Globalization and culture. Globalisierung und Kultur. The Role of the Internet. Die Rolle des Internets.

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Globalisierung und Kultur. Globalization and cultur

1 – Die Schlüsselfrage: sind individuelle Kulturen durch Globalisierung bedroht?Wir leben in einer sich rasch durch Globalisierung verändernden Welt. Wie wird dies das Überleben lokaler Kulturen beeinflussen? Kulturgüter haben sich über Jahrtausende angehäuft. Sind sie bedroht durch eine vorwiegend durch Wirtschaft/Handel vorangetriebene Globalisierung, die kulturellen Auswirkungen kaum Aufmerksamkeit schenkt und sie für nicht viel mehr als “kollateralen Schaden” hält. Thomas L. Friedman, der amerikanische Pulitzer-Preisträger, hat ein brilliantes Buch über Globalisierung aus seiner Perspektive geschrieben, das einen sehr kurzen Abschnitt über kulturelle Auswirkungen enthält. 2 – Thomas L. Friedman: Die Welt ist Flach
Photo #1The World is Flat

In seinem Buch “The World is Flat” unterscheidet Friedman 10 grössere politische Ereignisse, Innovationen und Unternehmen, die die Welt “abgeflacht” haben, d.h. die die Welt weit integrierter (globalisierter) als sie jemals vorher war, gemacht haben. Sie sind: 1. Der Fall der Berliner Mauer;2. Das Internet, World-wide Web und kommerzielle Webbrowser;3. Work Flow (Informationsfluss) Programme; diese haben weiter geführt zu 4. Hinaufladen (Wikipedia, Blogging, Podcasting);5. Produktionsverlagerung;6. Offshoring (Produktionsverlagerung in andere Länder);7. Zulieferketten;8. Insourcing (Nutzung fremder Fachkompetenz);9. In-forming (Google usw);Und schliesslich
10. Schnelles Computersuchen.Friedman hält die durch diese Entwicklungen ausgelöste Zusammenarbeit für ebenso wichtig wie die Erfindung der Druckpresse oder Elektrizität, ein Wendepunkt der menschlichen Geschichte.Er führt die Identifizierung der abflachenden Prozesse zurück auf das kommunistische Manifest von Karl Marx und Friedrich Engels, in dem sie vorraussagten, dass Technologie und Kapital alle Barrieren, Grenzen, Reibungsflächen und Hindernisse für den Welthandel beseitigen würden; dass alle feudalen, nationalen und religiösen Identitäten aufgelöst würden mit der Schaffung einer universalen, durch Marktkräfte getriebenen Zivilisation.

Photo #2 – Ricardo

Friedman betont seinen Glauben an die Richtigkeit von Ricardos Prinzip des vergleichsweisen Vorteils, d.h. Menschen wird es besser gehen ohne Barrieren gegen Produktionsverlagerung, Zulieferketten und Produktionsverlagerung in andere Länder; in anderen Worten: Protektionismus is kontraproduktiv. Und zwar ist dies so weil die Bedürfnisse und Wünsche des Menschen unbegrenzt sind ….. weil unbegrenzte Geschäfte geschaffen und begonnen werden könnnen, und weil es eine unbegrenzte Zahl von Jobs gibt. In anderen Worten: die Welt flacht sich ab und erhebt sich zur gleichen Zeit.
Friedman betont, dass nicht alle Länder im gleichen Ausmass fähig sind, den Anforderungen gerecht zu werden, und dass zwei Aspekte einer Kultur dafür wichtig sind:

