwahrscheinlich, dass sie die gemessene Intelligenz um mehr als fünf Punkte beeinflussen kann.” (215)”Die beste Schule macht ein dummes Kind nicht klug” (215)Also unter “Bildungsfähigkeit” versteht Sarrazin erblich bedingte Grenzen und setzt diese aufgrund seiner Unfähigkeit Korrelationen zu interpretieren, falsch an.Ich stimme Ihnen zu, dass die von IQ-Tests gemessene Intelligenz nicht ausschlaggebend dafür ist, ob jemand auf dem kulturellen Gebiet produktiv ist. Da unterscheiden wir uns erheblich von Sarrazin.

    • Klaus Rohde

      Das osteuropäische und deutsche Juden einen besonders hohen IQ haben, ist ja wohl möglich (obwohl von Eichener angezweifelt: keine empirische Stützung!) (Juden waren führend bei der Entwicklung der Intelligenzforschung in Deutschland vor den Nazis beteiligt, führten das dann aber aus bekannten Gründen woanders fort. Die Nazis warfen ihnen vor, Intelligenzquotienten in der Art entwickelt zu haben, dass Juden bevorteiligt waren. Nicht überraschend, Streicher vs. Einstein!). Es ist auch wohl bekannt und ich weiss das aus eigener Erfahrung, dass Chinesen, Vietnamesen und andere Asiaten deutlich besser bei verschiedenen Tests, vor allem mathematischen, abschneiden als z.B. “Germanen”. In Australien werden gewisse Testresultate regelmässig in den Zeitungen veröffentlicht und es ist eindeutig, dass asiatische Einwanderer trotz ihrer relativ geringen Zahl einen Grossteil der Spitzenplätze einnehmen. Ob das alles erblich ist, ist natürlich zweifelhaft. Sicherlich spielt auch der kullurelle, vor allem konfuzianische (wie kürzlich behauptet wurde), Hintergrund eine entscheidende Rolle. – Wie Sie sehen, ich sagte “auch”. Man kann das gern haben oder nicht, aber so sind die Tatsachen nun einmal. – Praktisch wird das zur Folge haben, dass China und Indien den Westen in die Ecke drängen werden, wenn man sich nicht zusammen nimmt.Übrigens, es gibt doch wohl auch andere sehr wertvolle Eigenschaften, die nicht unter den Überbegriff Intelligenz fallen, z.B. Kreativität. Und da fällt auf, dass Türken einige sehr wertvolle Beiträge in Deutschland geleistet haben: Filme, Bücher. Ihr Zitat: “unterschiedliche Bildungsfähigkeit der jeweiligen Populationen”. Das heisst natürlich nicht unbedingt rein erbliche Bildungsfähigkeit, es kann sehr wohl die religiöse und mehr generell kulturelle Komponente einschliessen.

    • Klaus Rohde

      Ich habe übrigens Eicheners Kritik jetzt in meinen Knol eingearbeitet. Vielen Dank für den Hinweis. Es war mir sicherlich unbekannt, dass die Behauptung, Juden seien intelligenter als zum Beispiel Deutsche, eine “klassische antisemitische ” Behauptung sei. Man lernt nie aus.””Die beste Schule macht ein dummes Kind nicht klug” ” Da würden wohl die meisten Lehrer zustimmen ( meine Frau war Lehrerin).

    • Klaus Rohde

      „[Es ist] nicht angemessen, je nach Belieben die Studie, welche die geringste oder höchste Erblichkeitsschätzung impliziert, herauszupicken, und diese Studie als die eigentlich aussagekräftige zu werten. In dieser Weise geh[t] […] Lewontin […] vor.“– Peter Borkenau: Anlage und Umwelt[35]Ferner wird von Riemann und Spinath darauf hingewiesen, dass sich der Erblichkeitsanteil bei Kindern und Erwachsenen anders darstellt, als Lewontin anführt:„Offenbar wirken sich die von Familienmitgliedern geteilten Umweltbedingungen nur solange auf die Intelligenz aus, bis die Personen die Familie verlassen. […] Während Effekte der geteilten Umwelt ein Viertel der Variation bezüglich Intelligenz in der Kindheit erklären, sind diese im Erwachsenenalter nicht mehr nachzuweisen. Einflüsse der spezifischen Umwelt nehmen jedoch zu.“– Riemann & Spinath: Genetik und Persönlichkeit[39]