1. wie weit sie sich äusseren Einflüssen und Ideen öffnen kann;2. wie weit sie nach innen gerichtet ist, mit einem Sinn für nationale Solidarität und Fokus auf Entwicklung, mit Eliten die sich um die Massen kümmern und bereit sind, im Innern zu investieren, und mit Bereitschaft für die Zusammenarbeit von Fremden.
Mehr nach aussen gerichtete Gesellschaften besitzen eine gute Chance, in einer globalisierten Welt zurecht zu kommen. Für mehr nach innen gerichtete Gesellschaften sind Voraussagen schwieriger.
3 – Globalisierung des LokalenNach dem Fall der Berliner Mauer gab es gerechtfertigte weltweite Besorgnisse darüber, dass Globalisierungmit Amerikanisierung identisch ist, was zu einer Gegenreaktion gegen “amerikanischen kulturellen Imperialismus” führte.Friedman argumentiert, dass, obwohlGlobalisierung die Gefahr der Homogenisierung in sich birgt, die Chancen für das Gegenteil grösser sind, und zwar vor allem wegen des “uploadings” (Hinaufladens). Jedermann kann seine eigenen Inhalt in das Netz stellen. Nimm Deine Kultur und mache sie der Welt zugänglich! Podcasting macht es für jeden möglich, seinen/ihren Kanal mit Video oder Audioinhalt aufzuladen. Inder oder Chinesen, zum Beispiel, brauchen nicht mehr ins Ausland zu gehen, um zu innovieren. Lokale Zeitungen können überall in der Welt im Internet gelesen werden, man kann praktisch umsonst überall hin telefonieren. Internationale Fernsehkanäle, Zeitungen, Radiokanäle können ausschliesslich fremde Sprachen benutzen.

#4 – Friedman

Friedman erwähnt Grossbritannien und Amerika mit Fernsehkanälen, die völlig in chinesisch, spanisch, arabisch oder japanisch sind. Ferner wird Asien in der nahen Zukunft einer der Hauptproduzenten von Medieninhalten sein. Google war schon vor einigen Jahren in 116 Sprachen zugänglich. Die Computer-Suche ist eine der 10 Abflacher, und Globalisierung wird mehr und mehr zunehmen mit der Ausbreitung von Suchmaschinen in jede Ecke der Welt hinein. Friedman zitiert den Philosophie-Professor Kwame Anthony Appiah, in Ghana geboren doch jetzt an der Princeton-University in den USA: “Ja, Globalisierung kann zum Homogenisieren führen, doch stellt sie auch eine Bedrohung der Homogenisierung dar.”Jedoch gibt Friedman zu, dass die Abflachung der Welt nicht immer zu einer kulturellen Bereicherung führt, doch birgt sie die Möglichkeit dazu in sich. 4 – Einwände gegen Friedman

#5 – Paul Krugman

Friedman glaubt an einen mehr oder weniger unkontrollierten Markt, gerechtfertigt durch Ricardos Prinzip des vergleichsweisen Vorteils. Jedoch hat Paul Krugman kürzlich den Nobelpreis für Ökonomie gewonnen für den Nachweis, dass Ricardos Prinzip die tatsächlichen Verhältnisse nicht realistisch erfasst. (Siehe meinen Knol “Freie Marktwirtschaft und Ökologie”.)SindBedürfnisse und Wünsche des Menschen, Geschäfte und die Zahl der Jobs wirklich unbegrenzt?Ferner: Friedmans Optimismus über Globalisierung des Lokalen scheint mir zwar bis zu einem gewissen Punkt gerechtfertigt, aber kann die durch grosse “Spieler” ausgeübte “Gravitation” so überwältigend sein, dass ein Massenverschwinden von Kulturen (selbst sehr grossen und entwickelten) bei einer Fortsetzung der gegenwärtigen Entwicklung unvermeidlich wird?

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5 – Fragen?Meiner Ansicht nach darf man nicht erwarten, dass alle kleineren Kulturen intakt überleben werden, obwohl einige ihrer Bestandteile von grösseren und weiter entwickelten Kulturen übernommen werden könnten. Jedoch wäre eine Zerstörung führender Kulturen ein Desaster, ein Symptom einer sich auflösenden und nicht mehr lange überlebenden Welt. Was die deutsche Kultur anbetrifft, siehe meinen Knol “Warum deutsche Knols?”. Insbesondere ist auch wichtig, dass nicht nur das Überleben, sondern die Weiterentwicklung der diesen Kulturen zugrunde liegenden Sprachen gesichert ist. All dies heisst aber nicht, dass sich Kulturen abschotten sollen. Nein, selbstverständlich ist Aufnahme neuer Ideen und gegenseitige Befruchtung notwendig und sollte gefördert werden.Wie denkt Ihr darüber? Lohnt es sich, für das Überleben individueller Kulturen zu kämpfen? Und wenn ja, in welchem Grade und welche ihrer Aspekte sollen überleben? Möglicherweise stehen wir erst am Anfang der Abflachungs-Entwicklung. Welche Entwicklungen seht ihr kommen? Zum Beispiel, wie wird sich die Perfektionierung von Übersetzungsprogrammen auf die Globalisierung des Lokalen auswirken?6 – QuelleThomas L. Friedman: The World is Flat. The globalized world in the twenty-first century (updated version Penguin Books 2006)

1 – The key question: are individual cultures threatened by globalization?We live in a rapidly changing world, rapidly changing due to globalization. How does and will this affect the survival of local cultures? Cultural treasures, distinct from each other, have accumulated over millennia. Are they threatened by a globalization which is largely driven by commerce/economics, without paying much attention to cultural effects which usually are considered as not much more than – let’s say – “collateral damage”.Thomas L. Friedman, the Pulitzer Prize winning American journalist, has given a brilliant account of his view on globalization, the forces responsible for it, and – in a very brief section – effects on cultural identities. 2 – Thomas L. Friedman: The World is FlatThomas L. Friedman: The World is Flat. The globalized world in the twenty-first century (updated version Penguin Books 2006), recognizes 10 major political events, innovations and companies that “flattened” the world, i.e., made it vastly more integrated (globalized) than it was ever before. They are: 1. The fall of the Berlin Wall in December 1990, which “flattened” the alternatives to free-market capitalism and “unlocked enormous pent-up energies” for hundreds of millions of people, and which also allowed us to see the world as a whole;2. The emergence of the Internet, the World Wide Web and the spread of commercial Web browsers such as Netscape);3. The development of Work Flow software, which permits a work flow over the Internet using standardized protocols;which, in turn, led to 4. Uploading (e.g. Wikipedia, blogging/podcasting);5. Outsourcing;6. Offshoring;7. Supply-chaining (e.g. Wal-Mart which gets its supplies from thousands of suppliers);8. Insourcing (e.g. by companies like UPS, which services supply chains);9. In-forming (e.g., Google, Yahoo! and search engines in general). Und: 10. “Digital, Mobile, Personal and Virtual” (in Friedman’s term) “Steroids” (e.g., digitalisation of analog contents and processes, and transmission at very high speeds leading to the possibility of almost instant searches).Friedman believes that the collaboration spawned by these developments rank with the invention of the printing press or electricity as an important turning point in the history of mankind.He traces the identification of flattening processes back to the Communist Manifesto of Karl Marx and Friedrich Engels, in which they predicted that technology and capital would remove all “barriers, boundaries, frictions, and restraints to global commerce”, dissolving “all feudal, national, and religious identities, giving rise to a universal civilization governed by market imperatives”.Friedman then stresses his belief that Ricardo’s principle of comparative advantage is still correct, i.e., people are better off if barriers to outsourcing, supply-chaining and offshoring are not erected, in other words: protectionism is counterproductive. This is so because “human wants and needs are infinite….and there are infinite businesses to be created, infinite businesses to be started, and infinite jobs to be done”. In other words; “the world is flattening and rising at the same time”.Friedman stresses that not all countries are equally able to cope with the developments, and he emphasizes the importance of two aspects in a culture that may affect success in a globalized world: 1. the degree to which cultures are “outward”, i.e, do more easily “glocalize” (are more open to foreign influences and ideas);2. the degree to which cultures are ”inward”, i.e. have a sense of national solidarity and a focus on development, have elites concerned with the masses and ready to invest at home, and have trust within the society for strangers to collaborate together.More outward looking societies will have a good chance to accommodate in a globalized world, the chances of more inward looking societies (as just defined) are more intangible. 3 – Globalization of the Local
Photo #3 – Fall der Berliner Mauer