    • Klaus Rohde

      Ich habe mir den sehr guten englischen Wikipedia-Artikel über Erblichkeit der Intelligenz angesehen http://en.wikipedia.org/wiki/Heritability_of_IQ und den weniger ausführlichen über Intelligenz in der deutschen Wikipedia http://de.wikipedia.org/wiki/Intelligenz. Viel bleibt zu tun, aber es scheint mir gar kein Zweifel zu bestehen, dass Intelligenz entscheidend genetisch bedingt ist, dass es auch Hinweise auf Unterschiede zwischen Populationen und Klassen gibt, und ferner, dass Eicheners Hinweise auf die Intelligenz der Juden und die angeblich gefälschte Quelle von Charles Murray und Richard Herrnstein zumindest fragwürdig sind.Herrnstein war immerhin ein sehr remonnierter Professor an der Havard Universität und Lewontins Kritik an ihrer Arbeit ist ebenfalls fragwürdig. Eicheners Kritik scheint mir daher weitgehend ideologisch geprägt zu sein, etwas was er Sarrazin vorwirft. Hier sind Auszüge: http://en.wikipedia.org/wiki/Heritability_of_IQ …………………..From such data the heritability of IQ was estimated at anywhere between 0.40 and 0.80 in the United States. The reason for this wide margin appeared to be that the heritability of IQ rises through childhood and adolescence, peaking at 0.68 and 0.78 in adults, leaving the overwhelming majority of IQ differences between individuals to be explained genetically.[16] ……….In addition to strong evidence for heritability increasing with age, some studies suggest that heritability increases with social class,.[20][21][22]……………Differences among children with higher than average social status are almost entirely due to inherited differences, while among very low social class groups, most of the differences in IQ-scores (at least in children and young adolescents) are attributable to differences between families ……….Black-white average IQ differences appear to increase with age, reaching an average of nearly 17 points by age 24, which is slightly more than one standard deviation.[27] According to James Flynn and others, the overall average black-white gap has reduced by one-third over the course of the 20th century.[27] ……………….A 1960 study of 1,236 American teenagers calculated six IQ measures for Jews relative to white gentiles. The results found that the relative IQ of American Jews varied from a low of 91.3 (visual reasoning) to a high of 109.7 (mathematics).[36][37] A recent review by Lynn (2004) used a 10 word vocabulary test to estimate the IQ of American Jews. The population of 150 Jews scored half a standard deviation above the 5,300 white gentiles in verbal IQ.[37][38] ………………..According to Richard Lynn, J. Philippe Rushton, and others, IQ test score differences are observed cross-culturally and around the world. Lynn has published three books summarizing IQ test scores from around the world.[40] ………….he inaccuracy of the cross cultural IQ scores is well documented, but many scholars use the results as an estimate of worldwide IQ scores.[41][42][43][44] Lynn’s meta-analysis lists East Asians (105), Europeans (99), Inuit (91), Southeast Asians and Amerindians (87 each), Pacific Islanders (85), South Asians/North Africans (84), Non-Bushmen sub-Saharan Africans (67), Australian Aborigines (62) and Bushmen (54).[23][45][46] However, critics point out that different researchers using different data get different results.[47] For example, James Flynn found out that Lynn’s comparisons between nations were skewed and that the IQ values should be recalculated.[48] International achievement test scores, including TIMSS and PISA, have also been used to estimate average IQ worldwide with similar results where data is available.[4 …………Differences in education, prolonged malnutrition, exposure to toxin, exposure to stress, and exposure to disease are all generally expected to contribute to the lower scores observed in developing countries. However, direct experimental evidence to confirm the role of individual factors is difficult to acquire in most cases because each of these factors tends to also be associated with one another and with unfavorable socioeconomic conditions …………….The failure to find a specific gene associated with IQ indicates that cognitive abilities are very complex and are likely to involve several genes (polygenic). Some estimate that as much as 40% of all genes may contribute to IQ……………..Deutsche Wikipedia Intelligenz http://de.wikipedia.org/wiki/Intelligenz Harvard-Professoren Charles Murray und Richard Herrnstein; Intelligenz zum grössten Teil erblich. Kritisiert von Lewontin u.a. mit Beispiel von Weizenkörnern z.T.auf fruchtbaren und z. T. auf unfruchtbaren Boden, angeführt von Eichener. ………….Jedoch: Borkenau kritisiert, dass Lewontins Einschätzung unzutreffend und pauschalisierend sei: FORTSETZUNG:

    • Peter Mersch

      Andreas Kemper: “Man kann bezweifeln, dass es so etwas wie eine gruppenspezifische Vererbung von Intelligenz gibt. Und darauf baut Sarrazins Konstrukt auf, nicht auf individuelle genetische Vererbung, sondern auf gruppenspezifische (die Intelligenz der Unterschicht, die Intelligenz der Türken, etc.).”Das ist einfach nicht wahr. Sarrazin und andere betonen bestenfalls die gruppenspezifische Selektion. Wer denkbare Langzeitwirkungen einer gruppenspezifischen Selektion über viele Generationen hinweg bezweifelt, sollte gleich die ganze Evolutionstheorie infrage stellen.Ich meine mich sogar zu erinnern, dass Frau Waider Sie an anderer Stelle sehr deutlich auf Ihren Denkfehler an dieser Stelle aufmerksam gemacht hat. Erstaunlich, dass sich da so gar kein Lerneffekt einstellen will. Gene werden nur von den Eltern an ihre Kinder weitergegeben werden. Also kann es keine gruppenspezifische Vererbung geben. Allerdings kann eine gruppenspezifische Selektion ähnliche Effekte bewirken. Sehen Sie sich allein schon die Aussagen der Evolutionstheorie zur Artbildung oder Darwins Beobachtungen bzgl. den sog. Darwinfinken etc. an.

  1. Peter Mersch

    Sehr fundiert — Für mich einer der besten Artikel, die ich bislang zum Sarrazin-Buch und die sich daran anschließende Debatte gelesen habe (ich habe ihn jetzt auch in meinen Artikel “Der Fall Sarrazin” aufgenommen). Der Artikel ist thematisch äußerst umfassend, sehr lesbar, ausgesprochen gut strukturiert und vor allem auch ausgewogen, da er beide Standpunkte ausreichend zu Wort kommen lässt.Ein Wort noch zum Heterosis-Effekt. Hier sehe ich zwei Probleme/Fragen:1. Es wird immer wieder behauptet, dass sich gerade die türkischen Zuwanderer ausgesprochen endogam fortpflanzen. 2. Kann man die Effekte wirklich auf der Merkmalsebene beobachten? Nehmen wir einmal an, ein 165cm großer deutscher Mann und eine 150cm große Thailänderin haben gemeinsame Kinder. Ist zu erwarten, dass hierbei größere Kinder entstehen, als wenn z. B. beide aus Deutschland sind?Stärker hervorheben könnte man vielleicht noch, dass Sarrazin insbesondere bzgl. Intelligenz und Bildung keineswegs ein reines Ausländerproblem sieht. Die negative Korrelation zwischen Geburtenrate und IQ/Bildung/sozialem Erfolg etc. besteht ja auch “innerdeutsch”. Dies wird zwar im Artikel angeführt, geht gegenüber der Ausländerthematik ein wenig unter.Mir sind einige wenige Typos aufgefallen. Lena wird ihn auch noch mal lesen, die Zusammenfassung kommt dann per email.

    • Klaus Rohde

      Alle Korrekturen gemacht, vielen Dank, sehr gründlich. Was den Heterosis-Effekt angeht, meines Wissens ist nicht bekannt, welche genetische Grundlagen er hat, und man sollte nicht erwarten, dass er immmer (bei allen Eigenschaften) auftritt. So muss es zweifelhaft bleiben, ob die Grösse zum Beispiel in der Art, wie Du es postuliert, betroffen sein kann. Ich vermute, dass es von Art zu Art und von Eigenschaft zu Eigenschaft unterschiedlich ist.

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