After the fall of the Berlin Wall “there was a considerable and justifiable worry around the world that “globalization means Americanization”, leading to a backlash against “American cultural imperialism”. Friedman argues that although globalization has the potential to homogenize cultures, it has an even greater potential to “nourish diversity to a degree that the world has never seen before”, primarily because of uploading. Everybody can upload her/his own content. Take your own culture and upload it to the world! Podcasting enables everybody to create his/her own channel of video or audio content, and other people can access it.People in nations like India and China can innovate without going abroad. Local newspapers can be read anywhere in the world on the internet, communication by phone is possible for almost nothing; international TV channels, newspapers, radio channels may be entirely based on local languages. He refers to Britain and America, which have TV channels in which programming is all in Chinese, Spanish, Arabic or Japanese. “Also, in the near future, Asia will be a major producer of media content”. He refers to this as “globalization in reverse”. Further: Google was available in 116 different languages a few years ago. “Search is one of the ten flatteners, and the globalization of the local will be steadily enhanced as search engines gradually spread to every corner of the flat world”. Friedman cites Professor of philosophy Kwame Anthony Appiah, Ghana-born but now professor at Princeton: “Yes, globalization can produce homogeneity… But globalization is also a threat to homogeneity…”.However, according to Friedman “My point here is not that the flattening of the world will always enrich and preserve culture. My point is that it will not always destroy culture,…” and“Indeed, if trends continue, it is inevitable that globalization will finally become, well, global– both culturally and commercially – a process no longer driven from America and Europe but from all four corners of the flat world.” 4 – Objections to FriedmanFriedman believes in more or less uncontrolled market forces justified by Ricardo’s principle of comparative advantage. However, the Nobel prize for Economics was recently given to Paul Krugman who has shown that Ricardo’s principle does not appropriately describe what is happening.(See my knols”Free Markets…” und “Freie Marktwirtschaft…”.)Are human wants and needs, businesses and jobs really infinite? Also, his optimism regarding globalization of the local may be justified to a degree, but quite possibly the “gravitational” effect of the largest players in the field will be so owerwhelming that large-scale extinctions of cultures (even very rich and developed ones) are inevitable if trends continue.

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5 – Questions?In my view, one cannot expect that all minor cultures will survive intact, although some of their ingredients may be absorbed into other, bigger and more developed ones, but that a large-scale destruction of leading cultures would be a disaster, a symptom of a disintegrating world which may not survive much longer. Concerning German culture, see my knol “Warum deutsche knols?”. And, importantly, not only the survival but further development of languages at the basis of these cultures, are essential. Which, however, does not mean that there should not be absorption of ideas from others and mutual “fertilization”. Indeed, such developments should be encouraged.What are your views? Is there any point in fighting for survival of individual cultures? And if so, to what degree and which aspects of them should survive? We may be just at the beginning of these flattening developments: what other developments do you foresee: for example, how will the perfection of translation programmes affect the globalization of the local? 6 – SourceThomas L. Friedman: The World is Flat. The globalized world in the twenty-first century (updated version Penguin Books 2006).

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1Limit to Globalization 2ENGLISH KNOLS 3Eine grenze der globalisierung 4Meeresparasiten Wirtschaftliche Und 5KNOLS DEUTSCH

Photo Attribution Photo #1 -http://www.amazon.com- The World is Flat. Photo #2 -http://homepage.newschool.edu- Ricardo Principle Photo #3 -www.msstate.edu- Fall of Berlin Wall Photo #4 – http://www.gatech.edu- Thomas Friedman Photo #5 -www.princeton.academia.edu- Paul Krugman “The World is Flat” – T.L.Friedman About the Author

Klaus Rohde is Professor emeritus, Zoology, University of New England, Armidale NSW, Australia. Research on parasitology especially marine parasitology, evolutionary biology, ecology, ultrastructure and phylogeny of invertebrates. About 360 publications, books: Ecology of Marine Parasites (two editions 1982, 1993, University of Queensland Press und CABI Wallingford, Oxon.; Malay-Indonesian translation); Nonequilibrium Ecology (Cambridge University Press 2005), Marine Parasitology (editor) (CSIRO Melbourne und CABI Wallingford Oxon. 2005); Satire, Politik und Kunst (Lulu 2005). About 5600 citations (2008), h- Index 35 (2006). Clarke Medal of the Royal Society of NSW; UNE award for excellence in science.
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